Berlin / Michael Gabel Ein großer Teil des Bioabfalls landet laut einer aktuellen Studie im Restmüll. Verband fordert mehr Aufklärung und notfalls Sanktionen. Von Michael Gabel

Die Deutschen werfen zwar deutlich weniger Abfall in die Restmülltonne als in früheren Jahren, aber noch landet vor allem zu viel Biomüll nicht am richtigen Ort. Das ist das Ergebnis ­einer Untersuchung, die das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt am Dienstag in Berlin vorgestellt haben. Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe bezeichnete den 40-Prozent-Anteil von Bioabfall in der Restmülltonne als „riesiges Problem“. Denn auf diese Weise werde „feuchter Bioabfall einfach nur verbrannt, wo er doch ganz wunderbar zu Biogas vergären oder als Kompost genutzt werden könnte“, sagte er dieser Zeitung.

Laut Umweltbundesamt werfen die Bundesbürger mit 128 Kilogramm pro Einwohner und Jahr nur noch etwa halb so viel Abfall in die Restmülltonne wie zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung vor 35 Jahren. Allerdings landet in den Behältern immer noch ein hoher Anteil an Abfall, der dort nicht hingehört: So befinden sich in den Tonnen neben dem Biomüll auch größere Mengen an Plastik, Altglas und Elektroschrott. Außerdem kommen noch 0,5 Prozent „Problemfälle“ wie Batterien, Lack oder Energiesparlampen hinzu, die Schadstoffe enthalten. Tatsächlicher Restabfall wie etwa Windeln, Staubsaugerbeutel, Zigarettenstummel oder aufgekehrter Schmutz macht nur ein Drittel des Gewichts aus.

Abfallexperte Sommer forderte, dass Kommunen, Handel und Hersteller mehr aufklären. Zum andern sollte aber auch die Müllabfuhr schärfere Maßnahmen ergreifen, um eine bessere Müll­trennung durchzusetzen. „So könnte es für falsch befüllte Tonnen eine Gelbe Karte geben. Im Wiederholungsfall kommt die Rote Karte, die Tonne bleibt stehen und muss nachsortiert werden“, sagte er. Er sieht aber auch Kommunen und Landkreise in der Pflicht, mehr Biotonnen aufzustellen. „In vielen Fällen müssen Bürger ihren Biomüll zum Recyclinghof bringen. Da überrascht es nicht, wenn sich mancher diesen Weg spart.“

Um das Problem von zu viel Plastik im Restmüll in den Griff zu bekommen, empfiehlt Sommer, dass in Gelben Säcken und Tonnen nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch ähnlicher Abfall aus Kunststoff oder Metall entsorgt werden darf. „Zum Beispiel ein alter Kleiderbügel, die Bratpfanne oder das Plastikspielzeug.“ Solche Wertstofftonnen gebe es in Deutschland noch viel zu selten.

Um sich ein Bild vom Mülltrennungsverhalten der Deutschen zu machen, sortierten Helfer im Auftrag des Umweltbundesamts seit 2018 per Hand 504 Stichproben, was dem Inhalt von mehr als 2800 Mülltonnen entspricht. Bei der Untersuchung fielen Unterschiede zwischen ländlichen, kleinstädtischen und städtischen Tonnen auf: In Kleinstädten und Vororten ist die Müllmenge mit 110 Kilo pro Einwohner und Jahr vergleichsweise gering, auf dem Land fallen 124 Kilo an und in der Stadt ist es mit 151 Kilo die größte Abfallmenge.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, bezeichnete die geringer gewordenen Abfallmengen als Teilerfolg. Er mahnte, Ziel müsse sein, alles, was sich wiederverwerten lasse, auch zu recyceln. „Wir trennen gut, aber eben nicht sehr gut“, betonte er. Auch er halte die Zahl an Biotonnen für „nicht ausreichend“. Man sei aber im Gespräch mit dem Verband der kommunalen Unternehmen (VKU), um Abhilfe zu schaffen.

Beim VKU scheint man jedoch eher die Bürger in der Pflicht zu sehen. In den Biotonnen landeten noch zu viele Stoffe, die dort nicht hingehörten. Das mache vielfach „die weitere Verwertung schwer bis unmöglich“.

Auch Kunststoff findet sich im Hausmüll