Dieses Plädoyer für die Demokratie hielt Giengens OB Dieter Henle beim Herbsthock 2026
Auf dem Rathausplatz spielten die „Village Boyz“, später war der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr unterwegs. In der Marktstraße lockten Stände und Aktionen. Gefeiert wurde auch in den Teilorten: In Burgberg lud der Historische Mühlenverein zum Zwiebelkuchenfest an der Alten Mühle ein, in Hürben war die HöhlenErlebnisWelt ein Ziel. Ein kostenloser Pendelbus verband die Teilorte mit der Innenstadt.
„Zu Genuss und Kunst kommt am 3. Oktober – Sie wissen es – die Politik“, leitete Henle den ernsteren Teil seiner Ansprache ein, bevor vor dem Rathaus den Herbsthock mit einem Fassanstich eröffnete. Mit Blick auf die Wahlergebnisse in Ostdeutschland sprach er von „deutlichen Verschiebungen“. Gründe dafür gebe es viele: politische Entscheidungen und „manches Nicht-Entscheiden“ in Bund und Ländern, Unzufriedenheit mit den Parteien der demokratischen Mitte und deren mangelnde Präsenz bei den Wählern, aber auch den Wunsch nach „Ordnung, Sauberkeit und einfachen Lösungen“.
Respektlosigkeit ist eine Vorstufe von Gewalt.
Dieter Henle, Oberbürgermeister in Giengen
Henle mahnte zugleich, genau auf die Form der politischen Auseinandersetzung zu achten, die manche Abgeordnete in Bundestag und Landtagen pflegten. Seine Warnung fiel deutlich aus: „Respektlosigkeit ist eine Vorstufe von Gewalt.“ Was gewaltbereite Politik anrichten könne, lasse sich an vielen Orten der Welt beobachten. Deutschland habe dies selbst erlebt, in Ostdeutschland bis zum Mauerfall. „Wir können das für unser Land nicht wollen.“

Dem stellte Henle die freiheitliche Demokratie mit ihren Grundrechten und die Europäische Union gegenüber. Diese sei zwar häufig uneinig, habe als Verhandlungspartner in der Welt aber Gewicht und setze Regeln durch, die auch der Willkür von Autokraten und großen Tech-Konzernen Grenzen zögen.
Gerade wenn gesellschaftliche Herausforderungen und Veränderungen Ängste schürten, könnten „starke Führung und einfache Lösungen“ verlockend erscheinen. Auch differenziertes und respektvolles Diskutieren sei anstrengend. Doch: „Unsere freiheitliche, parlamentarische Demokratie ist die Staatsform, die unser freies Leben und alle Grundrechte sichert, die unsere Vorfahren nach der leidvollen Erfahrung des Zweiten Weltkrieges formuliert haben.“
Dieter Henles appelliert an alle
Das bedeute nicht, politische Entscheidungen einfach hinzunehmen. „Wir können und sollen dazu beitragen, dass sie bessere Lösungen bringt. Wir können und sollen sie gestalten“, sagte Henle. Das könne in politischen Gesprächen, als Mitglieder von Parteien und in Parlamenten geschehen.
Seine zentrale Botschaft zum Tag der Deutschen Einheit: „Aber nehmen lassen dürfen wir uns unsere respektvolle, freiheitliche Staatsform nicht.“ Danach ging es auf dem Rathausplatz wieder ganz praktisch weiter: Henle schritt zum Fassanstich – und der Herbsthock nahm seinen Lauf.
