Stuttgart / Der Autobauer schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Auch Jobs in der Produktion sind gefährdet.

Der Autobauer Daimler muss wegen der Corona-Krise noch stärker sparen und will nun deutlich mehr Stellen streichen als bisher bekannt. Zudem schließt der Konzern auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Personalvorstand Wilfried Porth nennt zwar keine konkrete Zahl an Arbeitsplätzen, die wegfallen sollen. Die bisher in der Öffentlichkeit diskutierten 15 000 seien allerdings nicht genug. „Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer“, sagte er. Dem Betriebsrat warf er mangelndes Entgegenkommen vor. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht wiederum warnte davor, die Transformation der Branche gegen die Beschäftigten durchzudrücken. „Auch dem Vorstand muss klar sein, dass der Wandel mit der Belegschaft gelingen muss, nicht gegen sie.“

Die Corona-Krise setzt den zuletzt ohnehin schwächelnden Konzern mit seinen weltweit rund 300 000 Mitarbeitern unter Druck. Vorstandschef Ola Källenius hatte zuletzt betont, dass das im Herbst 2019 aufgelegte Sparprogramm verschärft werden müsse. Darin waren unter anderem Einsparungen im Personalbereich in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vorgesehen. Die reichen nun nicht. „1,4 Milliarden waren die Basis. Jetzt wird die Zahl definitiv größer“, sagte Porth. Nun gehe es darum, vorhandenen Stellhebel noch stärker in Anspruch zu nehmen.

Bisher setzt Daimler auf Fluktuation, Altersteilzeit oder Abfindungsangebote in der Verwaltung. Es könne aber sein, sagte Porth, dass es auch Produktionsbereiche treffe, in denen es Überkapazitäten gebe. Etwa 700 Mitarbeiter hätten das Angebot bisher angenommen. Zudem gebe es Gespräche, den IT-Service auszulagern, wovon  2000 Stellen betroffen wären.

Brecht stellte klar, dass die mit dem Konzern vereinbarte Beschäftigungssicherung bis zum Ende des Jahrzehnts Bestand habe. Darin stehe aber auch, sagte Porth, dass neu verhandelt werde, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen signifikant verändern. Die Bereitschaft des Betriebsrates, hier signifikante Maßnahmen zuzugestehen, sei jedoch nicht besonders ausgeprägt. Brecht betonte, der Ernst der Lage sei ihm durchaus bewusst. „Der Ton in den Gesprächen wird rauer und stellt die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung auf eine Bewährungsprobe.“ dpa