Düsseldorf / dpa Pandemiebedingt schließen immer mehr Geschäfte. Die Kommunen sehen das mit Sorge.

Noch sieht es in den meisten deutschen Innenstädten auf den ersten Blick nicht viel anders aus als vor der Corona-Krise. Vielleicht sind etwas weniger Leute unterwegs. Doch die meisten Geschäfte sind wieder geöffnet, und die Zahl der Geschäftsaufgaben hält sich in Grenzen. Doch das könnte sich bald ändern. Denn in vielen deutschen Innenstädten droht vom Herbst an eine Pleitewelle.

Schlagzeilen macht im Moment vor allem die geplante Schließung von bundesweit 50 oder mehr Warenhäusern von Galeria Karstadt Kaufhof. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch bei vielen anderen Läden in den Fußgängerzonen könnte schon bald ein Räumungsverkauf anstehen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt, dass die Corona-Krise das Aus für rund 50 000 Geschäfte bedeuten könnte.

„Die Innenstädte haben es mit einem dreifachen Tsunami zu tun: dem Strukturwandel im Einzelhandel, der Digitalisierung und der Corona-Pandemie“, betont der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Boris Hedde.

Auch der Immobilienexperte des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI, Marco Atzberger, appelliert angesichts der dramatischen Entwicklung: „Handel, Kommunen und Vermieter müssen hier zusammenarbeiten, um dem schleichenden Tod vieler Einkaufsstraßen entgegenzuwirken.“

Für Unruhe in vielen Kommunen sorgen vor allem die Schließungspläne von Galeria Karstadt Kaufhof. Die Kaufhäuser gelten in vielen Fußgängerzonen noch immer als Kundenmagneten, ohne die das Überleben auch für die benachbarten Händler  schwierig wird. Zudem zeigt die Erfahrung, dass es oft mühsam ist, eine neue Nutzung für ehemalige Warenhäuser zu finden, weil sie zu groß und oft zu alt sind.

Auch in der Modebranche häufen sich die Problemfälle: Von Appelrath Cüpper über Hallhuber bis zu Sinn, von Esprit bis Tom Tailor. Allein Esprit will im Zuge seiner Sanierung rund die Hälfte der Filialen in Deutschland – insgesamt rund 50 Geschäfte – schließen. In den nächsten Jahren könnte sich deshalb das Bild vieler Innenstädte dramatisch verändern. Der Modehandel dürfte dort künftig weniger stark dominieren. „Handwerk, Dienstleistungen, Möbel- oder Baumärkte und Lebensmitteldiscounter werden wieder in die Innenstädte zurückkehren“, prognostiziert Handelsexperte Hedde. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), will außerdem „wieder mehr Wohnen und Arbeiten“ in der Innenstadt ermöglichen, um Geschäfte vor dem Kollaps zu bewahren. dpa