Schwere Folter in Salzgitter? - Familienmitglieder angeklagt
Baseballschläger, Bunsenbrenner oder Hammer: Mit solchen Werkezeugen soll eine junge Frau in Salzgitter über mehrere Jahre gefoltert worden sein. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat nun Anklage gegen vier Beschuldigte erhoben. Der Vorwurf lautet unter anderem schwere Körperverletzung, wie die Ermittlungsbehörde mitteilte.
Bei den Angeklagten handelt es sich um ein Ehepaar, ein 50-jähriger Mann und eine 63-jährige Frau. Zudem sind die 29-jährige Tochter der Frau und ihr 54-jähriger Lebensgefährte angeklagt. Sie sollen die junge Frau über einen Zeitraum von etwa viereinhalb Jahren erheblich körperlich misshandelt und gedemütigt haben.
Ermittler: Opfer wurden Frauen schnell hörig
Die Geschädigte sei mit den beiden angeklagten Frauen zunächst seit vielen Jahren bekannt und freundschaftlich, geradezu familiär verbunden gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Unter anderem wegen ihrer Unselbstständigkeit sei die bei Beginn der Taten 27-Jährige den beiden Frauen aber hörig geworden.
Bei «Verfehlungen» wie Unpünktlichkeit gingen beide angeklagten Frauen nach der Darstellung der Ermittler irgendwann dazu über, die Geschädigte durch Ohrfeigen oder Faustschläge in die Magengrube für ihre Fehler zu bestrafen. Beide hätten ausgeprägte Neigungen entwickelt, die Geschädigte zu dominieren.
Angeklagte sollen sich am Leid ergötzt haben
Für ihre Bestrafungen sollen die Angeklagten Gegenstände, wie Baseballschläger, Bunsenbrenner, Zangen, Hammer und Nägel eingesetzt haben, um der Geschädigten massive Schmerzen zuzufügen. Sie sollen ihr Zähne gezogen und Verbrennungen zugefügt haben. Auch zu sexualisierter Gewalt soll es gekommen sein, um sich am Leid des Opfers zu ergötzen.
Laut Anklage erfanden sie täglich neue Gründe, ihr Opfer quälen, demütigen oder auch verstümmeln zu können. In einigen weiteren Fällen wirkten demnach auch die Männer mit und beteiligten sich an den Züchtigungen und Demütigungen. Die inzwischen gebrochene und wehrlose Geschädigte habe irgendwann wenig bis gar keine Reaktionen oder Anzeichen des Schmerzes gezeigt, um ihre Lage nicht zu verschlimmern.
Haftbefehle gegen drei Familienmitglieder
Die Strafverfolger zählen 33 Einzelfälle für die Anklage auf, die die mutmaßlichen Täter teils gemeinschaftlich begangen haben sollen. Im März war bekanntgeworden, dass das Amtsgericht Salzgitter Haftbefehle gegen die drei Familienmitglieder erlassen hatte. Bis auf den Lebensgefährten der Tochter sitzen die Angeklagten in Untersuchungshaft. Bislang haben sie sich nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ob es zu einem Prozess kommt, muss das Landgericht entscheiden.
