Ulm / Von Julia Kling Während der Corona-Krise kann der laufende Kredit für Haus oder Wohnung zur Belastung werden. Finanzexperten zeigen Lösungsmöglichkeiten auf. Von Julia Kling

Kurzarbeit oder die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes – für Immobilienbesitzer, deren eigene vier Wände noch nicht abbezahlt sind, kann es infolge der Corona-Krise zu finanziellen Engpässen kommen. Zwar ist die Zahl der bundesweit von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten im Juni nach dem Höchststand im März auf knapp 343 000 gesunken. Um sich den Traum vom Eigenheim erfüllen zu können, reizen allerdings viele Verbraucher ihre finanziellen Möglichkeiten bis zum Äußersten aus. 

Der geringere Verdienst durch Kurzarbeit reicht dann aus, um in eine Finanzklemme zu kommen. Nach einer Umfrage im Auftrag der ING-Bank sind bisher 14 Prozent der Befragten bei der Miete oder den Raten für ihre Baufinanzierung infolge der Corona-Krise in Verzug geraten.

„Für diejenigen, die Probleme bekommen, gibt es keine einheitliche Lösung“, sagt Niels Nauhauser. Der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geht davon aus, dass die Problematik im Laufe des Jahres an Dynamik gewinnt. Im Rahmen der Corona-Hilfen konnten Verbraucher die Tilgung ihrer laufenden Finanzierung zwischen April und Juni um drei Monate aufschieben. Diese Regelung lief jetzt aus. „Das Moratorium der Bundesregierung hat Zeit verschafft“, sagt Nauhauser. Jetzt müssten die Betroffenen selbst Lösungen finden.

Überblick verschaffen Der Finanzexperte rät Betroffenen dazu, sich frühzeitig ein Bild von der finanziellen Situation zu machen – inklusive Wertpapierdepots und Verträgen zur Altersvorsorge. „Hier gilt es abzuwägen: Welcher Vertrag ist für mich gerade am ungünstigsten.“ Vielleicht lasse sich auch mithilfe eines Zweitjobs ein kurzfristiger Engpass überbrücken. Anstelle des Dispokredits sei ein Rahmenkredit ratsam. „Manchmal geht es nicht anders, aber das Überziehen des Dispos ist sehr teuer.“ Der Rahmenkredit müsse allerdings abgeschlossen werden, bevor Schulden gemacht werden.

Tilgung aussetzen oder reduzieren Da in Kreditverträgen nur selten die Möglichkeit zur Reduzierung der Tilgungsrate festgeschrieben ist, muss der Betroffenen zunächst das Gespräch mit dem Kreditgeber suchen, erläutert Horst Biallo vom gleichnamigen Vergleichsportal. „Ist die Bank zu keiner Stundung der gesamten Rate bereit, so sollten die Verbraucher zumindest darauf drängen, dass die Tilgung für ein paar Monate ausgesetzt wird.“

Nauhauser macht jedoch keine allzu großen Hoffnungen auf ein Entgegenkommen der Bank. „Im Regelfall ist der Spielraum sehr begrenzt.“ Auch gelte es zu bedenken, dass auch bei einer Aussetzung der Tilgung die Zinsen weiter zu begleichen sind. „Zudem heißt aufgeschoben auch nicht abgehoben“, betont Horst Biallo. „Was aktuell nicht getilgt wird, muss später gezahlt werden.“

Umschulden Wer eine mehr als zehnjährige Zinsbindung vereinbart hat, kann laut Bundesgesetzbuch (Paragraph 489) das Darlehen zehn Jahre nach Vollauszahlung mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ganz oder teilweise kündigen. „Das kann eine interessante Option sein“, sagt Nauhauser mit Blick auf das anhaltend niedrige Zinsniveau. „Für den Abschluss eines neuen Kredits mit besseren Konditionen kann es aber sein, dass man dann einen Einkommensnachweis mit Kurzarbeitergeld vorlegen muss.“

Verkauf Wenn nichts von alledem klappt, kann auch der Verkauf der eigenen Immobilie in Betracht gezogen werden. Dabei werde aber eine Vorfälligkeitsentschädigung gegenüber der Bank über die entgangenen Zinsen fällig, die bis zu zehn Prozent der offenen Restschuld betragen kann. „Solche Entscheidungen mit erheblichen Folgen sollten die Eigentümer nicht überstürzen.“

Nauhauser gibt darüber hinaus zu bedenken, dass vermeintlich kulante Angebote der Geldinstitute nicht immer zum Vorteil des Kunden sein müssen. Häufig gebe es versteckte Kosten. „Deswegen ist dabei immer Skepsis angebracht.“

Seit Jahren deutlich rückläufig