Berlin / Dorothee Torebko Der Kampf um die Mitarbeiter ist hart: Der Staatskonzern leiht 200 Lokführer an seine Wettbewerber aus.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte die Deutsche Bahn jüngst angezählt: Der Staatskonzern verliere zu viele Ausschreibungen an Wettbewerber. Nun stellt sich heraus: Auf den verlorenen Strecken machen es die Konkurrenten nicht besser. Im Südwesten fehlen Fahrzeuge und Lokführer, Pendler kommen zu spät oder gar nicht erst an. Die Bahn hilft den Konkurrenten seit neuestem mit Zügen aus. Doch nicht nur das: Nun stellt der Staatskonzern ihnen auch Personal zur Verfügung. Rund 200 Lokführer hat das Unternehmen an die Wettbewerber ausgeliehen, verkündete der Vorstandsvorsitzende von DB Regio, Jörg Sandvoß.

„Wir wollen nicht, dass die Probleme der Wettbewerber auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden“, sagte Regio-Chef Sandvoß in Berlin. Deshalb unterstützt die Bahn in fünf Netzen mit zusätzlichen Zügen, auf acht Strecken mit Lokführern. Es sind eben jene Strecken, die die Bahn in diesem Jahr an die Wettbewerber abtreten musste. Sowohl im Südwesten, in Nordrhein-Westfalen als auch im Saarland hilft die Bahn aus. In NRW übernimmt der Staatskonzern sogar zwei S-Bahn-Strecken von einem Konkurrenten, weil dieser nur die Hälfte der Lokführer-Stellen besetzen konnte.

Der Kampf um Köpfe ist hart, und die gesamte Branche ächzt unter dem Fachkräftemangel. Dabei ist es egal, ob im Fern-, Nah- oder Güterverkehr gesucht wird: Lokführer sind überall rar. Doch im Gegensatz zu den Wettbewerbern profitiert die Bahn von einer Einstellungsoffensive, die sie vor anderthalb Jahren gestartet hatte. Dazu geht der Konzern teils ungewöhnliche Wege. Die Bahn wirbt gezielt Über-50-Jährige an, setzt auf Studienabbrecher und hat eine Initiative gestartet, mit der Flüchtlinge aus Syrien, Marokko, Tunesien und Sri Lanka zu Lokführern ausgebildet werden. Hier investiert der Konzern nicht nur in die fachliche Ausbildung. Die Bahn bietet Sprachunterricht an und setzt auf Integrationsmaßnahmen.

Insgesamt will die DB mithilfe dieser Maßnahmen in diesem Jahr mehr als 20 000 neue Mitarbeiter einstellen. Diese sind auch nötig, denn 2020 gehen wieder tausende Beschäftigte in Rente. Im vergangenen Jahr hat das Staatsunternehmen 8000 Beschäftigte aufgebaut. Das soll auch in diesem Jahr gelingen – denn mehr Mitarbeiter bedeuten weniger Zugausfälle.

Auch im Nahverkehr sollen tausende Mitarbeiter hinzukommen. 4000 Neuanstellungen peilt DB Regio an. Darunter sollen rund 1000 Lokführer sein. Damit will der Konzern seinen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern gewährleisten.

Dorothee Torebko