Pflaumenkuchen, Donauwelle und Zwetschgenkuchen: Das war das Kuchenangebot am Dreikönigstag im Hasenloch, der Heimat der Giengener Naturfreunde. 76 Jahre hat der Verein sein Heim selbst bewirtschaftet. Der Dienstag markierte eine Zäsur. Denn nun ist Schluss. In Kürze übernehmen Pächter die Regie im Hasenloch.
Denn rührigen Giengener Naturfreunden ging es in den vergangenen Jahren wie anderen Vereinen auch: Die Zahl derer, die einen Dienst übernehmen können oder wollen, ist rückläufig. Bei der zurückliegenden Hauptversammlung machte Vorstandsmitglied Hans Mack darauf aufmerksam, dass sich die Verantwortlichen intensiv mit dem Gedanken der Verpachtung des Hasenlochs auseinandersetzen müssen. Bei den Naturfreunden hätten vor allem gesundheitliche Gründe für einen Rückzug aus dem Bewirtungsteam gesorgt. Es sei zwar gelungen, einige neue Teams hinzuzugewinnen, aber das habe nicht ausgereicht, um die Lücken nachhaltig zu schließen. Die Folge: Bereits 2025 war an Samstagen nicht mehr und an Sonntagen nur noch von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Mittwoch war unvermindert bei den Öffnungszeiten 14 bis 18 Uhr geblieben.
Gastronomen zeigen Interesse
In dieser schwierigen Situation hätten sich qualifizierte Gastronomen gemeldet und Interesse gezeigt, es habe Gespräche gegeben, denen sich anschließende Beratungen in den Vereinsgremien anschlossen. Im Verlauf des Prozesses sei auch ein von den Interessenten geführtes Naturfreundehaus in Michelbach (Ortsteil von Gaggenau) angeschaut worden. In der Vereinsausschusssitzung sei letztlich einstimmig beschlossen worden, das Haus zu verpachten.

Die Pächter kommen in der kommenden Woche nach Giengen. Es sind die beiden Gastronomen Berth Beuthan und Maurice Götz, die sich in der Firma MAGBNB GmbH zusammengeschlossen haben. Online sagen sie über sich: „Wir sind ein junges, engagiertes Unternehmen mit einer klaren Mission: Gemeinsam mit Gemeinden und Partnern schaffen wir ein internationales Netzwerk moderner Wander- und Naturfreundehäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz.“ Im Vordergrund stehe der Erhalt von Geschichte und Kultur, sowohl in der Bausubstanz als auch im Erhalt von Kulinarik und Übernachtungen im Einklang mit der Natur und zu einem erschwinglichen Preis – auch für Familien, Schulklassen oder Pfadfinder.
Im Naturfreundehaus in Giengen kann bei gutem Wetter nicht nur innen, sondern auch außen bewirtet werden. Zudem stehen 16 Betten zur Übernachtung zur Verfügung. „Wir werden sehen, ob und welche Modernisierungen nötig sind“, so Mack.
Neben dem Hasenloch haben die Unternehmer auch ein Naturfreundehaus in Breitnau zum Jahresanfang übernommen. In Giengen haben sie schon einzelne Veranstaltungen geplant – ein Neujahrsbrunch am kommenden Sonntag ist gar bereits ausgebucht, ein mediterraner Pastaabend oder auch ein spanischer Abend folgen. Über die künftigen Öffnungszeiten soll bald informiert werden. „Die Pächter haben, soweit waren wir in den Gesprächen, vor, an etwa fünf Tagen in der Woche zu öffnen“, so Mack.
Einweihung nach viel Eigenleistung
Für die Naturfreunde geht mit der Verpachtung eine Ära im Hasenloch zu Ende. Das Naturfreundehaus wurde am 16. September 1949 eingeweiht. Schon zuvor, 1932, hatten die Naturfreunde begonnen, ein Haus auf der Irpfel zu errichten. Durch das Vereinsverbot durch die Nationalsozialisten wurde das aber gestoppt. Nach der Wiedergründung 1946 erwachte bald wieder der Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim. Im Januar 1948 stellte der Verein ein Gesuch an den Gemeinderat, mit der Bitte „um Überlassung der ehemaligen Abdeckerhütte im Gewann Hasenloch“. Die Stadt zeigte sich großzügig und schenkte dem Verein die Schinderhütte mit dem dazugehörigen Gelände.

In jeder freien Minute machten sich die Mitglieder nun an die Arbeit. Das Hasenloch wurde zu einer permanenten Baustelle. Zur Einweihung kamen Hunderte Mitbürger hinaus. 1950 wurde mit dem Kauf einer angrenzenden Wiese der Erholungswert des Hauses weiter gesteigert. 1952 wurde eine erste Erweiterung mit Küche, Keller und Windfang erstellt. Auch eine Toilettenanlage wurde infolge des starken Zustroms durch die Giengener Bevölkerung notwendig. Was immer noch fehlte, waren Wasser und Strom.
1962 konnte letztlich der Anschluss an den Solgenhofbrunnen und das dortige Stromnetz geschaffen werden. 1963 wurde eine Kläranlage errichtet, die Massenschlafräume in Zimmer umgebaut und Duschen und WCs eingerichtet. 1979 wurde eine Leergut- und Werkzeughütte errichtet und der Spielplatz in der heutigen Form angelegt.
Der Wasseranschluss über den Solgenhofbrunnen führte immer wieder zu Unterbrechungen. Als er im November 1983 wieder kein Wasser lieferte, wurde der Anschluss an die städtische Wasserversorgung geplant und innerhalb von zehn Tagen umgesetzt. Der nachfolgende größte Ausbau erfolgte mehr im Untergrund und hat das äußerliche Erscheinungsbild des Hauses nur wenig verändert. Der Innenhof zwischen Leergutschuppen und dem Haus wurde ausgegraben und Kellerräume sowie ein Aufenthaltsraum für Übernachtungsgäste und eine Selbstkocherküche wurden errichtet. Mit dem Einbau einer Flüssiggasheizung wurde das Haus gleichzeitig richtig winterfest gemacht. Im Obergeschoss wurde noch eine Toilette eingebaut und Dachgauben errichtet. Die Arbeiten fanden im Mai
1986 ihren Abschluss.
Kinderfreizeit kann wohl weiter stattfinden
Das Hasenloch mit seinem weitläufigen Gelände ist seit vielen Jahren im Sommer für zwei Wochen Heimat der Kinderfreizeit der Giengener Arbeiterwohlfahrt. Etwa 70 Kinder tummeln sich dann dort, werden betreut und bekommen auch Mahlzeiten.
Wie Naturfreunde-Vorstandsmitglied Hans Mack erklärt, sei im Pachtvertrag schon verankert, dass die Freizeiten des Awo-Ortsverbandes weiterhin ermöglicht werden sollen. „Ein erstes Gespräch mit den Pächtern und Awo-Vertretern vom Kreisverband wird in den nächsten Tagen anberaumt. Es wird wahrscheinlich klappen.“

