Fußball-WM

Auch ohne Messi-Tor: Argentinien mit Mühe ins Halbfinale

Nach zwei Zitter-Siegen muss Argentinien auch gegen die Schweiz schuften - und sogar erneut in die Verlängerung. Messi trifft nicht, dafür ein Kollege traumhaft. Ein Platzverweis sorgt für Tränen.

Lionel Messis grandiose Tor-Serie ist beendet – aber der Titel-Traum lebt: Argentinien hat auch ohne einen weiteren Geniestreich seines Superstars das Halbfinale der Fußball-WM erreicht. Der Titelverteidiger setzte sich im Viertelfinale gegen die Schweiz mit 3:1 (1:1, 1:0) nach Verlängerung durch, obwohl Kapitän Messi nach neun WM-Spielen in Serie mit mindestens einem eigenen Treffer erstmals wieder ohne Tor blieb.

Für die Entscheidung sorgten Julián Álvarez mit einem Traumtor (112. Minute) und Lautaro Martínez nach einem Konter (120.+1). Der 39-jährige Messi hatte im Football-Tempel der Kansas City Chiefs das 1:0 durch Alexis Mac Allister (10.) per Eckball vorbereitet. Dan Ndoye erzielte vor 69.045 Zuschauern den zwischenzeitlichen Ausgleich (67.).

In der 72. Minute sah Breel Embolo nach einer Schwalbe und einem VAR-Einsatz die Gelb-Rote Karte. Die Verwarnung für Argentiniens Leandro Paredes wurde zurückgenommen und der Schweizer vom Platz gestellt. Der frühere Schalker und Gladbacher vergoss Tränen, musste von den Kollegen getröstet werden.

Argentinien nun gegen England

In der Runde der besten Vier wartet auf die Argentinier am Mittwoch in Atlanta England als Gegner. Die Three Lions hatten zuvor Norwegen mit 2:1 nach Verlängerung besiegt. Für die Schweiz war schon das erstmalige Erreichen des Viertelfinals seit der Heim-WM 1954 ein großer Erfolg. 

Nach zwei Zitter-Siegen in den ersten beiden K.-o.-Runden gegen die Außenseiter Kap Verde und Ägypten hatte Argentinien wieder viel Mühe. Messi kam zum 15. Mal in einem K.-o.-Spiel bei Weltmeisterschaften zum Einsatz und überflügelte den deutschen Ex-Weltmeister und Ex-WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose auch in dieser Statistik. 

Guter Start für Schweiz, aber auch früher Schock

Im 100. Spiel dieser XXL-WM erwischten die Schweizer eigentlich einen guten Start. Nachdem sie aber zwei, drei gute Angriffe ungenutzt gelassen hatten, schlug der Weltmeister eiskalt zu: Nach einem Eckball von Messi köpfte Mac Allister den Ball unhaltbar für den Schweizer Torwart Gregor Kobel ins Netz. Die vielen argentinischen Fans auf den Tribünen feierten den Treffer frenetisch. 

Manche Fans hatten sich Sorgen gemacht, Messi könnte angesichts der Belastungen in seinem sechsten Spiel dieser WM körperliche Probleme bekommen. «Er ist fit», hatte Trainer Lionel Scaloni schon vor dem Spiel gesagt. Messi würde auch nicht weniger rennen als zuvor: «Es ist wie immer, er ist immer bereit und das Team unterstützt ihn sehr.»

So war es auch gegen die Schweiz. Messi war weitestgehend von Defensivaufgaben befreit und ging mehr auf dem Rasen, als dass er sprintete. Doch ab und zu blitzte seine Genialität auf. 

Manzambi fehlt den Schweizern

Die Schweizer hatten am frühen Rückstand sichtlich zu knabbern. Von der anfänglichen Energie war lange kaum noch etwas zu sehen. Erst ein Fehler der Argentinier ermöglichte Embolo eine Chance, als er alleine aufs Tor zulief, Keeper Emiliano Martínez ihn aber vor dem Schuss stoppte (32.). 

Der Außenseiter musste auf seinen Top-Torjäger Johan Manzambi verzichten, der nach einer Knieverletzung nicht rechtzeitig fit wurde. Der 20-Jährige, der vor einem 60-Millionen-Euro-Wechsel vom SC Freiburg zu Newcastle United steht, fehlte dem Schweizer Team mit seiner Schnelligkeit vor allem bei Kontern.

Ndoye trifft - doch Embolo fliegt

Nach dem Seitenwechsel wurden die Schweizer stärker - und belohnten sich. Ndoye traf nach feinem Zusammenspiel mit Ricardo Rodriguez per Flachschuss zum 1:1. Mit Embolos Platzverweis nahm die Partie aber die nächste Wendung.

Die Argentinier drückten in der Nachspielzeit. Messi schoss knapp am Tor vorbei, Kobel parierte stark gegen Lisandro Martinez. In der Verlängerung streifte ein Schuss von Thiago Almada noch leicht den Außenpfosten (95.). Dann erzielte Álvarez mit einem herrlichen Schlenzer das 2:1, Martínez beseitigte in der Nachspielzeit die letzten Zweifel.