Die Rezession durch die Corona-Pandemie haut die deutschen Mittelständler nicht um: Die meisten haben in den letzten Jahren genug Eigenkapital und flüssige Mittel angesammelt, um die Krise aus eigener Kraft zu meistern. Weniger als 5 Prozent droht in diesem Jahr ein Verlust und nicht einmal 2 Prozent die Pleite innerhalb der nächsten sechs Monate. „Die Voraussetzungen für einen dynamischen Wiederaufschwung sind gut“, schließt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, aus der neuen Ausgabe seines „Mittelstands-Fitnessindex“.

Dafür hat der Verband die Unternehmen mit 2 bis 50 Millionen Euro Umsatz analysiert. Für sie sind die bundesweit 376 Sparkassen mit rund 40 Prozent Marktanteil die wichtigsten Finanziers. Der Verband hat wie jedes Jahr mehr als 300 000 Bilanzen ihrer Firmenkunden ausgewertet und zudem die Mittelstandsexperten aller Sparkassen befragt.

Erfolge Der Umsatz der Mittelständler dürfte in diesem Jahr um 5,7 Prozent einbrechen, erwartet Schleweis. Das entspricht etwa dem Minus in der Finanzkrise 2009. Allerdings ist die Entwicklung ganz anders: Im Gastgewerbe droht ein Umsatzeinbruch von einem Drittel, im Maschinen- und Fahrzeugbau von 13 Prozent. Wachstum verzeichnen dagegen das Baugewerbe sowie der Gesundheitsbereich. Aktuell beobachten die Sparkassen schon wieder eine Erholung. Schon im nächsten Jahr soll es insgesamt wieder 4,2 Prozent Zuwachs geben. Zudem arbeiten die meisten Mittelständler trotz der Umsatzeinbrüche noch mit deutlichem Gewinn, auch wenn er sich mit durchschnittlich 3,5 Prozent vom Umsatz fast halbieren dürfe.

Zukunftsvorsorge Trotz der rückläufigen Gewinne dürften die Mittelständler bei den Investitionen nur kurzfristig bremsen, erwartet Schleweis. Sie nehmen 2020 immer noch um 1 Prozent zu. Denn manche Branchen wie die Bauwirtschaft und das Gesundheitswesen florieren, andere im strukturellen Wandel müssen für Digitalisierung und Nachhaltigkeit viel Geld in die Hand nehmen.

Basis Die Mittelständler profitieren jetzt davon, dass sie in den letzten Jahren Gewinne weniger ausgeschüttet als sie dazu verwandt haben, die Eigenkapitalbasis zu verbessern. Sie macht jetzt im Schnitt 39 Prozent der Bilanzsumme aus, 5 Prozentpunkte mehr als zu Beginn der Finanzkrise 2008. „Die hohe finanzielle Stabilität des deutschen Mittelstands bleibt insgesamt also erhalten“, so der Sparkassen-Präsident. Zur stabilen Basis gehört auch, dass die Unternehmen kaum Personal abbauen.

Finanzhilfen Im ersten Halbjahr haben die Sparkassen 54 Milliarden Euro neue Firmenkredite zugesagt, fast ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr. In 390 000 Fällen setzten sie Zins und Tilgung als Sofortmaßnahme bei Zahlungsproblemen aus. Gleichzeitig stockten die Unternehmen ihre liquiden Mittel um gut 10 Milliarden Euro oder 7 Prozent auf. Der Sparkassenpräsident rechnet nicht mit deutlich mehr Kreditausfällen. Zudem sieht er die Institute stabil aufgestellt, weil sie ihr Eigenkapital in den letzten fünf Jahren um mehr auf 40 Prozent erhöht haben.

Andere Unternehmen Soloselbstständige und Kleinstfirmen haben mehr zu kämpfen: Sie „verfügen nicht über ausreichende Reserven, um eine solche Krise über mehrere Monate allein durchzustehen“, befürchtet Schleweis. Viele Geschäftsmodelle stünden „stark unter Druck“. Auf größere Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro lassen sich die Ergebnisse der Analyse nicht unbedingt übertragen. Gerade der Maschinenbau einschließlich der Autozulieferer hat neben der Corona-Rezession auch mit massiven strukturellen Problemen zu kämpfen. Trotzdem ist Schleweis für den Mittelstand insgesamt zuversichtlich: Er sei „relativ krisenfest aufgestellt“.

Kommentar

Unternehmen mit 2 bis 50 Millionen Euro Umsatz