München-Milbertshofen, eine ältere Wohnanlage: Angeboten wird ein 16 Quadratmeter großes WG-Zimmer, separate Küche und Bad für 625 Euro warm. Auf den ersten Blick für manch einen überteuert, allerdings liegen die angegebenen Mietkosten sogar unter dem Standartpreis der bayerischen Landeshauptstadt.

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Empirica kostet ein Münchner Studentenzimmer derzeit durchschnittlich rund 650 Euro. Damit ist die Großstadt auch in diesem Jahr wieder Deutschlands teuerste Stadt für Studierende. Erhoben wurde die Studie „Mieten für Wohngemeinschaften“ auf Basis von mehreren tausend Online-Mietinseraten für die 120 größten Hochschulstandorte Deutschlands. Untersucht wurden dabei die Standardpreise eines unmöblierten Zimmers mit einer Größe zwischen 10 und 30 Quadratmetern. Mit 520 Euro folgt Frankfurt am Main weit abgeschlagen auf Platz Zwei und Stuttgart mit einer Durchschnittsmiete von 500 Euro auf dem dritten Platz. Ostdeutschland ist für Studierende nach wie vor am billigsten. So kosten vergleichbare Zimmer in Halle (Saale) und Magdeburg lediglich je 260 Euro, Chemnitz ist mit einer Durchschnittsmiete von 220 Euro am günstigsten.

„Besonders Großstädte, in die jüngere Leute in größerer Zahl ziehen, werden stetig teurer“, erklärt der Vorstandvorsitzende von Empirica, Reiner Braun. Fazit der Datenanalysten: Zum kommenden Wintersemester wird ein Studentenzimmer im Durchschnitt rund 395 Euro kosten und damit 18 Prozent über dem Niveau aus dem Wintersemester 2015. Anders sieht es in den mittelgroßen Städten und im Osten aus, wie etwa in Tübingen oder Halle. Dort wurde Wohnen zum Teil sogar billiger.

Doch woher kommt der Einbruch um gut 5 Prozent im Vergleich zum Sommersemester? Zum Einen mache sich die Corona-Pandemie auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar, so Braun. Im Hinblick auf das kommende, überwiegend digital stattfindende, Wintersemester würden sich viele junge Menschen überlegen, ob sich ein Umzug tatsächlich lohne. Braun betont, in Städte wie Berlin ziehe man überwiegend aufgrund der hohen Attraktivität. Blicke man indes allerdings auf Städte wie Tübingen, werde dort vor allem für das Studium ein Zimmer gesucht. „Studierende werden sich aus Kostengründen und aufgrund fehlender Anwesenheitspflicht voraussichtlich gegen einen Umzug entscheiden. Somit wird es generell weniger Wohnungssuchen geben.“

Doch auch der zunehmende Wohnungsbau spiele mancherorts eine Rolle. Während 2010 in Deutschland noch 160 000 Wohnungen gebaut wurden, belief sich deren Zahl im vergangenen Jahr bereits auf über 293 000 Neubauwohnungen. „Das steigende Angebot auf dem Wohnungsmarkt lindert den Trend zu steigenden Mieten leicht ab, da die Nachfrage besser abgedeckt werden kann“, führt Braun aus.

Investitionen und Zuschüsse

Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, zeigt sich weniger optimistisch und erklärt: „Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt: Der Markt allein hat es nicht gerichtet, der Markt allein wird es nicht richten. Wir brauchen unbedingt politische Steuerung und politische Initiative.“ So fordert Meyer auf der Heyde bundesweite Investitionen in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro und weitere 850 Millionen Euro in Form von Zuschüssen, um der Wohnungsnot entgegen wirken zu können.

Unklar ist, ob sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt für Studierende langfristig entspannen wird oder nicht. Die Anzeige für das 16-Quadratmeter-Zimmer in München-Milbertshofen war nach drei Tagen nicht mehr verfügbar – offenbar hat sich bereits ein neuer Mitbewohner gefunden.

Trend hält an