Das Bandlift-Festival in Gerstetten ist erwachsen geworden. Elf Jahre nach der Premiere am Skilift Greuth ist aus dem Wettbewerb für Nachwuchsbands im beschaulichen Tal ein großes viertägiges Event mit Festivalcharakter auf dem Gelände des Gerstetter Flugplatzes geworden. Geschätzte 10.000 Besucherinnen und Besucher von Donnerstag bis Sonntag, 260 freiwillige Helferinnen und Helfer, neun Chöre, 44 Bands und sechs Jugendblaskapellen brachte die Veranstaltung in Bewegung. Veranstalter ist der Musikverein Harmonie Gerstetten.
Die Stimmung: wie auf einem Festival
Das Gelände des Flugsportvereins Gerstetten hat eine ideale Lage: Am Waldrand gelegen, in ausreichender Entfernung zu den umliegenden Orten, aber mit viel Platz auf der Heidefläche und mit einem großen überdachten Hangar als Ausweichort bei Regen, ist es nicht nur beim jährlichen Drachenfest ein Anziehungspunkt. Der Campingplatz ist über die letzten Jahre beim „Bandlift“ immer mehr gewachsen. „Dadurch ist eine Festivalstimmung entstanden, es sind auch tagsüber Leute auf dem Gelände“, sagt Jürgen Berger, Vorsitzender des Musikvereins Gerstetten und Hauptverantwortlicher fürs Bandlift.

Wichtig ist deshalb auch, was um das Bühnenprogramm herum geboten wird, beispielsweise ein vielseitiges kulinarisches Angebot, das von Currywurst und Pommes über Knödel bis zum Softeis reicht. Zur Unterhaltung trug aber auch eine Biermeile mit Crosslauf am Samstagnachmittag bei. Nach 400 Metern Geländelauf musste jeweils ein Bier getrunken werden und das viermal nacheinander – eine besondere Herausforderung für den Organismus der Teilnehmenden, die nicht unbedingt nur mit Trinkfestigkeit zu tun hatte: „Man kann auch ein alkoholfreies Bier trinken, das wird genauso gewertet“, erklärt Festivalleiter Wolfgang Berger.

Ein weiterer Programmpunkt am Sonntagvormittag: Der ökumenische Gottesdienst mit dem Jugendbezirksposaunenchor: „Den gibt’s nur einmal im Jahr und zwar beim Bandlift“, berichtet Jürgen Berger.
Die Musik: für jeden etwas dabei
Natürlich steht die Musik im Mittelpunkt der ganzen Veranstaltung, aber der Wettbewerb für Nachwuchsbands fand dieses Jahr an anderer Stelle statt: „Die Nachwuchsbands standen immer in Konkurrenz zu den anderen Bühnen, deshalb haben wir den Wettbewerb ausgegliedert“, so Jürgen Berger. Im Rahmen des Marktplatzfestes wurde an zwei Abenden jeweils eine Siegerband gekürt, die dann einen Slot auf der Hauptbühne des Bandlift gewonnen hat. So durften „Treppenhaus“ aus Geislingen und „Improbus“ aus Karlsruhe am Freitag- beziehungsweise Samstagabend vor großem Publikum spielen.

Beim Bandlift treten am Freitag und Samstag auf drei Bühnen parallel Bands auf. Die überdachte, kleinere Bühne im Hangar hat ohnehin ihre eigene, nach außen abgeschirmte Akustik. Die Hauptbühne und die Bühne am Campingplatz sind so ausgerichtet, dass sie parallel bespielt werden können, ohne sich zu stören. „Man muss aber schon drauf achten, dass nicht auf der großen Bühne die laute Metalband und nebenan ein Singer-Songwriter spielt“, sagt Wolfgang Berger.

Überhaupt, die Stilrichtungen: Die Organisatoren des Festivals bemühen sich, möglichst viel Abwechslung ins Programm zu bringen. „Bands mit Brass-Sections werden gerne genommen, weil das zum Musikverein passt“, meint Jürgen Berger. Aber ansonsten soll es vor allem vielseitig sein, damit sich ein breites Publikum angesprochen fühlt. So war in diesem Jahr von Metal (Witchbound) über Punk (Glasmost feierte in Gerstetten das 40-jährige Bestehen), Blues und Funk (Blues Ex & the Virgin Horns, the Blues Mothers und andere) bis zu klassischem Rock (Vi4er, Ron Rocken) dabei.

