Als das Giengener Rathaus ab 1667 erbaut wurde, hatte man von Brandschutz nach heutigen Maßstäben noch wenig Ahnung. Obwohl das Vorgängergebäude dem verheerenden Stadtbrand von 1634 zum Opfer gefallen war, errichtete man den neuen Verwaltungssitz nach dem damaligen Stand der Technik, der außer Wassereimern praktisch noch keinen Brandschutz kannte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Rathaus mehrmals umgebaut und den veränderten Bedürfnissen angepasst.
Gewachsenes Bewusstsein für die Gefahren durch Feuer und Brandrauch sowie erhöhte Standards sorgen nun aber dafür, dass die Brandschutzeinrichtungen im Rathaus einmal mehr nachgeschärft werden. Im städtischen Haushalt für 2026 sind dafür 250.000 vorgesehen. Im vergangenen Jahr waren bereits 450.000 Euro finanziert. Weitere Umbauten im historischen Gebäude sind nötig, um die Klimatisierung im Sitzungssaal unter dem Dach zu verbessern.
Gutachten macht Treppe überflüssig
Bereits vor rund neun Jahren wurde ein Brandschutzkonzept erarbeitet, um die sicherheitstechnischen Einrichtungen im Rathaus zu optimieren. Dieses Konzept war freilich nicht statisch, es wurde in den vergangenen Jahren vielmehr überarbeitet. Basis der Veränderungen war auch ein neues Gutachten.
Das ursprüngliche Gutachten sah vor, an der nördlichen Fassade, zum Parkplatz hinter dem Rathaus hin, eine Fluchttreppe anzubauen, um im Notfall den Menschen aus den oberen Stockwerken einen sicheren Fluchtweg bieten zu können. Weil das Rathaus allerdings denkmalgeschützt ist, waren Abstimmungen mit dem Landesdenkmalamt notwendig.
Zwischenzeitlich wurde eine optisch sicherlich sehr auffällige Fluchttreppe durch die Ergebnisse des neuen Brandschutzgutachtens hinfällig. Um etwa die Anwesenden bei einer Ratssitzung notfalls retten zu können, wird an der westlichen Dachseite, zur Rathaushasse hin, eine Plattform errichtet, die von der Feuerwehr mithilfe einer Drehleiter zu erreichen wäre. Diese Plattform soll laut Haushaltsplan bis Ende des ersten Quartals 2026 gebaut werden.
Parallel laufen bereits diverse Elektroarbeiten, in deren Zuge etwa die alten Einbaustrahler im Sitzungssaal gegen eine LED-Beleuchtung ausgetauscht werden. Auch die Brandmeldeanlage im Rathaus wird ertüchtigt. Zusätzlich lässt die Stadtverwaltung vor dem Hintergrund des mutmaßlichen Brandanschlags vom Oktober 2023 eine Anlage zur Videoüberwachung zentraler Bereiche installieren. Im Dachgeschoss werden nicht zuletzt Rauch- und Wärmeabzugsanlagen eingebaut.
Besseres Klima für den Ratssaal
Die geplanten Modernisierungen im Rathaus betreffen aber nicht nur den Brandschutz, auch die Klimatisierung im Dachgeschoss wird überarbeitet. Zuletzt behalf man sich seitens der Stadtverwaltung damit, an besonders heißen Tagen mit Sitzungsbetrieb vier mobile Klimaanlagen zu nutzen, die allerdings wegen ihrer Geräuschentwicklung von einigen Stadträten als störend empfunden wurden.
Grund der Planungen ist die Tatsache, dass die vorhandene Lüftungsanlage, die zur Klimatisierung von Sitzungssaal und zwei Besprechungszimmern auf derselben Ebene dient, aufgrund eines Defekts nicht mehr richtig funktioniert und altersbedingt auch nicht mehr repariert werden kann. Geplant ist nun, eine neue Kältemaschine einzubauen, wobei der Großteil der vorhandenen Kanäle noch genutzt werden könne. Erneuert wird zudem die Lüftungsanlage, die künftig zum Heizen, Kühlen und zur Wärmerückgewinnung dient. Der Auftrag hierfür wurde im Oktober vom Gemeinderat zum Preis von rund 170.000 Euro vergeben.


