Mainz / dpa Der hohe Zuckergehalt des Jahrgangs 2018 bringt eher schwere Weine hervor. 

Manche schwärmten schon von einem Jahrhundertjahrgang. Nach den ersten Verkostungen von 2018er Weißweinen fallen die Urteile jedoch ernüchtert aus. Das liegt am höheren Alkoholgehalt. Schweren Weinen mangelt es an Raffinesse und Spritzigkeit – Eigenschaften, die bisher den Charakter der deutschen Weißweine geprägt haben. Deren Stil werde wohl auf Dauer etwas südländischer, sagt ein rheinhessischer Winzer zum Beginn der Hauptlese.

Bei einer Verkostung „Großer Gewächse“, also der Spitzenweine des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), zeigten etliche Weiß- und Grauburgunder Alkoholwerte von 13,5 bis 14,5 Prozent. „Dieser Alkoholgehalt hängt mit dem besonderen Jahr 2018 zusammen“, sagt Jacques du Preez, Kellermeister des sächsischen VDP-Weinguts Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe. „In den Jahren davor hatten wir keine Probleme mit einem zu hohen Oechsle-Grad“, erklärt der Kellermeister mit Blick auf das Maß für den Zuckergehalt im Traubenmost. „Inzwischen müssen wir darauf achten, dass er nicht durch die Decke schießt.“ Dabei war gerade das östliche Weinanbaugebiet Sachsen über Jahrzehnte für seine besonders trockenen Weine bekannt.

Ein Most mit 90 Grad Oechsle hat einen Zuckergehalt von 209 Gramm je Liter. Diese beachtliche Menge Zucker wird von der Hefe im Fass zu Wein mit einem Gehalt von 12,4 Prozent Alkohol (bezogen auf das Volumenverhältnis) umgewandelt.

Frühe Lese ist ein Risiko

Weil gerade die leichteren Weißweine gut ankommen, sind die Winzer bemüht, die Trauben früh zu lesen, um den Oechsle-Grad unter Kontrolle zu halten. „Wenn ich drei, vier Tage später mit der Lese beginne, können bei hohen Temperaturen schnell mal fünf Grad Oechsle dazu kommen“, erklärt der Winzer Elmar Clemens aus Sulzheim in Rheinhessen, dem größten deutschen Anbaugebiet. „Das ist dann am Schluss ein gutes Prozent mehr Alkohol.“

Allerdings gehen die Winzer mit einer frühen Lese auch ein Risiko ein. Zwar mag der Zuckergehalt schon voll ausgebildet sein. Die physiologische Reife mit der Entwicklung der für den Geschmack entscheidenden Aromastoffe setzt aber meist etwas später ein als die Zuckerreife. Viele Winzer versuchen, mit einem frühzeitigen Beschnitt der Rebenblätter die Zuckerbildung in den Trauben zu drosseln. „Mit der Regulierung der Blattfläche kann man die Zuckerproduktion kontrollieren“, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim. Allerdings schützen die Blätter auch die Trauben vor Sonnenbrand, der in diesem Sommer ein Problem war. dpa