Ulm / Thomas Veitinger Unternehmen und Betriebsrat einigen sich: Die Arbeitszeit wird reduziert, die Prämie gestrichen. Entlassen werden soll niemand, Stellen können dennoch wegfallen. Von Thomas Veitinger

Es sollen harte und langwierige Gespräche gewesen sein. Jetzt haben sich die Unternehmensleitung und der Gesamtbetriebsrat auf eine Reduzierung der Personalkosten und Beschäftigungssicherung geeinigt. Die Arbeitszeit wird reduziert, die Prämie gestrichen und ein tarifliches Zusatzgeld in freie Tage umgewandelt. Dies teilte Daimler am Dienstag mit.

„Nur so kommen wir gestärkt und sicher aus der Krise und sichern damit die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze“, begründete Personalvorstand Wilfried Porth die Maßnahmen. Der zeitlich befristete Beitrag sei wichtig, „um diese Krise gemeinsam zu bewältigen“.

Für Gesamtbetriebsratchef Michael Brecht sind die vereinbarten Eckpunkte „ein deutlicher Beitrag zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilisierung unserer Finanzlage“. Damit komme man dem Versprechen nach, die Zeit der Verunsicherung über sichere Arbeitsplätze möglichst kurz zu halten. „Niemand soll sich in seiner Existenz bedroht fühlen“, sagte Brecht. Die Beschäftigung bei Daimler bleibe bis 2030 gesichert und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Diese Abmachung bestand zwar bislang auch schon. Jedoch konnte die Zukunftssicherung gekündigt werden, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen signifikant verschlechterten – was durch Corona der Fall ist. Im zweiten Quartal machte der Fahrzeughersteller etwa 2 Milliarden Euro Verlust. Es wird über einen Abbau von bis zu 20 000 Stellen spekuliert, nachdem Vorstandschef Ola Källenius von einem verschärften Sparplan gesprochen hatte. Brecht hatte in der vergangenen Woche noch getwittert, als neue entsprechende Berichte aufkamen: „Die Beschäftigungssicherung bei Daimler hat Bestand und über Standortschließungen diskutieren wir nicht.“

Der Stellenabbau ist auch durch die jetzige Vereinbarung nicht vom Tisch. Was die Streichung von Arbeitsplätzen angeht, verwies der Konzern am Dienstag auf eine bereits bestehende Vereinbarung mit dem Betriebsrat, die im Wesentlichen auf die natürliche Fluktuation, auf Altersteilzeitangebote und ein inzwischen gestartetes Abfindungsprogramm setzt. So wird es in Deutschland Abfindungen geben, um Stellen in der Verwaltung zu reduzieren, berichtet der Konzern. Ziel ist es für Daimler, die Personalkosten bis Ende 2022 und darüber hinaus „signifikant“ zu senken.

Im Detail soll die Arbeitszeit der Beschäftigten in der Verwaltung und den sogenannten produktionsnahen Bereichen – zum Beispiel in der Logistik – in Deutschland von Oktober an in der Regel um zwei Stunden pro Woche gekürzt werden, für ein Jahr und ohne Lohnausgleich. Die Produktion bleibt hier außen vor.

Für sämtliche Beschäftigten in Verwaltung und Produktion fällt zudem die Prämie für das Jahr 2020 weg. Die sogenannte Ergebnisbeteiligung wird stets im Frühjahr für das zurückliegende Jahr ausgezahlt. Wegen des schwachen Ergebnisses 2019 war sie in diesem Jahr allerdings schon deutlich niedriger ausgefallen als in den Vorjahren.

Das sogenannte Tarifliche Zusatzgeld, das einmal im Jahr gezahlt wird, gibt es 2021 ebenfalls nicht – es wird für alle verpflichtend in bezahlte Freistellungstage umgewandelt. Normalerweise können die Beschäftigten zwischen den Varianten wählen.

Bereits im Dezember 2019 hatte sich Daimler mit dem Gesamtbetriebsrat auf Maßnahmen zur Reduzierung von Stellen verständigt, um die Konzernstruktur zu verschlanken. (mit dpa)

IAB: Arbeitsmarkt hat das Gröbste hinter sich

Mehr als vier Monate nach den Corona-Einschränkungen scheint der Negativtrend am Arbeitsmarkt „weitgehend gestoppt“: Die Arbeitsagenturen erwarten, dass das Gröbste vorerst geschafft ist, erklärte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Das Arbeitsmarktbarometer stieg im Juli so stark wie noch nie seit seinem Start 2008.

„Der Arbeitsmarkt hat den immensen wirtschaftlichen Schock bisher vergleichsweise gut verkraftet“, sagte IAB-Experte Enzo Weber. Geholfen hätten etwa die Stützungsmaßnahmen und die zügige Lockerung der Restriktionen für die Wirtschaft. afp