Als musikalische Ergänzung kam nach der Pandemie die Chornacht am Donnerstag dazu. „Wir wollten Chören eine Auftrittsmöglichkeit geben und sie mal anders auf einer großen Bühne präsentieren“, erzählt Jürgen Berger. Der Sonntag wiederum gehört der Blasmusik, hier gestalten Jugendkapellen das Programm.

Das Wetter: Sonne, Regen, Gewitter
Die große Hitzewelle traf das Bandlift nicht, dafür hatten die Organisatoren mit Regen und Gewittern zu kämpfen. Die Chorveranstaltung am Donnerstag startete auf der Hauptbühne, musste aber mittendrin in den überdachten Hangar umziehen. Auch der Massenchor trat dort auf und wurde vom Publikum kräftig gefeiert.

Mehrere Gewitter zogen am Freitagabend über das Gelände. „Wir haben es geschafft, dass alle Bands trotzdem auftreten konnten“, berichtet Wolfgang Berger. Allerdings waren manche Auftritte deutlich kürzer. Zwischendurch mussten die Musikanlagen ins Trockene gebracht und die Bühnen nach dem Regen wieder trocken gewischt werden.

Der Samstagabend war zwar etwas kühler als die Abende in den Wochen zuvor, aber das Publikum ließ sich davon nicht abhalten und strömte in der klaren Sommernacht zu Fuß, auf dem Rad und im Auto zum Flugplatzgelände. Am Sonntagvormittag musste die Veranstaltung wieder mit Regen klarkommen, bis sich der Himmel wieder aufklärte.
Die Organisation: Viele nehmen extra Urlaub
Rund 25 Menschen umfasst das Kernteam der Bandlift-Organisatoren rund um Wolfgang und Jürgen Berger sowie den Initiator Sebastian Jäger. Die vielen anderen Freiwilligen, die in der Küche und beim Getränkeverkauf, bei der Bühnenorganisation und beim Auf- und Abbau tätig sind, kommen natürlich nicht alle aus dem Musikverein Gerstetten. „Wir sind mittlerweile schon bekannt und bekommen dadurch Zulauf an Helfern“, sagt Jürgen Berger. Um diesen auch ein gutes Wochenend-Erlebnis zu bieten, gibt es einen Helferbereich mit Essen, Trinken und Sitzgelegenheiten, in dem man sich auch mal ausruhen und miteinander unterhalten kann. Viele aus dem Kernteam nehmen bereits in der Woche vor dem Bandlift Urlaub, auch der Montag ist noch für den Abbau reserviert.
Das Geld: Sponsoren machen das Festival möglich
Das Bandlift kostet keinen Eintritt und der „Umsonst & draußen“-Charakter ist den Organisatoren auch extrem wichtig: „Das soll ein niederschwelliges Angebot sein, jeder soll vorbeischauen können und so kommen und gehen, wie er mag“, sagt Jürgen Berger.

Der Essens- und Getränkeverkauf würde das Festival bei weitem nicht finanzieren, weshalb man sehr auf die Sponsoren angewiesen sei. Die Gemeinde Gerstetten unterstützt das Festival zwar nicht finanziell, aber ideell und durch Material wie Bauzäune. Die Leistungen des Bauhofs hingegen müssen bezahlt werden.
Die Zukunft: Die nächsten fünf Jahre sind gebucht
Wenn nach dem Bandlift alles aufgeräumt und verstaut ist, beginnt die Planung fürs kommende Jahr. „Eigentlich hat sie sogar schon begonnen, weil manche Bands auch langfristiger geplant werden“, berichtet Jürgen Berger. Und auch der Mietvertrag fürs Flugplatzgelände am dritten Juliwochenende ist für die kommenden fünf Jahre bereits abgeschlossen. Nach dem Bandlift ist also vor dem Bandlift, das kann man mit Sicherheit sagen.
