Washington / dpa Die nächste Krise kommt bestimmt: Dann ist die Bulgarin Kristalina Georgiewa als Präsidentin gefordert.

Von der Karl-Marx­-Universität im damals kommunistischen Bulgarien hat sich Kristalina Georgiewa an die Spitze des kapitalistischen Finanzsystems hochgearbeitet. Die 66-jährige Ökonomin will dem Internationalen Währungsfonds (IWF) neuen Schwung verleihen. Die frühere EU-Kommissarin und Geschäftsführerin der Weltbank übernimmt das Ruder zu einer kritischen Zeit: Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich gefährlich – auch angesichts der von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskriege.

Sollte es zu einer neuen Krise kommen, könnte der IWF schon bald wieder als Feuerwehrmann gebraucht werden, um Staaten vor der Pleite zu retten. „Es ist eine riesige Verantwortung, am Steuer des IWF zu stehen zu einer Zeit, in der das globale Wirtschaftswachstum weiter enttäuschend ist, Handelskonflikte anhalten und sich Schulden auf einem historisch hohen Stand befinden“, sagte Georgiewa zu ihrem Amtsantritt. Ihre erste Priorität sei es daher, Staaten dabei zu helfen, „das Risiko von Krisen zu minimieren und für einen Abschwung vorbereitet zu sein“. Georgiewa folgt der der Französin Christine Lagarde nach, die im November als Chefin zur Europäischen Zentralbank geht.

Der in Washington ansässige IWF sieht sich als Stabilisator des globalen Finanzsystems. Die Institution mit rund 2700 Beschäftigten soll darüber wachen, dass es global nicht zu großen Währungsturbulenzen oder Schuldenkrisen kommt. Im Notfall vergibt der IWF Kredite an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten. In Europa war davon zuletzt etwa Griechenland betroffen. Der IWF hat aktuell Kreditprogramme in Höhe von 70 Mrd. US-Dollar laufen.

Der IWF könnte theoretisch bis zu 1000 Mrd. US-Dollar verleihen, um mögliche Krisen in den 189 Mitgliedsstaaten abzuwenden. Im höchsten IWF-Gremium, dem Gouverneursrat, sind die Stimmrechte der Mitgliedsländer in etwa proportional zu ihrer Wirtschaftskraft vergeben: Deutschland steht an vierter Stelle, hinter USA, Japan und China.

Eine der großen Herausforderungen für Georgiewa sind die Folgen der US-Handelskonflikte, etwa mit China. „Auf globaler Ebene kommt keinem Thema eine größere Rolle zu als dem Handel“, heißt es im aktuellen IWF-Jahresbericht.

Der IWF wurde gemeinsam mit der Weltbank zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gegründet. Die Weltbank wird traditionell von einem US-Amerikaner geführt, der Chefposten des IWF wird von den Europäern bestimmt. Vor ihrem letzten Job als Geschäftsführerin der Weltbank war Kristalina Georgiewa EU-Kommissarin. dpa