Große Leistung für das Handwerk aus Gerstetten: Marcel Küst aus Gussenstadt hat die deutsche Meisterschaft im E-Handwerk gewonnen. Der 24-Jährige setzte sich auf Bundesebene gegen alle anderen Landessieger in seiner Berufsdisziplin durch und wurde Bundessieger in seinem Ausbildungsberuf Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik. Seine Ausbildung absolvierte Küst bei der Firma Schleicher in Gerstetten, die er im Februar 2025 erfolgreich abgeschlossen hatte. Auch heute ist er noch dort beschäftigt.
Der Fachbetrieb für Elektromaschinenbau Schleicher ist ein fester Bestandteil der regionalen Handwerkslandschaft in der Region. Gegründet wurde das Unternehmen 1977 von Hans-Jörg Schleicher, das 50-jährige Betriebsjubiläum steht somit kurz bevor. Die Geschäftsführung liegt inzwischen in den Händen seiner Tochter Daniela Schleicher-Ulmer, der Firmengründer ist jedoch weiterhin präsent und im Hintergrund aktiv.
Ausbildung als Schlüssel zum Erfolg
Aktuell beschäftigt der Familienbetrieb 14 Mitarbeitende, Verwaltungskräfte mitgerechnet. In der Werkstatt arbeiten ausschließlich ausgebildete Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik, genau jener Beruf, den auch Marcel Küst erlernt hat. „Wir sind ein kleines, aber super Team, in dem jeder jeden unterstützt und es sehr familiär zugeht. Eine gute Aus- und Weiterbildung liegt uns besonders am Herzen“, sagt Daniela Schleicher-Ulmer. Das beweist auch der „Förderpreis Duale Ausbildung“ , mit dem der Betrieb im Jahr 2022 durch das Landratsamt Heidenheim ausgezeichnet wurde. Mit Marcel Küst stellt der Betrieb bereits den zweiten Bundessieger im Wettbewerb der Handwerksjugend.
Wie viele andere Handwerksbetriebe steht auch Schleicher vor der Herausforderung, neue Auszubildende zu finden. Dabei sei der Beruf äußerst abwechslungsreich, betont der diesjährige Bundessieger: „Man begleitet einen Prozess von Anfang bis Ende. Ich mache mit meinen eigenen Händen etwas, das nachher funktioniert und läuft, das ist ein großartiges Gefühl.“
Vier Stufen bis zum Bundessieg
Der Bundeswettbewerb der Handwerksjugend findet einmal jährlich, meist Mitte November, statt und wird insgesamt auf vier Ebenen ausgetragen: Innungs-, Kammer-, Landes- und schließlich Bundesebene. Er umfasst in der Regel sieben e-handwerkliche Berufe, dieses Jahr gab es allerdings aufgrund einer Änderung sechs Berufsdisziplinen. In jeder dieser Fachrichtungen wird ein Bundessieger ermittelt. Antreten zum Bundeswettbewerb dürfen demnach nur die jeweiligen vorherigen Landessieger. Der 24-jährige Gussenstadter ging für Baden-Württemberg ins Rennen.

Der praktische Leistungswettbewerb existiert seit 1951 und dient vor allem der Nachwuchsförderung – ein Ziel, das angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Handwerk immer wichtiger wird. Organisiert wird er vom Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik. Inhaltlich orientiert sich der Wettbewerb an den Anforderungen der Gesellenprüfung. Neben großzügigen Sachpreisen erhalten die Bundessieger auch Zugang zu einem finanzierten Förderprogramm der Bundesregierung, das berufliche Weiterbildungen ermöglicht. Auch für Marcel Küst ist das ein Anreiz. Er könne sich gut vorstellen, künftig den Meister zu machen, wie er erzählt.
Die Ausbildung zum Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik dauert bei Schleicher dreieinhalb Jahre. Besonders spannend findet Küst das Wickeln von Motoren: „Da muss man extrem konzentriert arbeiten, gerade weil man mit Strom zu tun hat.“ Generell sei der Berufsalltag sehr abwechslungsreich. Motoren überholen, montieren, Getriebe reparieren oder auch Einsätze direkt beim Kunden – jeder Auftrag sei anders.
Genau solche Auszubildenden braucht das Handwerk.
Daniela Schleicher-Ulmer, Geschäftsführerin Schleicher
„Mir macht die Arbeit Spaß und ich bin sehr zufrieden und glücklich hier“, sagt der 24-Jährige. Dass er einmal einen handwerklichen Beruf ergreifen würde, stand für ihn schon früh fest. Bereits als Kind und Jugendlicher tüftelte er begeistert an ferngesteuerten Autos, wie er erzählt. Privat fährt der Gussenstadter gerne Kart und besitzt zudem seit letztem Jahr einen Motorradführerschein.
Küst begann seine Ausbildung im Alter von 20 Jahren. Auf die Firma Schleicher wurde er bei der Ausbildungsmesse in Heidenheim aufmerksam. Er absolvierte zunächst ein Praktikum und war sofort überzeugt - was auf Gegenseitigkeit beruhte, wie sich seine Chefin erinnert. Sie beschreibt ihn als durchweg engagiert und ambitioniert und als jemanden, der das, was er tut, richtig machen will. „Solche Auszubildenden braucht das Handwerk“, heißt es bei Schleicher.
Handwerk mit Perspektive
Speziell vorbereitet auf den Wettbewerb hat sich Marcel Küst laut eigener Aussage nicht. „Das ist ja meine tägliche Arbeit“, erklärt er. Lediglich etwas Theorie habe er nochmals wiederholt. Zu den praktischen Prüfungsinhalten zählten unter anderem das Wickeln von Motoren, das Anfertigen von Spulen sowie das präzise Ausrichten von Motoren mithilfe von Lasertechnik. Die genaue Aufgabenstellung war vorab natürlich nicht bekannt, bewertet wurde von ehrenamtlichen Prüfern im Prüfungsausschuss.
Zum zweitägigen Wettbewerb nach Oldenburg sei er allein gereist. Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Bundessieger die Atmosphäre unter den Teilnehmenden: „Man hat sich super verstanden, alle teilen die gleiche Leidenschaft, jeder gönnt dem anderen den Erfolg.“ Ob er mit dem Sieg gerechnet habe, könne er schwer sagen. Die offizielle Verkündung erfolgte erst am Abend – nach einer fast vierstündigen Veranstaltung. „Da bin ich schon ein wenig auf Kohlen gesessen“, sagt Küst lachend.
Der Stolz im Betrieb, aber auch bei Familie und Freunden, ist entsprechend groß. Auch die Elektroinnung Ostwürttemberg ließ es sich nicht nehmen, den diesjährigen Bundessieger persönlich bei seiner Arbeit zu besuchen und zu ehren.

