Nach zwei Jahren der Planung und Vorbereitung sollten Überraschungen fast unmöglich sein. Dennoch war der Auftakt zum 150. Jubiläum der Feuerwehrabteilung Hohenmemmingen auch von Überraschungen geprägt – und zwar von durchaus positiven.
Nebenan, im großen Festzelt auf dem Sportplatz, wurden noch letzte Vorbereitungen getroffen, als sich im Saal des RSV-Heims Politiker, Gemeinderatsmitglieder, Verwaltungsmitarbeitende, Kirchenleute und vor allem zahlreiche Feuerwehrangehörige zum Empfang versammelten, der vom Spielmannszug gekonnt eingeleitet wurde.
Abteilungskommandant Stefan Rollwagen erinnerte zu Beginn an die Meilensteine in der beeindruckenden Entwicklung von einer mit ledernen Eimern ausgestatteten Bürgerwehr zu einer schlagkräftigen, technisch versierten Feuerwehr mit einer Vielzahl von Spezialaufgaben, zu der auch die Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall gehört.
Anerkennung aus der Politik
Bei aller Technik, so Rollwagen, „sind es die Menschen, die eine Feuerwehr ausmachen“. Er dankte, den Aktiven ebenso wie den Mitgliedern der Altersabteilung, allen Unterstützern und vor allem den Familien, die erst den Freiraum für das zeitaufwändige Ehrenamt ermöglichen.
Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle wandte sich in seiner Ansprache an die Aktiven: „Danke für all das Herzblut“. Sich in seiner Feuerwehr zu engagieren, sei weit mehr als ein Hobby, so Henle. Die Aktiven leisteten einen „unschätzbaren Dienst für die Bevölkerung“, oft auch bei Einsätzen, bei denen es um Leben und Tod gehe. Für Henle zeugt dies von Nächstenliebe und Verantwortung. Der OB sicherte der Feuerwehr die anhaltende Unterstützung der Stadt zu und erneuerte das Versprechen, dass ab 2028 das neue Gerätehaus in Hohenmemmingen gebaut werde, und verband dies auch mit Genesungswünschen für den erkrankten Stadtkommandanten Jürgen Vogt. Zuletzt zauberte Henle als Überraschung noch einen Scheck über 1500 Euro „Festgeld“ hervor.
Danke für all das Herzblut.
Dieter Henle, Oberbürgermeister
Die zweite Überraschung lieferte Harald Delle, Kommandant der Abteilung Sachsenhausen, die sehr eng mit Hohenmemmingen zusammenarbeitet. Delle überreichte eine eigens gestaltete Feuertonne, die sich auch als Grill nutzen lasse.
Landrat Peter Polta weitete die Würdigung freiwilligen Engagements noch weiter aus: „Wir sind im ganzen Landkreis sehr gut im Ehrenamt.“ Feuerwehren seien für die Gesellschaft unverzichtbar, sagte Polta und unterstrich die Bedeutung der Hohenmemminger Abteilung, die sich unter anderem auf die Wasserförderung über lange Wegstrecken spezialisiert hat.
„Eine funktionierende Feuerwehr ist von existenzieller Bedeutung“, sagte der Landtagsabgeordnete Andreas Stoch (SPD). Viele Menschen machten sich kein Bild davon, was alles hinter diesen Strukturen stecke und dass die Freiwilligen oft ihre Gesundheit aufs Spiel setzten, um „selbstlos für die Sicherheit der Menschen zu kämpfen“.
Hohe Ehrung für zwei Aktive
Als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes erinnerte der Kommandant der Burgberger Einsatzabteilung, Hans-Frieder Eberhardt, an den Wandel des Feuerwehrwesens über die vergangenen 150 Jahre hinweg. Eines sei aber immer gleichgeblieben: „Es waren Bürger, die berufen waren, unter Einsatz ihres Lebens Hilfe zu leisten.“

Eberhardt hatte die zunächst letzte Überraschung des Abends mitgebracht: Er zeichnete Oberbrandmeister Hans-Dieter Ehrlinger und Hauptlöschmeister Martin Roth mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze aus. Beide sind seit Jahrzehnten in der Hohenmemminger Feuerwehr aktiv, hatten sich in der Vergangenheit auch als Kommandanten engagiert und arbeiten aktuell im Planungsteam für den Neubau mit.
Als Sprecher der Dorfgemeinschaft gratulierte RSV-Vorstandsmitglied Fabian Steinmetz zum Jubiläum und betonte: „Wir stehen als Dorf hinter euch“. Das wurde am Wochenende im Übrigen sehr wörtlich genommen – zahlreiche Helferinnen und Helfer aus Hohenmemmingen arbeiteten an der Gestaltung des Fests mit.

An den Empfang schloss sich am Freitag ein bunter Abend im voll besetzten Festzelt an, den maßgeblich die örtlichen Vereine gestalteten. Für stimmungsvolle Musik sorgte die „Felsen-Combo“.
Kinderfest zum Thema Feuerwehr
Unter dem Motto Feuerwehr stand am Samstag auch das Kinderfest von Hohenmemmingen und Sachsenhausen, dessen Umzug ebenfalls auf den Schelmenberg führte. Begleitet wurden die Kinder vom Musikverein Burgberg und von der Feuerwehr mit modernen und historischen Fahrzeugen. OB Henle versuchte in seiner Ansprache an die Kinder, die lange Zeitspanne von 150 Jahren greifbar zu machen: „Das ist ungefähr fünf Mal so lange, wie eure Eltern auf der Welt sind.“ Es folgten die Vorführungen und Wettspiele bei nicht mehr ganz so heißem Sommerwetter.

Zur Partynacht mit den „Illertalern“ füllte sich das Festzelt wieder zusehends. Nicht zuletzt hatte die Feuerwehr alle Helferinnen und Helfer als Dank für deren Einsatz zu diesem Abend eingeladen.
Nur wenige Stunden nach dem Ende der großen Party startet am Sonntagmorgen der Kreisfeuerwehrmarsch mit rund 500 Teilnehmenden, gefolgt von einer Sternfahrt von Feuerwehr-Oldtimern und dem Familientag rund ums Zelt.
Damit nicht genug: Unter dem Stichwort „Schelme on fire!“ mobilisierten alle Beteiligten noch einmal letzte Energie, bevor der Spielmannszug und die Stadtkapelle Giengen mit dem Großen Zapfenstreich das abschließende Feuerwerk einleiteten.

