Hannover / dpa Mit einem Showroom für Premium-Marken will ein Start-up den Einzelhandel revolutionieren.

Viele Innenstädte veröden, immer mehr Einkäufe werden online erledigt – seit Jahren sucht der Einzelhandel deshalb nach einem Gegenmittel. Das Start-up Realtale aus Hannover will eine Lösung gefunden haben. Der Ansatz klingt radikal: Ob der Kunde kauft oder nicht, ist fast egal. Im Mittelpunkt steht die ­Inszenierung der Produkte, die die Kunden an die ausgestellten Marken binden soll.

Wie das als „Revolution des Handels“ beworbene Konzept aussieht, können sich Shoppingfreunde seit Samstag auf Hannovers Einkaufsmeile ansehen. Zwischen einem Klamottenladen und einem Sneaker-Store bietet der Showroom Vaund auf 750 Quadratmetern allerlei Luxus und Design: Neben einem Porsche Carrera und einem BMW i3 stehen ein Kühlschrank, ein Eisenbahnmodell und eine Sonnenliege. Alle Produkte sind unverpackt und bekommen Platz, Touchscreens stehen für Infos parat.

Insgesamt seien schon 150 Hersteller an Bord, berichtet Gründer Michael Volland. Wer will, kann schon im Geschäft kaufen, der Erlös geht dann komplett an den Hersteller. Das Geschäftsmodell von Realtale ist aber ein anderes: „Wir verdienen nicht durch Produktverkauf, sondern indem sich die Hersteller bei uns einmieten.“ Im Gegenzug biete Realtale „eine Inszenierungsfläche, wo ich Produkten Leben einhauche, wo die Marke einen Botschafter hat“.

Inspiriert ist dieses Modell von der vor vier Jahren in den USA gegründeten Kette B8ta. Auch dort geht es um Shopping als Erlebnis, um das Ausprobieren der Produkte. Die Hersteller bezahlen eine Pauschale und erhalten im Gegenzug Einblicke ins Kundenverhalten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt in Deutschland auch das Unternehmen Brickspaces, das Flächen für temporäre Pop-up-Stores vermittelt.

Konzept muss sich beweisen

Ob das Konzept von Vaund auf Dauer funktioniert, wird sich erst zeigen müssen. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein zumindest hat große Zweifel. „Ich glaube, niemand braucht so etwas“, sagt er. Die meisten der Produkte bei Vaund gebe es auch anderswo zu kaufen – und die Kunden täten sich bei Veränderungen im Einzelhandel oft schwer. Ein paar Neuheiten, die es nirgendwo anders zu sehen gibt, bietet Vaund laut Volland zwar schon – tatsächlich seien diese Produkte aber die Ausnahme, räumt er ein.

In wenigen Monaten will Volland expandieren. „Hamburg ist der nächste Standort, den wir planen, im Frühjahr wahrscheinlich“, sagt er. Dann müsse sich auch das Konzept beweisen. „Wir haben Pläne, deutschlandweit auszurollen.“  dpa