Das Verfahren kann gestartet werden. Mit diesen hoffnungsvollen Worten startete Bernhard Täubert von Kolb Ingenieure in seinen Vortrag bei der jüngsten Gemeinderatssitzung im Demminger Dorfhaus. Täubert präsentiert die Pläne für eine Freiflächen-PV-Anlage im Nordwesten von Ballmertshofen, nahe des Egauwasserwerkes – eine Änderung des Bebauungsplanes und des Flächennutzungsplanes steht auf der Agenda, reine Formsache also. Am Ende steht jedoch fest: Gestartet wird nichts, zumindest vorerst. Ballmertshofens Ortsvorsteher Werner Koths sieht die Anbringungen der Bevölkerung als nicht berücksichtigt an – und der restliche Gemeinderat stimmt nach langer Beratung für eine erneute Prüfung.
Pläne positiv aufgenommen
Vor ziemlich genau zwei Jahren trat Täubert gemeinsam mit der Landeswasserversorgung vor den Dischinger Gemeinderat, um die konkreten Pläne für eine Freiflächen-PV-Anlage am Egauwasserwerk vorzustellen, die eben jenes Wasserwerk mit Strom versorgen soll. Insgesamt sollen auf 4,2 Hektar zwischen der Egau und einem Waldstück die Anlage entstehen, 2 Hektar PV und 2,2 Hektar Grünflächen, um das Ökokonto auszugleichen und die Anlage in die Natur einzubetten. Die besagte Anlage teilt sich in der Mitte auf, da sich auf dem Planungsgebiet Kleingärten befinden.
Inzwischen sind alle relevanten Naturschutzprüfungen erledigt, die Fläche sei absolut geeignet. Zum Waldrand sei ein Abstand von 30 Metern, zur Egau ein Abstand von zehn Metern gegeben. Zudem soll ein Reptilienzaun angebracht werden und ordentlich Begrünung. Der Dischinger „Kriterienkatalog“ sei so weit eingehalten und berücksichtigt. Laut Landschaftsplanerin Regina Zeeb seien die Pläne eine ökologische Aufwertung.
Akzeptanz und doch Ablehnung
Beim Gemeinderat stieß das Vorhaben vorwiegend auf Akzeptanz. Auch Werner Koths, Ortschaftsrat Ballmertshofen und Gemeinderat, gab dem Vorhaben vorerst seinen Segen: „Wir wollten nicht, dass das Egautal vollgepflastert wird. Diese Lösung für einen regionalen Betrieb befürworten wir jedoch. Davon haben im Endeffekt alle etwas.“
Jedoch erinnerte sich Koths als Einziger im Raum an eine Abmachung, die bei der ersten Vorstellung des Projektes im Januar 2024 getroffen worden war. Damals wünschte sich der Ortschaftsrat, dass die geplante Fläche auf ungefähr ein Drittel von Süden her gekürzt wird. So sei das Bild ins Tal erträglicher und die PV-Anlage nicht direkt am Feldweg. Weder die Ingenieure, noch die Verwaltung konnten sich an diesen Vorschlag erinnern, der jedoch später durch das Protokoll der Sitzung belegt werden konnte. Zeeb versuchte, einen Kompromiss vor Ort zu finden, indem der „Zipfel“ Richtung Egau entfernt werde. Dieser Vorschlag grenzt jedoch nur einen Teil der Fläche im Süden ein und weit weniger als ein Drittel der Gesamtfläche.
Richard Faußner (Frickingen, CDU) bestärkte die Interessen der Bevölkerung: „Ich finde, diese Entscheidung obliegt den Ballmertshofenern.“ Diesen Vorschlag befürworteten auch die anderen Gemeinderäte, weshalb nun die vorgetragenen Pläne erneut geprüft und abgestimmt werden und der Austausch mit dem Ortschaftsrat aus Ballmertshofen mit in die Planungen einbezogen wird. Sobald dort ein Kompromiss eingearbeitet werden kann, werden die Pläne erneut dem Gemeinderat vorgelegt – und dann sollte ohne große Diskussionen das Verfahren in die Wege geleitet werden.

