Artenvielfalt

Diese Prognose gibt der Gerstetter Pilzsachverständige Georg Schabel für die restliche Pilzsaison 2026

Georg Schabel aus Gerstetten ist  Pilzsachverständiger bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) und stellt sich seit über 20 Jahren als Giftnotruf zur Verfügung. Er weiß, wie es um die Pilzsaison 2026 steht:

Auf der Schwäbischen Alb sind in diesem Jahr bislang nur wenige Pilze zu finden. Der trockene und heiße Sommer macht ihnen zu schaffen. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) ist der Sommer 2026 der wärmste Sommer seit dem Jahr 1881. Pilzsachverständiger Georg Schabel aus Gerstetten rechnet deshalb mit einer eher dürftigen Pilzsaison.  

„Wenn es nicht bald regnet, wird es ein dürftiges Pilzjahr“, sagt Georg Schabel mit Blick auf die weitere Pilzsaison 2026. Der Gerstetter ist Pilzsachverständiger bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGFM) und beobachtet seit Jahrzehnten das Pilzwachstum in der Region. 

Entscheidend für das Pilzwachstum ist vor allem ausreichende Bodenfeuchtigkeit, so der Experte. Und genau daran fehle es derzeit. „Ich notiere und beobachte seit 40 Jahren das Wetter und es wird definitiv immer wärmer und trockener“, sagt Schabel. Das bestätigen auch die Messungen des Deutschen Wetterdiensts. Bis zum Sommerende fielen im Flächenmittel in Baden-Württemberg lediglich 153 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. So würde 2026 als einer der fünftrockensten Sommer seit 1881 abschließen. 

Der ausgetrocknete Boden könne Niederschlag derzeit nur schwer aufnehmen, sagt Schabel. Entsprechend fällt auch seine bisherige Bilanz der Pilzsaison aus: In seinen drei Beobachtungsgebieten rund um Gerstetten hat er bislang nur wenige und vereinzelt wachsende Pilze gefunden.  

Diesen Echten Königsröhrling hat Georg Schabel vor kurzem im Landkreis gesichtet. Foto: Georg Schabel

Die Artenvielfalt fällt folglich in diesem Jahr sehr gering aus. Nur zwei besondere Arten fallen in einem der drei Gebiete auf: der Echte Königsröhrling (Butyriboletus regius) und der Silberröhrling (Butyriboletus fechtneri). Beide Arten sind nicht giftig, gelten jedoch als stark gefährdet. Sie sind auf der neuen Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze in Band acht unter RL2 zu finden. Das bedeutet, diese Pilzarten sind erheblich zurückgegangen oder werden durch menschliche Einwirkungen bedroht. Sie sind eine Verantwortungsart in Deutschland. An seinem Fundort seien die beiden Arten allerdings nur etwa zwei Wochen lang zu sehen gewesen. 

Während das Pilzwachstum in diesem Jahr sehr enttäuschend ausfällt, beschäftigt Schabel seit vielen Jahren noch ein anderes Thema: Pilzvergiftungen. Ihm ist im Laufe der vergangenen 20 bis 30 Jahre aufgefallen, dass immer mehr Menschen zum Pilzesammeln gehen.  

Mehr als 170 Giftnotrufe

Seit 2002 stellt sich Schabel freiwillig für den Pilz-Giftnotruf zur Verfügung. Mehr als 170 Giftnotrufe habe er seitdem bereits bearbeitet, erzählt der Pilzsachverständige. Dabei hat er schon viele unterschiedliche Fälle erlebt. Es gibt über zehn verschiedene Arten von Pilzvergiftungen. Sie können verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich wird zwischen echten Vergiftungen durch giftige Inhaltsstoffe von Pilzen und sogenannten unechten Vergiftungen unterschieden, die beispielsweise durch verdorbene, rohe oder falsch zubereitete Pilze entstehen können. 

Dieser Silberröhrling wächst trotz eines trockenen Sommers 2026. Foto: Georg Schabel

An einen Fall erinnert sich Schabel bis heute besonders: Vor rund fünf Jahren wurde er in ein Krankenhaus gerufen, weil bei einem acht Monate alten Kleinkind der Verdacht auf eine Pilzvergiftung bestand. Die Ärzte und Eltern konnten sich zunächst nicht erklären, woher die Vergiftung stammen könnte. 

Schließlich stellte sich heraus, dass das Kleinkind mehrere kleine Pilze gegessen hatte, die in einem Blumentopf gewachsen waren. Die Mutter entdeckte die Pilzstiele auf dem Boden neben dem Topf und kam so auf die Ursache. Die Pflanze hatte die Familie von einer Reise aus Südamerika mitgebracht und anschließend im Wohnzimmer aufgestellt. 

Schabel versuchte, innerhalb von drei Stunden herauszufinden, um welche Pilzart es sich handelte. Mithilfe eines speziellen Pilzbestimmungsbuchs für Pilzsachverständige kam er zu dem Ergebnis, dass es sich um einen potenziell giftigen Pilz handeln müsse. Weil die Pflanze ursprünglich aus Südamerika stammte, war die Behandlung nach Schabels Angaben schwierig. Dem kleinen Kind konnte schließlich geholfen werden, sowie allen anderen Fällen davor auch. 

Wie bemerkt man eine Pilzvergiftung? 

„Wenn man zuvor Pilze gegessen hat und man sich dann nicht gut fühlt, muss man immer an eine Vergiftung denken“, so der Pilzkenner. Ein einzelnes typisches Symptom gibt es dem Pilzsachverständigen zufolge nicht. Treten nach dem Verzehr von Pilzen beispielsweise unerklärliche Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall, Halluzinationen oder Sprachstörungen auf, solle man nicht zu lange warten, sondern den Giftnotruf kontaktieren oder eine Notaufnahme aufsuchen, rät der Pilzsachverständige. 

Besonders gefährlich können laut Schabel Vergiftungen sein, deren Beschwerden erst mit deutlicher Verzögerung auftreten. Dann bringen Betroffene die Symptome möglicherweise nicht mehr mit einer Pilzmahlzeit in Verbindung. 

Schabel empfiehlt, vor dem Essen eines Pilzes, ein kleines Stück vom Pilzhut und von der Basis des Pilzes abzuschneiden und einige Tage aufzubewahren. Dies kann zur Bestimmung einer Pilzvergiftung helfen. 

Was ist für die restliche Pilzsaison zu erwarten? 

Normalerweise gelten September und Oktober auf der Schwäbischen Alb als wichtige Pilzmonate, so der Gerstetter. In diesem Jahr ist Schabel allerdings skeptisch. Entscheidend wird sein, ob es in den kommenden Wochen ausreichend regnet. 

Sollte die nötige Feuchtigkeit kommen, könnte sich das Pilzwachstum noch verändern. Wie stark, hängt unter anderem davon ab, wie viel und wie nachhaltig es regnet. Trotz der bislang schwierigen Bedingungen bleibt Georg Schabel optimistisch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“