Ulm / Thomas Veitinger Kommt bestellte Ware nicht oder ist defekt, und der Verkäufer lässt nicht mit sich reden, hilft der Käuferschutz. Aber längst nicht immer. Von Thomas Veitinger

Einkäufe im Internet sind meist kein Problem. Manchmal aber schon. Etwa bei einer Frau, die sich im Internet „Classica“ nennt und beschreibt, wie sie vergeblich einen Mixer ordert. Das Küchengerät kommt nicht an und – zweites Problem – der Verkäufer verschickt es unter falscher Sendungsnummer. Nachdem die Nummer korrigiert wird, kann „Classica“ online verfolgen, wie die Ware an den Verkäufer zurückgeht. Eigentlich müsste dieser nun die Ware nochmals losschicken oder das Geld zurücküberweisen. Beides passiert aber nicht. Auch der Käuferschutz der Onlineplattform greift nicht, wie „Classica“ klagt: „Verkäufer darf Geld und Ware behalten!“

„Käufer­schutz kann ein bequemer Weg sein, den Kauf­preis zurück­zuholen, wenn die Ware nicht eintrifft – insbesondere dann, wenn sich ein Händler als unseriös heraus­stellt“, schreibt dagegen die Stiftung Warentest. Für die August-Ausgabe überprüfte die Zeitschrift „Finanztest“ elf Käuferschutzangebote von Onlinehändlern wie Amazon und Ebay und Zahlungsdienstleistern wie Paypal und Klarna.

Ein Ergebnis: Selbst coronabedingt annullierte Flüge lassen sich damit unter Umständen zurückerstatten. Die Sicherungen haften in unterschiedlichem Umfang und haben strenge Bedingungen wie einzuhaltende Zeiten. „In allen Fällen gilt: Beantragt der Kunde das Angebot nicht in einer bestimmten Frist, verfällt der Anspruch.“ Wer vom Schutz profitieren will, müsse die Bedingungen kennen.

Eine Erkenntnis, die auch „c’t“ teilt. Die Computer-Zeitschrift kommt zu dem Resümee: „Wer Leistungen eines Plattform­betreibers in Anspruch nehmen will, sieht sich einem Dschungel komplizierter Bedingungen gegenüber, die keinen Vergleich mit Kleindruck-Textkunstwerken von Versicherungen zu scheuen brauchen.“ So sei etwa entscheidend, ob Ware als beschädigt oder defekt gilt, sie von der Beschreibung im Angebot abweicht oder eine Reparatur oder Ersatzlieferung möglich ist. Eine Menge rechtlicher Zündstoff also.

Juristische Auseinandersetzungen gibt es oft nach wie vor. „Hilft der Käuferschutz nicht, haben Sie immer noch die gesetzlichen Kundenrechte, die Sie notfalls einklagen können“, erklären die Tester. Darunter finden sich etwa der Widerruf, der Käufern ein zweiwöchiges Rücksenderecht ohne Gründe bei Erstattung des vollen Kaufpreises erlaubt. Kommt die Ware nicht an, kann der Käufer verlangen, dass die nochmals verschickt wird. Ob „Classica“ davon Gebrauch machte und noch zu ihrem Mixer kam, ist aber nicht bekannt.

Sendungsverfolgung und Fotos sind wichtig

„Finanztest“ hat Einkaufsplattformen, Zahlungsmethoden und Siegel für Webshops untersucht. Unterschiede gibt es bei Haftung, Waren, die ausgenommen sind und die Zeit, wie lange der Schutz gilt. Auch beim Höchstbetrag pro Einkauf und den Rücksendekosten unterscheiden sich die Anbieter. Wichtig ist es, Fotos von defekter Ware zu machen und die Produkte mit Sendungsverfolgung zurückzuschicken.