Stefan Loeffler In Zeiten, in denen Büros und Betriebe sauberer als je zuvor sein sollen, rücken Gebäude­reiniger in den Fokus. Außerdem wächst ihr Aufgabenbereich. Von Stefan Löffler

Immer mehr Beschäftigte kehren an ihre Schreibtische zurück. Doch das Corona-Virus ist auch noch da und fordert auch von Gebäudemanagern kreatives Denken und Handeln. Sie unterstützen in Zeiten des Ramp-up, des vorsichtigen Hochfahrens der Betriebe. Doch das Corona-Virus bringt den Arbeitsalltag weiterhin gehörig durcheinander – und fordert eine neue Ordnung. Absperrbänder vor Kantinen gehören genauso zum täglichen Bild wie Hinweisschilder, Empfangsräume, Kaffeeecken und Firmenflure ausschließlich mit Mund-Nasen-Schutz zu betreten. Keine Frage: An diese „neue Normalität“ muss man sich erst einmal gewöhnen.

So geht es auch Gebäudemanagern und Reinigungstrupps, die sich auf neue Aufgaben einstellen mussten. Denn an erster Stelle steht seit Beginn der Pandemie Mitte März die strikte Einhaltung verschärfter Hygienevorschriften. Flexibilität ist für Alexander Gerlach das Gebot der Stunde: „Die Facility Manager waren von Anfang an eng in die Pandemieplanung einbezogen“, so der Leiter der Lounge Baden-Württemberg, des deutschen Verbandes für Facility Management e.V. (Gefma) in Bonn. Da nicht alle Betriebe komplett geschlossen wurden, seien die Gebäudedienstleister gefragt gewesen: Sie mussten kreativ werden, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

Doch viele Betrieb waren eben schon geschlossen. Und eine Menge Punkte, die in laufenden Verträgen zwischen Gebäudedienstleistern und Auftraggebern standen, galten plötzlich nicht mehr. Stornierungen im Catering-Bereich häuften sich und fest vereinbarte Reinigungszyklen wurden komplett heruntergefahren, da die meisten Angestellten der Unternehmen im Homeoffice oder in Kurzarbeit waren. Jetzt war Kreativität gefragt: Mit Zusatzleistungen sollten Mitarbeiter der Gebäudedienstleister ausgelastet werden. Dazu gehören unter anderem die Desinfektion von Geldautomaten, Bushaltestellen, Türleisten oder Griffen. Dinge, die normalerweise nicht in einem Leistungsverzeichnis aufgeführt sind.

Bereich Security aufgestockt

Und etwas war neu: „Der Bereich Security musste aufgestockt werden,“ erklärt Gerlach. Denn verschärfte Kontrollen der Eingangsbereiche und die Überprüfung der Abstandsregeln brauchen Personal. Zudem wurden alle erforderlichen Produkte wie Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe nun über das Facility Management geordert.

Wenig Stillstand gab es auch bei den technischen Anlagen, denn einige Unternehmen nutzten den Lockdown für Wartungen und Instandsetzungsmaßnahmen. Mängel wurden beseitigt, die im Lauf der Jahre angefallen waren – darunter Sanierungen und Hygienechecks von Lüftungsanlagen, Filterwechsel, Bodenbelagsarbeiten oder elektrische Prüfungen. Alexander Gerlach: „Das kann man nur machen, wenn die Bänder stillstehen.“

Die Wertschätzung für das Gebäudemanagement in all seinen Facetten hat sich durch die Corona-Krise erhöht, meint Robert Oettl. „Viele Objekte wurden relativ überstürzt verlassen. Die Verträge sind geblieben, die einzelnen Anforderungen haben sich jedoch verändert.“ Jeden zweiten Tag Büroflächen zu reinigen mache keinen Sinn, wenn keiner da ist, sagt der Geschäftsführer der TÜV Süd Advimo GmbH in München. Er ist Mitglied der RealFM, des Berufsverbandes der Real Estate und Facility Manager: „Die Dienstleister waren gefordert, die Immobilien quasi ,coronafit’ zu machen, also zum Beispiel mit Abstandshaltern oder Spuckschutz-Scheiben auszustatten.“

„Der Lockdown hat in vielen Bereichen länger gedauert, als man gehofft hatte“, sagt Oettl, der weiß, dass nun neue Hygiene-Konzepte aufgebaut und mit dem Auftraggeber abgestimmt werden müssen. Gar nicht so einfach ist es, den Betrieb nach dem langen Stillstand wieder aufzunehmen. Dort wo die Gebäudetechnik nach und nach hochgefahren wird, lauern Gefahren durch Legionellen und Keime. Gebäudedienstleister bieten darum auch das Spülen von Rohrleitungen oder eine umfassende Raumlufthygiene als Sonderleistungen an.

Die Kunden wünschen sich zudem eine umfassende Beratung: „Speziell die Gebäudereinigung hat eine ganz andere Wertigkeit bekommen. Denn die Angestellten einer Firma dürfen zu keiner Zeit das ungute Gefühl entwickeln, dass sie sich am Arbeitsplatz anstecken können.“

Robert Oettl ist sicher, dass die gestiegenen Erwartungen durch Gebäudedienstleister erfüllt werden können: „Die Gebäudereinigung ist ein klassischer Ausbildungsberuf, bei dem seit jeher viel Wert auf Hygiene gelegt wird. “ Für die veränderten Anforderungen in einer Pandemie sei man so gut gerüstet.

Eines ist auch klar: Unterm Strich wird im Arbeitsumfeld wohl vieles nicht mehr so sein wie früher. Das sieht auch Oettl so, für den es im Bereich Flächennutzung ohne neue Strukturen kaum sinnvoll weitergehen kann: „Es werden sich neue Raumkonzepte entwickeln und es wird neue Vertragsmodelle geben.“ Und viele bereits als innovativ geltende Konzepte, wie zum Beispiel Desk-Sharing, bei dem man mit wechselnden Personen in einer offenen Arbeitsumgebung sitzt und sich jeden Tag einen anderen Schreibtisch aussucht, werden wohl einen Dämpfer erhalten: „Das ist zwar schick und trendig, aber unter den Gesichtspunkten einer Pandemie eher untauglich.“

Branche gewinnt an Bedeutung

Der Begriff Facility Management kann auch mit „Liegenschaftsverwaltung“ übersetzt werden. Sie sorgt dafür, dass Unternehmen die zu verwaltenden Räumlichkeiten, Anlagen und Flächen mit maximaler Effizienz nutzen können –  im Hinblick auf Kosten, Zeit und Qualität. Das Facility Management optimiert solche Prozesse, die nicht unmittelbar zum Kerngeschäft gehören. Obwohl die Bedeutung des Facility Managements in Betrieben wächst, wollen die Unternehmen auch in diesem Bereich Betriebskosten senken. Aus diesem Grund ist es für die wachsende Branche entscheidend, qualifiziertes Personal mit fachübergreifenden Kompetenzen zu finden und dauerhaft zu halten.