Katholische Kirche

Papst mahnt in Frankreich zu «neuer Brüderlichkeit»

Zum ersten Mal ist Leo XIV. in Frankreich. Er lobt - findet aber auch kritische Worte. Vor allem zum Recht auf Abtreibung, das dort in der Verfassung verankert ist und einem neuen Sterbehilfe-Gesetz.

Papst Leo XIV. hat sich zum Auftakt eines Frankreich-Besuchs kritisch über ein neues Gesetz für Sterbehilfe geäußert, das die Nationalversammlung im Sommer beschlossen hatte. Bei einem Empfang im Élysée-Palast rief er im Beisein von Präsident Emmanuel Macron zu einer «neuen Brüderlichkeit» auf. Dazu gehöre, «dass man lernt, das Leben bedingungslos anzunehmen» und «jede Lebensphase mit Achtung zu begleiten». 

Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken hält sich bis Montag erstmals in Frankreich auf. Der Dreiklang Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit aus den Zeiten der Revolution von 1789 ist offizieller Leitspruch des Landes. Der Papst lobte Frankreich als Land der Menschenrechte und dessen Friedensbemühungen.

«Recht auf Leben Grundlage für alle anderen Menschenrechte»

In seiner Rede nahm Leo aber auch Bezug darauf, dass dort ein Recht auf Abtreibung in der Verfassung verankert wurde. Zur «neuen Brüderlichkeit» gehöre, sich mit «Mut und Mitgefühl für die einzusetzen, die keine Stimme haben oder sich nicht ausreichend unterstützt fühlen». Der Papst sagte: «Deshalb betone ich nachdrücklich, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet.» 

In Frankreich ist seit diesem Sommer Sterbehilfe für schwer kranke Menschen nach streng festgelegten Regeln erlaubt. Das Parlament verabschiedete ein Gesetz, das unheilbar Kranken bei unerträglichen Leiden die Möglichkeit zum assistierten Suizid eröffnet. Zudem hat Frankreich als erstes Land der Welt ein Recht auf Abtreibung in seiner Verfassung.

Warnung vor falschem Fortschrittsglauben

Leo warnte vor einem falschen Fortschrittsglauben. «Heute besteht die Versuchung, sich von der Wissenschaft Lösungen und Trost für all unser Leid zu erwarten. Dabei besteht oft die Gefahr, dass man einer Illusion erliegt.» Er sei besorgt, «wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdriften und Gefahr laufen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die Gen-Manipulationen, Leihmutterschaft, Organhandel oder das Angebot eines geplanten Todes fördern». 

Nach der Begegnung im Élysée-Palast steht für den Papst ein Besuch bei der UN-Kulturorganisation Unesco auf dem Programm, die ihren Sitz in Paris hat. Am Abend ist ein Vespergottesdienst in Frankreichs Nationalstadion im Vorort Saint-Denis mit etwa 80.000 Teilnehmern geplant. Am Samstag werden zu einer Messe nahe den Champs-Élysées mehrere Hunderttausend Menschen erwartet.