Ellwangen / Thomas Veitinger Deutschland will weltweit bei Lithium-Ionen-Zellen mitmischen. Das soll heimischen Autobauern helfen.

Eigentlich hätte Peter Altmaier zunächst sagen sollen: „So, liebe Kinder, jetzt hört mal alle weg!“ Denn was der Bundeswirtschaftsminister erzählte, klang abenteuerlich: „Mein 1927 geborener Vater war stolz auf seine Taschenlampe mit Varta-Batterie. Wenn sie leer war, erhitzte er sie im Backofen, um die letzten Reste Leistung rauszuholen.“

Doch natürlich waren zur Übergabe des 300-Millionen-Euro-Förderbescheids an den Batterie-Hersteller am Dienstag keine Kinder, sondern vor allem Leiter von Institutionen und Unternehmen, Journalisten, Varta-Mitarbeiter und Politiker gekommen. Und die sehen in Forschung und Entwicklung weniger Abenteuerliches, sondern vielmehr eine wichtige Zukunftsinvestition. „So bringen wir die Energie- und Verkehrswende voran“, nannte Altmaier die Marschrichtung.

Die nächsten Innovationen bringen kurze Ladezeiten und hohe Energie, kündigte Var­ta-Chef Herbert Schein an. Mit dem Fördergeld soll die nächste Generation erforscht werden.

Ohne Lithium-Ionen-Zellen funktioniert heute kein Handy, Hörgerät oder Elektro-Auto. „Erste Batteriezellen werden bereits in Deutschland produziert. Nun machen wir den nächsten Schritt hin zur Großserie bei Batteriezellen für automobile und industrielle Anwendungen“, sagte der Minister. Er fördert die Technologie bundesweit mit 1,7 Mrd. €, auch wenn sich etwa Bosch aus Kostengründen davon abgewandt hat und nicht wenige Experten lieber in die nächste technische Generation Feststoffbatterie investieren wollen.

Für Baden-Württemberg sei das Varta-Projekt das richtige Signal zum richtigen Zeitpunkt, sagte Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Varta befand sich vor einigen Jahren in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Heute verkauft das Unternehmen einen Großteil seiner Batterien nach Asien und erreicht einen Konzernumsatz von rund 364 Mio. €. Thomas Veitinger