Ditzingen / Simone Dürmuth Der Laserspezialist aus Ditzingen profitiert vom Trend zur Elektromobilität – und kann dabei auf Erfahrungen aus anderen Geschäftsfeldern zurückgreifen. Von Simone Dürmuth

Bis zu 400 000 Arbeitsplätze könnten durch den Umstieg auf Elektromobilität in Deutschland gefährdet sein. Das hat eine Studie der Bundesregierung ergeben, die im Januar veröffentlicht wurde. Das ist zunächst logisch: In einem Verbrennungsmotor werden rund 1200 Teile verbaut – in einem Elektromotor nur 200.

Doch es gibt auch Firmen, die von den neuen Möglichkeiten profitieren, die durch neue Geschäftsbereiche sogar Personal aufstocken könnten. Der Laserspezialist Trumpf zum Beispiel. Bei den Ditzingern stieg der Auftragseingang im Laserbereich das dritte Jahr in Folge auf mittlerweile mehr als 25 Prozent. In Zukunft soll er jährlich um mindestens 10 Prozent steigen, wünscht sich  Christian Schmitz, Geschäftsführer für den Bereich Lasertechnik bei Trumpf. „Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb rücken in den Fokus. Und das nicht mehr nur in der Presse, sondern auch auf den Straßen“, so Schmitz. Genaue Zahlen will er nicht nennen, aber der Umsatz im Bereich Elektromobiliät liege bei etwa 20 Prozent der gesamten Lasertechnik. Diese setzte im vergangenen Jahr etwa 1 Mrd.  € um.

Die Ditzinger liefern dabei hochspezialisierte Laser an Kunden wie Zulieferer oder Automobilhersteller. Anwendungen für Laser in diesem Bereich gibt es zum Beispiel in der Produktion von Batterien, Elektro-Motoren und Leistungselektronik. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Batteriefertigung. „80 Prozent unserer Anwendungen im Bereich Elektromobilität haben mit Batterien zu tun“, erklärt Christian Schmitz.

Die große Herausforderung im Moment sei es, die Batterieproduktion effizienter zu machen. Viele der Produzenten, die in Asien sitzen, kommen ursprünglich aus der Produktion von  Handy-Akkus und versuchen nun, ihr Wissen auf Batterien für Fahrzeuge zu übertragen. „Aber ein Handyakku muss nur etwa drei Jahre halten und Temperaturen von plus 10 bis plus 40 Grad aushalten. Ein Akku fürs Auto ist viel größeren Belastungen ausgesetzt“, erklärt Johannes Bührle, einer der Experten für Elektromobilität bei Trumpf.

Momentan stecke man etwa das 80- bis 100fache der Speicherkapazität einer Batterie an Energie in die Produktion. „Das ist einer der Nachteile der Batterie – der große CO2-Rucksack“, erklärt Bührle. Mit speziellen Lasern von Trumpf, sogenannten VCSELs, könnte zum Beispiel die Trocknung von Folien, die zur Herstellung benötigt werden, deutlich energieeffizienter werden. Bisher laufen diese Folien durch eine 100 Meter lange Produktionsstraße und werden zum Beispiel mittels Gasöfen getrocknet. Die Laser könnten das auf 10 Prozent der Strecke erledigen und ihre Energie viel zielgerichteter einsetzen. Wie viel effizienter das im Vergleich ist, kann Bührle aber nicht beziffern.

Inzwischen seien weltweit etwa 1500 Laser in dem Bereich im Einsatz, die meisten davon in Asien. Bis 2022 hoffe man, die Zahl auf etwa 4000 bis 5000 steigern zu können. Am stärksten ist die Nachfrage in Asien.

Immer mehr Anfragen kämen auch aus dem Bereich Brennstoffzelle. Die Ditzinger schätzen, dass bis 2030 etwa 5 Prozent aller produzierten Neuwagen auf diese Technologie zurückgreifen. „In der Produktion fallen sehr, sehr viele Schweißungen an“, so Schmitz. Und es gebe besondere Ansprüche an die Qualität, da die Schweißnähte für Gase undurchlässig sein müssen. „Das machen andere auch, aber wir hatten schon sehr früh Kontakt mit dem Thema“, so Schmitz. So habe man bei der Produktion von Herzschrittmachern bereits ähnliche Herausforderungen gemeistert, um eine Batterie in einem schwierigen Umfeld zu schützen.

Konzern leidet unter Konjunkturschwäche

Der Gesamtkonzern hat unter der schwächelnden Konjunktur zu leiden, wie der Maschinenbauer Trumpf bei der Bilanzpressekonferenz mitteilte. Die Ditzinger verzeichneten im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinneinbruch und erwarten für das laufende Jahr rückläufige Geschäfte.

Zwischen Mitte 2018 und Mitte 2019 fiel der Nettogewinn des Konzerns im Vorjahresvergleich um 57 Prozent auf  145,7 Mio. €. Der Umsatz legte zwar um 6 Prozent auf 3,8 Mrd. € zu, der Auftragseingang ging allerdings um 3,1 Prozent auf einen Umfang von nur noch 3,7 Mrd. € zurück.