Historisches Gebäude

Wie das Ursulastift in Gussenstadt wieder zu einem Treffpunkt für alle Einwohner von Gussenstadt werden soll

Zur gemeinsamen Nutzung der Gussenstadter Kirchgemeinde und Vereine wurde das Ursulastift einst gestiftet, und zu dieser nie ganz ausgesetzten Nutzung möchte man 2026 vermehrt zurückkehren. Was sich ändern wird.

Als die Brüder Georg und Valentin Thierer – zwei Söhne von Gussenstadt, die als Kaufmänner zu Geld kamen – das nach ihren Vorstellungen errichtete Ursulastift im Jahr 1911 ihrem Heimatdorf übergaben, war es ihre Intention, dass es den Einwohnerinnen und Einwohnern von Gussenstadt als Treffpunkt dienen solle. Über die Jahre konnte das Gebäude an der Marktstraße die Funktion mal mehr, mal weniger ausfüllen; doch jetzt soll das Ursulastift wieder deutlich häufiger genutzt werden.

Beteiligt an dieser Entscheidung waren Vertreter der Ortschaftsverwaltung, der Kirchengemeinde, des Liederkranzes, des Deutschen Roten Kreuzes und natürlich der Stiftung, der das Ursulastift immer noch gehört. All jene Parteien wollen das Gebäude dann in Zukunft auch nutzen. Erste dahingehende Überlegungen stellte man an, als die Kirchengemeinde ihren Mietvertrag für die Räume im Erdgeschoss des Gebäudes 2024 beendete.

Zuvor trafen sich dort Gruppen aus der Gemeinde, wie zum Beispiel die Jungschar, aber wie Gerstettens Pfarrer Jürgen Bobzin erklärt, habe die Corona-Pandemie einen großen Einbruch ausgelöst. "Unter diesem Eindruck hat der Gussenstadter Kirchengemeinderat dann entschieden, den Mietvertrag zu kündigen", sagt er.

Gussenstadter Ortschaftsverwaltung wird Hauptmieterin

Also setzte man sich im Winter 2024 zu Gesprächen zusammen, um eine neue Nutzung, zunächst für das Erdgeschoss, zu finden. Ein Ergebnis davon ist, wie Gussenstadts Ortsvorsteher Thomas Häcker erklärt, dass die Ortschaftsverwaltung ins Gebäude einziehen wird. Aktuell befinden sich ihre Räume im alten Rathaus und sind "richtig alt und sanierungsbedürftig", außerdem nicht barrierefrei. Da ein Teil des Rathauses jetzt schon in Form von Wohnungen vermietet wird, könnte sich Häcker vorstellen, auch den Rest zu Wohnungen umzubauen und zur Miete anzubieten.

Doch zurück zum Ursulastift: Der Umzug der Ortschaftsverwaltung dorthin wird laut Häcker keine großen Mühen verursachen, vor allem, weil die Verwaltung dank Digitalisierung nicht viel Material mit sich führen muss. Auch Zeitdruck soll es keinen geben, stattdessen will Häcker "nach und nach im Laufe des Sommers dort einziehen". Noch weiter in der Zukunft liegt ein möglicher Umzug der Gussenstadter Bibliothek ins Untergeschoss des Gebäudes, vor dem aber noch viel bauliche Arbeit nötig wäre.

Die Ortschaftsverwaltung ist jedenfalls bereits seit Beginn des Jahres der Hauptmieterin des Stifts, das sich immer noch im Besitz der Stiftung befindet. Das hat laut Häcker den Vorteil, dass es dann nur noch einen Ansprechpartner für alle anderen Parteien gibt, die das Haus nutzen. Das sollen zunächst der Liederkranz, die DRK-Ortsgruppe und die Kirchengemeinde sein. Für weitere Vereine und Gruppen, die dazustoßen wollen, ist man aber offen. Zur Verfügung für sie steht ein länglicher Saal, der durch Trennwände in mehrere einzelne Räume unterteilt werden kann.

Wollen auch in Zukunft gemeinsam Pläne für das Ursulastift schmieden (von links): Gussenstadts Ortsvorsteher Thomas Häcker, Aufsichtsratsmitglied Jürgen Pfefferle, Liederkranz-Vorsitzende Claudia Eberhardt und Pfarrer Jürgen Bobzin. Theodor Hölzle

Auch Privatpersonen sollen in Zukunft Räume im Ursulastift für Veranstaltungen mieten können. Zudem können kulturelle und kirchliche Ereignisse aller Art im Stift oder in der danebenliegenden Jakobshalle stattfinden. "Nur politische Veranstaltungen haben die Stifter ausgeschlossen", fügt Jürgen Pfefferle, Mitglied des Aufsichtsrats der Stiftung, hinzu.

Anfang Januar wurde das Ursulastift außerdem Schauplatz eines Antik- und Trödelflohmarkts, auf dem Gegenstände verkauft wurden, die bei der für die zukünftige Nutzung nötigen Räumung aussortiert wurden. In die regelmäßige Nutzung des Saals im Erdgeschoss ist bereits die Theatergruppe des Liederkranzes eingestiegen, andere Gruppen sollen in den nächsten Wochen folgen.

Wenn das Gebäude dann irgendwann mehrmals wöchentlich genutzt wird, läuft auch die Heizung täglich. Das ist, wie Pfefferle anmerkt, gut für die Bausubstanz des denkmalgeschützten Gebäudes – und ein warmes und einladendes Ursulastift ist gut für die Dorfgemeinschaft in Gussenstadt.

Museum bleibt, wo es ist

Im Obergeschoss des Ursulastifts befindet sich das Gussenstadter Heimatmuseum. Es wurde 1911 von Georg Thierer eröffnet und ist damit das älteste seiner Art in ganz Württemberg. Es umfasst Sammlungen zu diversen Themen, so zum Beispiel eine Vitrine mit heimischen Vogelarten sowie eine mit lebensechten Nachbildungen alter Apfelsorten – beides aus der Zeit der Gebrüder Thierer – oder eine Ausstellung, die durch Briefe erzählt, wie Gussenstadter Soldaten den Ersten Weltkrieg erlebten.

Dieses Museum wird auch weiterhin unter dem Dach des Ursulastifts bleiben und zu seinen üblichen Öffnungszeiten zu besuchen sein, also zwischen dem 10. Mai und dem 27. September 2026 immer sonntags von 13.30 bis 16.30 Uhr. Da die Sonderausstellung zum 50. Todestag von Otto Neubrand verlängert und erweitert wird, sind aktuell auch einige Gemälde des Künstlers, der einst in Gussenstadt wirkte, zu sehen.