Der Prozess gegen den vom US-Militär gefangen genommenen, langjährigen Staatschef von Venezuela, Nicolás Maduro, soll am 1. Juni 2027 in New York beginnen. Das teilte sein Anwalt Barry Pollack der Deutschen Presse-Agentur mit. Auch mehrere US-Medien berichteten über eine entsprechende Entscheidung des Gerichts. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor in einem Antrag einen Prozessbeginn im Juni gefordert.
Maduro hatte sein Land an der Spitze einer sozialistischen Regierung über Jahre autoritär geführt. Anfang des Jahres waren er und seine Ehefrau in der venezolanischen Hauptstadt Caracas in einer umstrittenen Aktion von US-Spezialkräften gefangen genommen worden. Von Kritikern wurde das Vorgehen als Verstoß gegen das Völkerrecht bezeichnet.
Was die USA Maduro vorwerfen
Die USA haben Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores unter anderem wegen des Vorwurfs des «Drogenterrorismus» angeklagt. Der 63-Jährige soll demnach sein Amt als Präsident und vorangegangene Posten in der Regierung über Jahre dazu genutzt haben, den Schmuggel von Tausenden Tonnen Kokain in die USA zu ermöglichen. Zudem heißt es in der Anklageschrift, dass er etwa Diplomatenpässe an Drogenhändler verkauft, diplomatisch getarnte Flüge für Drogengelder ermöglicht und Drogen-Transporte geschützt haben soll. Dafür soll Maduro sich mit Drogenhändlern verbündet und selbst persönliche Vorteile daraus gezogen haben.
Maduro und Flores weisen die Vorwürfe bisher von sich und warfen im Gegenzug den Vereinigten Staaten vor, sie entführt zu haben. Maduro und seine Ehefrau sitzen seit der Festnahme in Untersuchungshaft im New Yorker Stadtteil Brooklyn.
Geschäftsführende Präsidentin Venezuelas kooperiert mit USA
Venezuela führt nun die frühere Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als geschäftsführende Präsidentin, die mit Washington unter anderem in Erdölfragen zusammenarbeitet. US-Präsident Donald Trumps Regierung will die großen Ölvorkommen des Landes zugunsten der USA nutzen und übt inzwischen erheblichen Einfluss auf die venezolanische Ölindustrie und Politik aus. Venezuela hat die größten nachgewiesenen Erdölvorkommen der Welt.
Die USA und zahlreiche andere Staaten sahen Maduro spätestens seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juli 2024 nicht mehr als rechtmäßigen Staatschef Venezuelas an. Bereits Monate vor dem US-Militäreinsatz in Caracas hatte das US-Militär mehrfach Boote in der Karibik und im Pazifik angegriffen, die angeblich mit Drogen beladen waren.
