Im Winterschlaf

Im Bienenstock ist alles Frauensache: Das machen Imker und ihre Tiere in der kalten Jahreszeit

Im Frühling und Sommer haben Imker viel zu tun. In den Wintermonaten können sie es etwas ruhiger angehen lassen. So auch vier Hobby-Imker aus Giengen und Hohenmemmingen. Die Bienen selbst zittern sich durch die kalte Jahreszeit.

Stefan Heger, Ulf Hommel, Andreas Renner und Bernd Tschabrun haben das gleiche Hobby: Sie haben Bienen. Den Zugang zum Imkern haben die vier Freunde, die sich seit Jahrzehnten kennen, aber auf unterschiedliche Art und Weise gefunden. Bei dem einen war es beispielsweise der Sohn, der sich vor wenigen Jahren der Angelegenheit widmen wollte und nach gewisser Zeit das Interesse verlor, ein anderer war familiär vorgeprägt, oder es war der eigene Garten, der den Weg zu den Bienenvölkern ebnete.

Der Frühling und der Sommer sind für die vier Hobbyimker eine arbeitsreiche Zeit. Unter anderem stehen die Nachschau, die Futterkontrolle, Brutraumserweiterung und Schwarmverhinderung an. Dann konzentrieren sich die Aufgaben auf die Honigernte, die Schwarmkontrolle oder Jungvolkpflege. Dazu kommt auch die Behandlung gegen eine Milbenart. Etwa im Spätsommer sind diese Arbeiten erledigt.

Und dann? „Dann macht der Imker eigentlich Winterschlaf“, sagt Ulf Hommel scherzhaft. In den kälteren und kalten Monaten haben die Imker zwar weniger zu tun, doch nur die Füße hochlegen können sie auch nicht.

Im Winter ist Zeit, um die Rahmen zu säubern. Stefan Heger

„Im September ist in der Regel Schluss, ich hab’ dann erst einmal was anderes gemacht. Aber das variiert natürlich von zu Imker“, sagt Andreas Renner. Im Oktober oder November, ergänzt Stefan Heger, wenn es draußen unwirtlich wird, beginne er zum Beispiel mit dem Reinigen, mit der Arbeit am Wachs oder kümmere sich um die Vermarktung des Honigs. Die Bienenvölker lässt man weitestgehend in Ruhe – von der Behandlung gegen Milben im November/Dezember mal abgesehen.

In der kalten Jahreszeit kann auch mit Wachs gearbeitet werden. Stefan Heger

Die Honigbienen selbst halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe: Sie schließen sich zu einer engen Wintertraube zusammen. In dieser schützen sie sich gegenseitig vor der Kälte. Dabei sitzt die Königin in der Mitte der Traube. Informationen des Naturschutzbundes zufolge herrscht in der Traube dank des Einsatzes der Arbeiterinnen stets eine Temperatur von mindestens 25 Grad Celsius vor. Minustemperaturen, auch über einen längeren Zeitraum, schaden, so erklärt der Giengener Ulf Hommel, nicht. Durch Muskelkontraktion können Bienen Wärme erzeugen. Die Tiere an den kalten Außenseiten der Traube werden regelmäßig von Bienen aus der wärmeren Mitte abgelöst und gefüttert. Ihre Körperfunktionen verlangsamen sich und die Brutaktivität der Königin stoppt zunächst. Das Volk sammelt den Kot und unternimmt sogenannte Reinigungsflüge, wenn es die Temperaturen zulassen.

Winterbienen leben länger

Und es gibt, laut Nabu, noch eine Anpassung an die nahrungsarme Jahreszeit: Während ein Bienenvolk im Sommer aus bis zu 50.000 Bienen bestehen kann, sind es in den Wintermonaten nur etwa 20.000 Tiere. „Die Winterbienen schlüpfen im Herbst und leben deutlich länger als die Sommerbienen. Im Frühjahr und Sommer leben Bienen nur etwa fünf bis sechs Wochen, im Winter bis zu sechs Monate“, sagt Andreas Renner. Ein weiterer Unterschied zu Sommer und Winter: „Im Winter sind im Bienenstock hauptsächlich nur noch weibliche Bienen, also Arbeiterinnen und die Königin, vorhanden“, so Hobby-Imker Bernd Tschabrun. Die Männer würden im Herbst verstoßen oder verjagt. „Das machen sie, um Futterressourcen zu schonen“, sagt Tschabrun. Der Nebeneffekt: Die Drohnen, also die männlichen Bienen, sterben ab, weil sie nicht für das Überleben im Winter benötigt werden.

Sobald die Temperaturen etwas steigen, endet die Winterruhe allmählich. „Das ist meist im Februar oder März“, sagt Stefan Heger. Die Honigbienen machen sich dann wieder auf die Suche nach den ersten Frühblühern, um Pollen und Nektar für ihre Brut zu sammeln. Und zu dieser solle auch der Imker aus dem Winterschlaf kommen.

Bis auf wenige Ausnahmen lässt man die Bienenstöcke im Winter Bienenstöcke sein. Marc Hosinner

Bezirksverein wurde schon 1860 gegründet

Der heutige „Bezirksimkerverein Heidenheim e.V.“ wurde 1860 gegründet, ist somit einer der sieben ältesten Imkervereine und Mitbegründer des Landesverbands württembergischer Imker. Der Verein hat etwas mehr als 100 Mitglieder, welche zusammen etwa 1200 Bienenvölker bewirtschaften. Zweck des Vereins ist die Förderung der Bienenhaltung auf allen Gebieten. Weiterhin sieht sich der Verein dem Natur- und Umweltschutz verpflichtet. Weitere Infos unter imkerverein-heidenheim.de.