Wilfried Urbe Steuerberater sind gesucht. Der Weg von der Pike an dauert aber mehr als zehn Jahre. Darum setzt die Hochschule Biberach auf ein neues Angebot. Von Wilfried Urbe

Eine Steuerberechnung, die so unkompliziert ist, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Das hat sich nicht nur der CDU-Politiker Friedrich Merz vor 16 Jahren gewünscht. Das würden auch viele Steuerzahler begrüßen. Doch die Regeln werden immer komplizierter. Das gibt Steuerberatern viel Arbeit – und weil der Beruf ein gutes Auskommen garantiert, wächst ihre Zahl stetig auf mittlerweile mehr als 87 500.

Die einzige Hürde ist die Prüfung zum Steuerberater. Mehr als die Hälfte aller Kandidaten fällt in der Regel durch, die meisten schaffen es später im zweiten oder dritten Anlauf. Ein Studium ist nicht zwingende Voraussetzung. Nach der Ausbildung zum Steuerfachangestellten sind allerdings zehn Jahre Berufspraxis nötig, um zur Steuerberaterprüfung zugelassen zu werden. Doch es geht auch schneller: Wer einen Wirtschafts-, Jura- oder Steuerbachelor in der Tasche hat, benötigt drei Jahre Berufspraxis, um zur Prüfung antreten zu dürfen.

In den vergangenen Jahren haben sich einige Hochschulen auf diese Situation eingestellt und bieten Masterstudiengänge mit dem Schwerpunkt Steuern an. Mit einem solchen Abschluss verkürzt sich die erforderliche Berufspraxis auf zwei Jahre. Die Hochschule Biberach und die Akademie der Hochschule starten in diesem Wintersemester den viersemestrigen Master-Studiengang Taxation/Steuerlehre. Die Besonderheit: Das Studium bereitet parallel auch auf die Steuerberaterprüfung vor.

Stuttgart ist eines der Zentren

20 Prozent der Ausbildung erfolgen in Biberach, 80 Prozent in Stuttgart. „Stuttgart ist eines der wichtigen Zentren für Steuerrecht in Deutschland“, erklärt einer der Studiengangsleiter, Professor Gerhard Girlich, die Aufteilung. Nach vier Semestern erlangen die Studierenden den Abschluss „Master of Arts“ und können im Anschluss die Steuerberaterprüfung absolvieren.

„In unserer Region besteht ein großer Bedarf nach einem Masterstudiengang im Bereich Steuerlehre“, sagt Girlich. In Unternehmen und Kanzleien seien „Master“ aufgrund ihres Know-hows gesucht. Doch in Deutschland werden nur wenige solcher Studiengänge angeboten – und das auch erst seit einigen Jahren. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass das Gros der Teilnehmer auf Anhieb die Steuerberaterprüfung schafft. Das hat die Verantwortlichen in Biberach davon überzeugt, ein solches Modell zu etablieren.Denn auch für für die Masterstudierenden gilt: Nur wer die Steuerberaterprüfung abgelegt hat, darf eigenverantwortlich steuerberatend tätig sein.

„Zusätzlich zur normalen Steuerberatung mit ihren Facetten konzentrieren wir uns im zweiten Semester auf die Beratung von Bau- und Immobiliengeschäften, die immer wichtiger wird, sowie auf den Schwerpunkt Energiewirtschaft“, erläutert Girlich.

Als Zielgruppe des Studiengangs visiert die Hochschule Biberach Bachelorabsolventen aus dem Wirtschafts- oder Jurabereich an, die über ein Jahr Berufserfahrung in der Steuerberatung verfügen. Direkt nach dem Masterabschluss sei auch die Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich, da eine Berufstätigkeit während des zweijährigen Studiums erwünscht und machbar sei. „Damit ist die Zulassungsbedingung hinsichtlich der erforderlichen Berufspraxis erfüllt“, sagt Girlich.

Die 40 Plätze für das Wintersemester sind belegt. Die Studiengebühren betragen pro Monat etwa 600 € – eine Summe, die in diesem Bereich nach Einschätzung von Branchenkennern üblich ist. Für den Dozenten jedenfalls sind die Studiengebühren eine sinnvolle Investition: „Schon allein die Kosten für einen externen Vorbereitungskurs auf die Steuerberaterprüfung, die für ein erfolgreiches Prüfungsergebnis notwendig ist, belaufen sich auf viele tausend Euro. Bei uns ist nicht nur die Vorbereitung enthalten, sondern auch der Masterabschluss.“

Im Durchschnitt 52,6 Jahre alt

Die Zahl der Steuerberater, Bevollmächtigten und Vorstandsmitglieder einschlägiger Gesellschaften ist seit dem jahr 2009 um 11 200 auf 87 500 gestiegen. Doch die Branche hat ein demografisches Problem: 29 Prozent der Mitglieder der Bundessteuerberatungskammer sind älter als 61 Jahre. Weitere 25 Prozent sind zwischen 51 und 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Berufsgruppe beträgt 52,6 Jahre.Insgesamt erwirtschafteten die 10 185 Unternehmen der Branche im Jahr 2016 einen Umsatz von 31,5 Mrd. €.

Biotechnologie, Energie, Bau und Immobilien sind die Schwerpunkte der Hochschule Biberach, an der 2500 Menschen studieren. Zu den berufsbegleitende Masterstudiengängen gehört vom Wintersemester an die Steuerlehre. Nähere Infos unter www.hochschule-biberach.de und www.master-taxation-steuerlehre.de. amb