Restaurantbetreiber, Kneipiers und ihre Gäste haben in den vergangenen Monaten zunächst aufgeatmet. Für die Bürger kehrte mit der Öffnung zahlreicher Gastro-Betriebe zumindest ein kleines Stück Normalität zurück in ihren Corona-geprägten Alltag. Für die Betriebe wiederum bedeutete es vor allem eine finanzielle Entlastung nach drei Monaten Schließung ohne jeden Umsatz. Trotz der Lockerungen gibt es für die gesamte Branche jedoch keine Entwarnung, und mit dem anstehenden Herbst und kälteren Temperaturen wächst die Sorge in den Betrieben.

Am härtesten trifft es das Beherbergungsgewerbe. „In diesem Jahr sind die Übernachtungszahlen dramatisch eingebrochen“, sagt Guido Zöllick, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, „vor allen Dingen auch, wenn es um internationale Gäste geht, da verzeichnen wir ungefähr 60,5 Prozent Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum“. Zwar machten viele Deutsche in diesem Sommer im eigenen Land Urlaub, wovon vor allem Küstenländer wie Mecklenburg-Vorpommern profitierten. Doch selbst dort ging der Umsatz noch im August um mehr als 20 Prozent zurück. Am schwersten hatten es mit Blick auf Übernachtungen große Städte wie Hamburg und Berlin, wo Messen, Konzerte und Sportveranstaltungen im großen Stil abgesagt wurden.

Deutlich schneller zurückgekehrt ist die Nachfrage in Kneipen und Restaurants, auch wenn sie aufgrund von Hygienevorschriften und einem eingeschränkten Platzangebot ebenfalls noch nicht wieder beim Vorkrisen-Niveau angelangt sind. Vor allem bei kleinen Betrieben, „ohne Gastronomie, die draußen stattfinden kann“, rechne sich eine Öffnung aktuell gar nicht, sagte Zöllick. „Katastrophal ist die Stimmung ebenfalls bei den Diskotheken und Clubs, für die es immer noch keine Öffnungsperspektive und damit keine Aussicht auf Umsatz gibt.“

Zuletzt hatte sich vor allem der Berliner Landesverband dafür stark gemacht, im Herbst Heizpilze in den Außenbereichen zu erlauben, um die Nachfrage auch in den kälteren Monaten nicht abbrechen zu lassen. Die Handhabe mit den aufgrund ihrer Umweltschädlichkeit umstrittenen Heizpilzen ist in den Kommunen sehr unterschiedlich.

Zöllick unterstützte die Forderung am Dienstag: „Wichtig wird auch sein, dass die Kommunen weiterhin großzügig sind bei der Genehmigung von Außenflächen oder von Windschutz, Wintergärten oder Pavillons sowie im Umgang mit Wärmestrahlern, um die Außengastronomiesaison zu verlängern.“

Vom Bund fordert Zöllick unbürokratischere Hilfen: „Der Topf ist groß genug, das Problem ist, dass die Wirtschaft das Geld im Moment nicht nutzen kann, weil Regularien zu engstirnig und zu streng aufgestellt sind.“ Von den Überbrückungshilfen in Höhe von insgesamt 25 Milliarden Euro seien deshalb lediglich knapp eine Milliarde Euro abgerufen worden. Die Überbrückungshilfe ist ein Teil des Konjunkturpakets, das der Bund im Juli beschlossen hatte. Sie muss nicht zurückgezahlt werden und richtet sich nicht nur an die Gastronomie, sondern an alle kleinen und mittelständischen Unternehmen. Größere Unternehmen profitieren davon allerdings nicht.

Verbraucher profitieren indes nicht von günstigeren Hotelpreisen aufgrund der geringeren Nachfrage. „Wir haben auch im Vorfeld nur sehr geringe Gewinnmargen in den Betrieben gehabt“, sagte Zöllick. „Mit sinkenden Umsätzen wird das ganze nicht besser.“ dpa

Rund 50 Prozent weniger Umsatz


Allein zwischen März und Juni 2020 hat das Gastrogewerbe im Vergleich zu Vorjahr beim Umsatz Einbußen in Höhe von 17,6 Milliarden Euro verzeichnet, wie der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga mitteilt. Fast 11 Milliarden Euro davon entfielen allein auf die Monate April und Mai. Im gesamten ersten Halbjahr gingen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um nahezu 40 Prozent zurück. Die gesamte Branche geht laut einer Umfrage des Verbands von Umsatzverlusten in Höhe von 50 Prozent für das gesamte Jahr aus. dpa