Der US-Investor KKR bereitet den Rüstungselektronikhersteller Hensoldt für einen Börsengang vor. KKR hatte vor vier Jahren die Rüstungselektronik-Sparte des Airbus-Konzerns übernommen und dafür rund 1,1 Milliarden Euro bezahlt. Später hatte KKR das Unternehmen, das aus Teilen von AEG, Dornier und der ehemaligen Verteidigungssparte der Carl Zeiss AG hervorgegangen ist, in Hensoldt umbenannt.

Der Rüstungskonzern erwirtschaftete zuletzt mit mehr als 5400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Der Firmensitz ist im bayerischen Taufkirchen, der mit Abstand größte Standort ist jedoch das Radarzentrum Ulm mit rund  2000 Mitarbeitern. Hensoldt ist Radar-Spezialist. Der Konzern entwickelt und fertigt Sensoren, optoelektronische Systeme und Systeme für elektronische Kampfführung sowie elektronische Geräte an Bord von Flugzeugen.

Der US-Finanzinvestor KKR will die Aktien bis zum Jahresende im Prime Standard der Frankfurter Börse platzieren, wie Hensoldt am Dienstag mitteilte. Das Umfeld ist nach Einschätzung des Unternehmens angesichts weltweit steigender Militärausgaben günstig: „Es ist eine Art Superzyklus der globalen Verteidigungsindustrie“, sagte Vorstandschef Thomas Müller.

KKR plant sowohl den Verkauf eigener Anteile als auch eine Kapitalerhöhung mit Ausgabe neuer Aktien. Weitere Einzelheiten ließen Hensoldt und KKR offen. So ist unklar, zu welchem Preis die Aktien angeboten werden sollen und ob KKR einen Anteil behalten will. Neben dem Investor ist derzeit nur der Bund mit einer einzigen „goldenen“ Aktie beteiligt, die weitreichende Rechte sichert, da das Unternehmen sicherheitsrelevant ist.

Vorstandschef Müller hob die gut gefüllten Orderbücher hervor: Derzeit rechnet das Unternehmen mit 4,5 Milliarden Euro Neuaufträgen, mittelfristig hoffen die Vorstände von 2021 bis 2023 auf 10 Milliarden. Aktuell größtes Projekt ist ein neues Radar für den Eurofighter. Die Einnahmen aus dem Börsengang will Hensoldt nutzen, um zu wachsen und neue Produkte zu entwickeln.

In Fachkreisen Aufsehen erregte Hensoldt im vergangenen Jahr mit der Meldung, mit einem Passivradar „Stealth“-Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe orten zu können, die eigentlich weitgehend unsichtbar sein sollen. Passive Radare senden anders als herkömmliche Systeme keine Strahlen aus und sind daher selbst schwierig zu orten. In kleinerem Umfang ist Hensoldt auch im zivilen Geschäft tätig und verkauft Überwachungssysteme für Flughäfen oder Grenzkontrollen.

dpa/amb