Begegnungsprojekt

Trina-Orchester in Gerstetten: Wie junge Musiker aus drei Nationen zusammenwachsen

Junge Musikerinnen und Musiker aus drei Nationen musizieren gemeinsam als Trina-Orchester in Gerstetten. Ein Neuling, eine Rückkehrerin und ein Dozent erzählen, warum das Begegnungsprojekt einen so großen Reiz hat.

Man nehme knapp 120 überwiegend blutjunge Musikerinnen und Musiker aus drei Nationen, füge mindestens dieselbe Menge an Instrumenten hinzu und garniere das Ganze mit einem Auftritt in der Heldenfinger Kliffhalle: Heraus kommt dabei – natürlich – das Trina-Orchester. Vom 25. Juli bis 2. August treffen sich wieder Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland (Gerstetten), Frankreich (Cébazat) und Ungarn (Pilisvörösvár) zum gemeinsamen Musizieren und zum Austausch.

Erstmals macht bei diesem musikalischen Rezept die 14-jährige Stacey Awondo Fru mit. „Ich bin mein ganzes Leben mit Musik aufgewachsen und wollte das schon immer mal in einer großen Gemeinschaft erleben.“ Bereits vor einem Jahr, im Alter von 13 Jahren, habe sie bei Trina mitmachen wollen, sei aber noch zu jung gewesen. Nun geht der Wunsch der Violinistin endlich in Erfüllung.

Begegnungsprojekt mit den Partnerstädten Gerstettens

„Ich weiß, dass ich nicht die Beste bin und mich deshalb anstrengen muss“, sagt Stacey Awondo Fru, nicht ganz ohne Selbstkritik. Dennoch: Sie erwarte und erhoffe sich von dem Begegnungsprojekt mit den Partnerstädten Gerstettens „viel Community, auch außerhalb des Musizierens“. Und: „Ich hoffe, dass man dabei Connections bilden kann“, so die 14-Jährige.

Von Community und Connections kann die 17-jährige Anna Schneider ein Lied singen. Bei Trina spielt sie die Klarinette, dieses Jahr bereits zum dritten Mal, und sie weiß daher, welche persönlichen Veränderungen das Projekt in einem erwirken kann: „Beim ersten Mal war ich noch sehr schüchtern, man kommuniziert dort ja auf Englisch mit allen. Auch die Stücke, die wir einstudiert haben, waren für mich damals vom Niveau her sehr schwierig.“

Wenn man dann abends zusammensitzt, wächst man einfach zusammen. Vor allem, wenn man dabei auch mal nicht über Musik redet.

Anna Schneider, macht zum dritten Mal beim Trina-Orchester mit

Bereits bei ihrer zweiten Teilnahme hätten sich diese Bedenken rasch in Luft aufgelöst. Gerade die soziale Komponente des Projekts sei der Reiz daran, zurückzukehren. „Wenn man dann abends zusammensitzt, wächst man einfach zusammen“, findet Anna Schneider. „Vor allem, wenn man dabei auch mal nicht über Musik redet.“

117 Menschen sind dieses Jahr am Trina-Orchester beteiligt, 105 von ihnen sind Musikerinnen und Musiker, die sich auf die drei Orchester – das große Blasorchester, das Streichorchester und die Big Band – verteilen. Den Rest der Truppe bilden all diejenigen, die sich ums Organisatorische kümmern, intern Logistiker genannt. Außerdem gibt es ein kleines Team, welches das Projekt multimedial begleitet.

Probewoche in der Musikakademie Weikersheim

Fünf Nächte verbringt das Orchester in der Musikakademie Weikersheim, wo eifrig geprobt wird. In den drei finalen Nächten kommen die Musiker bei Gastfamilien im Austragungsland des Trina-Orchesters unter. In diesem Jahr ist Gerstetten an der Reihe. So viel Nähe und Teamwork schweißen unweigerlich zusammen. „Beim Abschied können schon auch ein, zwei Tränchen fließen“, erzählt Schneider.

Einer, der bereits fünf solcher Abschiede hinter sich hat, ist Frederik Brauer. Der 21-Jährige sagt heute: „Das erste Mal Trina war eine Riesenhorizonterweiterung.“ Nicht mitzumachen, sei praktisch gar keine Option gewesen, all seine Freunde und Mitmusiker im Musikverein seien dabei gewesen.

Man muss dafür natürlich ein gewisses spielerisches Niveau mitbringen.

Frederik Brauer, ist zum ersten Mal als Dozent bei Trina dabei

Inzwischen hat Brauer sein Instrument, die Posaune, zum Mittelpunkt seines Studiums in Würzburg gemacht. Bei der diesjährigen Trina-Auflage lässt er das Studententum für ein paar Tage hinter sich und schlüpft in die Rolle eines Dozenten. „Mein Vorgänger hatte mich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen wolle“, berichtet Brauer. Als Tiefblech-Dozent fällt ihm unter anderem die Funktion zu, die verschiedenen Instrumente des großen Blasorchesters in hohes und tiefes Blech einzuteilen und entsprechende Registerproben abzuhalten – auch hier natürlich auf Englisch.

„Man muss dafür natürlich ein gewisses spielerisches Niveau mitbringen und eine Vorstellung davon haben, was man mit dem Orchester tun möchte.“ Dozent zu sein, erzählt Frederik Brauer, bedeute im Übrigen nicht automatisch, dass man der Älteste der Gruppe sei.

Im Nachgang noch intensiver mit Musik beschäftigen

„Es ist gerade dieser Mix aus verschiedenen Altersstufen, der das Trina-Orchester ausmacht“, findet auch Thomas Neumann, Leiter der Gerstetter Musikschule. Natürlich handle es sich dabei nicht um eine „Hochleistungsmusikmaschine“. Etwas Ordentliches komme am Ende aber immer heraus. „Die Dynamik dieser Woche ist für viele Teilnehmer Antrieb, sich im Nachgang noch intensiver mit Musik zu beschäftigen“, so Neumann.

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Heidenheim
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Freier Eintritt beim Trina-Abschlusskonzert

Sein Abschlusskonzert zelebriert das Trina-Orchester am Freitag, 31. Juli, ab 20 Uhr in der Heldenfinger Kliffhalle. Auftreten werden das große Blasorchester, das Streichorchester sowie die Big Band. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen und gehen zugunsten der Kinderstiftung Knalltüte.