Vor fast zwei Jahren, im Februar 2024, wurde die geriatrische Rehaklinik an der Giengener Hirschstraße geschlossen. Oberbürgermeister Dieter Henle, bei der im Dezember 2023 vorangegangenen Kreistagsentscheidung einer der Gegner der Schließung, überraschte allerdings wenige Monate darauf mit dem Konzept, an der Ehbachstraße eine neue Rehaklinik zu bauen. Diese sollte dem offensichtlich vorhandenen Bedarf im Landkreis folgen und mit 80 bis 100 Betten mutmaßlich ausreichend groß sein, um wirtschaftlich arbeiten zu können.
Seither durchläuft die Vision den ersten Realitätscheck, sprich: im Hintergrund laufen offenbar immer wieder Gespräche mit möglichen Investoren und Betreibern, ohne dass allzu viel nach außen dringt. Henle formuliert in solchen Situationen gerne, man werde erst jubeln, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.
Geld für Grundstückskäufe
Demnach hat bislang noch niemand den Füller zur Unterschrift gezückt. Dennoch gibt es Signale dafür, dass auch noch niemand den Schlussstrich unter dem Vorhaben gezogen hat. Anlässlich der städtischen Pressekonferenz zum Jahresende sagte der OB, es werde im Januar erneut ein Gespräch bezüglich der Betreiberschaft geben. Zeitdruck herrsche nicht, man habe sich drei Jahre Zeit gegeben, um das Projekt auf die Beine zu stellen.
Ein weiterer Hinweis für das weitere Gedeihen ist die Tatsache, dass im städtischen Haushalt für 2026 rund 2,5 Millionen Euro „für den Erwerb von Bauerwartungsland in Giengen und den Erwerb von Grundstücken in der Ehbachstraße“ vorgesehen sind. Dort hat die Stadtverwaltung mehrere Grundstücke von der Kreisbaugesellschaft erhalten, eingetauscht, die dafür Flächen im Neubaugebiet Bruckersberg-Ost erhielt. Die ertauschten Flächen hat die Stadt wiederum an den designierten Investor veräußert.
Wir haben Partner, die es ernst meinen.
Dieter Henle, Oberbürgermeister
Bemerkenswert bei der Wortwahl in der Pressekonferenz ist, dass es bei den Grundstückskäufen an der Ehbachstraße um „die neue Rehaklinik bzw. ein Gesundheitszentrum“ gehen soll. Demnach ist auch offen, wie genau ein neues medizinisches oder therapeutisches Angebot ausgestaltet sein könnte. „Wir eruieren da in mehrere Richtungen“, bestätigte Henle auf Nachfrage. Ob eine herkömmliche Rehaklinik entstehen wird oder ein Gesundheitszentrum mit mehreren Disziplinen unter einem Dach, ist demnach Bestandteil der Verhandlungen. „Wir haben Partner, die es ernst meinen“, so Henle, der damit weiterhin davon ausgeht, dass nachdem Ende der alten Rehaklinik eine neue, vergleichbare Einrichtung wachsen wird.
Interesse an der alten Reha
Nichtsdestotrotz hat man im Giengener Rathaus offenbar auch schon einen Plan B im Hinterkopf: Sollten alle Anstrengungen für eine neue Reha nicht fruchten, könne man auf den Flächen im Ehbach auch über sozial geförderten Wohnbau nachdenken.
Mehrere mögliche Optionen gibt es Henle zufolge auch in der mittlerweile städtischen Immobilie der früheren Reha. Dort ist vor einem Jahr bereits ein neues Therapiezentrum eingezogen, bestehend aus Ergotherapie, Physiotherapie und Podologie.
Bis vor wenigen Monaten war zudem geplant gewesen, die früheren Bewohner- und Therapieräume am Fuße des Schießbergs während der Bauzeit des geplanten Dienstleistungszentrums an der Marktstraße als Ausweichquartier für Teile der Stadtverwaltung zu nutzen. Nachdem das Dienstleistungszentrum nach einem Gemeinderatsbeschluss aber zunächst auf Eis gelegt wurde, stehen die Räume an der Hirschstraße ebenfalls für andere Formen der Nutzung offen. Henle zufolge gibt es bereits Interessenten, die Flächen anmieten oder gar erwerben möchten.


