Peter DeThier China begrüßt die Rücknahme des US-Vorwurfs der Währungsmanipulation. Das Teilabkommen wird am Mittwoch unterzeichnet. Experten bleiben skeptisch. Von Peter DeThier

Das dürfte der Weltwirtschaft einen Schub geben: Die USA beschuldigen China nicht länger offiziell der Währungsmanipulation. Das US-Finanzministerium erklärte, China habe verbindliche Zusagen gemacht, seine Währung nicht mehr zu Wettbewerbszwecken künstlich abzuwerten. Die Ankündigung erfolgt kurz vor der Unterzeichnung eines Teilhandelsabkommens zwischen China und den USA am Mittwoch – und ist eine versöhnliche Geste des US-Präsidenten Donald Trump.

Chinas Regierung begrüßte den Schritt. Der Sprecher des Außenamtes, Geng Shuang, sagte am Dienstag vor der Presse in Peking, die Entscheidung decke sich mit den Tatsachen und dem Konsens der internationalen Gemeinschaft. Der Wechselkurs der chinesischen Währung liege auf einer Linie mit wirtschaftlichen Grundlagen.

Von zentraler Bedeutung in dem Teilabkommen ist für China eine Halbierung der Abgaben von 15 auf 7,5 Prozent für Computer, Smartphones, Spielzeuge und Bekleidung. Im Gegenzug hat sich das Reich der Mitte verpflichtet, mehr US-Agrarprodukte und andere Waren zu kaufen. Dieses und nächstes Jahr sollen die Einfuhren aus den Vereinigten Staaten um rund 200 Mrd. Dollar (180 Mrd. €) höher ausfallen.

Trumps erklärtes Ziel ist es damit, den Fehlbetrag im Handel mit dem mächtigen Wirtschaftspartner, der 2018 rund 420 Mrd. Dollar erreicht hatte, zu halbieren. Wichtig ist der US-Tech-Industrie vor allem ein Passus in dem Abkommen, der den Marktzugang in China nicht mehr vom Transfer sensibler Technologie abhängig macht. Zudem hat Peking versprochen, Schritte zum Schutz geistigen Eigentums aus den USA zu unternehmen.

Vertreter der betroffenen Branchen bleiben aber skeptisch. Gleichwohl können mehrere Industriezweige allein deswegen aufatmen, weil sich der Handelsstreit zumindest vorübergehend beruhigt. Obwohl die exakten Folgen des Schlagabtauschs zwischen Washington und Peking schwer messbar sind, haben die zahlreichen Zölle und Vergeltungsmaßnahmen tiefe Wunden aufgerissen. In den akuten Phasen des Konflikts kam es in mehreren Branchen – darunter bei Stahlherstellern, der Autoindustrie, deren Zulieferern und anderen angegliederten Industrien – zu Massenentlassungen sowie Werksschließungen.

Als das Reich der Mitte die Zölle für Autoimporte aus den USA mehr als verdoppelte entschied beispielsweise der Autobauer Tesla, die Preise für einige Modelle um bis zu 20 000 Dollar anzuheben. Wenig später änderte Tesla-Chef Elon Musk seine Meinung wieder, weil er zu dem Schluss kam, langfristig sei es für Tesla besser, die höheren Zölle zu übernehmen, statt diese auf die Kunden abzuwälzen. Betroffen sind auch Chiphersteller wie Intel, Micron und Nvidia. Anders als der Hersteller Apple, der in China fertigt, haben viele US-Tech-Giganten einen hohen Exportanteil nach China.

Von politisch höchster Relevanz sind die Folgen für die US-Landwirte. Für den Agrarsektor ist China der viertgrößte Absatzmarkt und für Sojabauern sogar der wichtigste Auslandskunde. Die Landwirtschaft hat als Folge der Zölle, mit denen sich die beiden Regierungen überzogen haben, empfindliche Verluste erlitten. Auf das Wohlwollen der Farmer ist US-Trump dringend angewiesen, wenn er im November für eine zweite Amtsperiode gewählt werden will. 

Deutliche Rückgänge im Handel

Ihren Handelskrieg haben China und die USA deutlich zu spüren bekommen: Der Handel zwischen den beiden größten Volkswirtschaften ist im vergangenen Jahr um 14,6 Prozent eingebrochen, wie der chinesische Zoll am Dienstag in Peking mitteilte. Chinas Importe aus den USA sackten sogar um 20,9 Prozent auf 122 Mrd. US-Dollar (110 Mrd. €) ab, während Chinas Exporte in die USA um 12,5 Prozent auf 418 Mrd. US-Dollar zurückgingen. Nach zwei Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten fiel der gesamte chinesische Außenhandel mit der Welt 2019 erstmals um 1 Prozent. Die Exporte legten insgesamt nur um 0,5 Prozent zu, die Importe fielen um 2,8 Prozent. dpa