Berlin / Dorothee Torebko Die IAA war bisher eine Automesse, bei der Hersteller ihre neuesten Modelle präsentierten. In München soll sie eine Mobilitätsplattform sein. Von Dorothee Torebko

Wie bequem ist das Reisen im autonomen Auto? Gibt es an der Tankstelle der Zukunft noch Benzin? Und wie fährt es sich auf einer Rad-Autobahn? All diese Fragen stellt die neue Internationale Automobilausstellung (IAA). Im September 2021, wenige Tage vor der Bundestagswahl, treffen sich Automobilhersteller, Zulieferer, Wissenschaftler und Politiker in München. Nicht nur der Ort ist neu. Die Messe will weg von der reinen Autoschau hin zu einer Mobilitätsmesse, in der Räder, Carsharing, Bus und Bahnen Platz haben. Kann das gelingen?

Der Grund für den Wandel der Messe liegt in der Krise der Automobilbranche. Die Industrie mit 830 000 Arbeitsplätzen muss sich angesichts der Herausforderungen im Klimaschutz und der steigenden Konkurrenz aus China transformieren.

Lange haben die Unternehmen den Prozess verschleppt. VW, Daimler und BMW behandelten Zukunftstechnologien wie die E- und Wasserstoffantriebe stiefmütterlich. Spätestens seit dem Dieseldesaster ist die Branche jedoch an einem Wendepunkt angekommen.

Die IAA will diese Transformation begleiten und Motor des Prozesses sein. Das verdeutlichte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, bei der Präsentation des Konzepts in München: „Die IAA will Impulsgeber sein für Lösungen der Mobilität.“

Es gehe um die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsmittel, um Lösungen für überfüllte Städte, aber auch die Mobilitätsbedürfnisse auf dem Land, sagte Müller. Zwar präsentierten die Hersteller ihre Innovationen, zugleich könnten sich die Bürger aber auch über neue Verkehrsmittel wie Flugtaxis informieren und mal probesitzen.

Das Konzept sieht eine Dreiteilung vor. Erstens können Fachbesucher in Konferenzen und persönlichen Gesprächen Innovationen vorstellen, diskutieren und sich vernetzen. Zweitens wird es auf Plätzen in ganz München Diskussionsforen geben. Der dritte Schwerpunkt ist eine Verbindungsstraße zwischen Messegelände und Innenstadt, wo die Besucher und Bürger die Chance haben, neue Mobilitätsformen auszuprobieren.

„Die IAA will Festival und Denkfabrik zugleich sein“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in München. Wichtig sei, mithilfe der IAA die Transformation der Autobranche hinzubekommen, „um Weltmarktführer zu bleiben“. VDA-Präsidentin Müller betonte, wie wichtig der Dialog mit dem Bürger sei. „Die Kritiker sind willkommen, mit uns zu sprechen und ihre Stimme einzubringen.“

Lob für das Konzept kommt von Automobilexperten wie dem Direktor des Center of Automotive Management (CAM), Stefan Bratzel. „Die Automobilbranche muss sich als ein Teil der Mobilität und damit der Gesellschaft präsentieren. Mit der neuen IAA gelingt das“, sagte er. „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. Das Auto ist nicht mehr die Krone der Schöpfung, sondern Teil eines Gesamtsystems.“

Mithilfe der IAA könnte der VDA als organisierender Verband dem Auto einen neuen Sinn geben, sagte Bratzel. Gerade der Bürgerdialog sei da essenziell. „Das Gespräch ist eine Chance für beide Seiten. Auch für diejenigen, die leicht vergessen, wie wichtig die Autobranche für den Wohlstand in Deutschland ist.“

Kritik an der neuen IAA kam vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Das Konzept täusche darüber hinweg, dass das „Geschäftsmodell der Automobilindustrie weiterhin fatal“ sei, sagte die Bundesvorsitzende Rebecca Peters. „Die Bundesbürger sollen immer mehr, immer größere Autos kaufen, in denen sie schwerpunktmäßig Kurzstrecken ohne Gepäck und Beifahrer zurücklegen. Unsere Städte verkraften nicht noch mehr Autos.“

Kommentar

Kürzer und kleiner

Die Internationale Automobilmesse (IAA) findet vom 7. bis 12. September 2021 erstmals in München statt. Die bayerische Hauptstadt hatte sich mit ihrem Konzept gegenüber Berlin und Hamburg durchgesetzt. Die Kernmesse wird kleiner als bisher.  Statt 18 Messehallen, sollen 13 gefüllt werden. Und sie wird kürzer. Statt zehn Tagen sind sechs Tage eingeplant.

Trotz Corona hat VDA-Präsidentin Hildegard Müller keine Bedenken, dass die IAA noch wie der Genfer Autosalon 2021 abgesagt werden müsse. „Die Messe München hat gute Konzepte entwickelt, wie der Gesundheitsschutz gewährleistet werden kann.“  dot