Die Thüringer Waffenschmiede C.G. Haenel soll das neue Sturmgewehr liefern. Die Spitzen des Verteidigungsministeriums haben am Montag Fachpolitiker der großen Koalition über das Ergebnis von Tests und Prüfserien informiert, die unter Führung des Beschaffungsamtes liefen. Ergebnis: Die Waffe von Haenel habe sich in den Tests als technisch etwas besser erwiesen und sei im Angebot „wirtschaftlicher“ als die von Heckler  Koch (Oberndorf am Neckar).

Heckler & Koch ist Hersteller des aktuellen Sturmgewehrs G36. Und um das hatte es in den zurückliegenden Jahren einigen Wirbel gegeben, der sich um die Treffgenauigkeit unter Extrembedingungen drehte – dem hochintensiven Feuerkampf mit langen Schussfolgen oder auch bei klimatischen Spitzen.

Verteidigungsministerin von der Leyen verkündete 2015, „dass das G36, so wie es heute konstruiert ist, keine Zukunft in der Bundeswehr hat“. Da hatten sich Hersteller und Ministerium schon einige Blessuren geschlagen.

Letztes Jahr kritisierte Heckler & Koch mitten im laufenden Vergabeprozess das Ministerium. Die Firma forderte die Festlegung auf ein größeres Kaliber. Bemängelt wurde auch, es gebe keine faire und sachkundige Auswahl für das G36-Nachfolgemodell.

Das Zusammenspiel von Gewicht, Lauflänge, Munition und Treffleistung ist bei Waffen technisch komplex. Das Kaliber der Munition bedingt Durchschlagskraft, aber begrenzt auch, wie viele Schuss am Mann mitgeführt werden können – des Gewichts wegen.

Nur ist in der Ausschreibung kein Kaliber der Waffe festgelegt, allerdings ein Gewicht. Die Bundeswehr forderte in der Ausschreibung zudem ein Gewehr, das für alle Klimazonen geeignet ist. Von der Feuerkraft her muss es den Feind vorübergehend niederhalten können, also in die Deckung zwingen. In einer solchen Situation darf die Präzision schon mal hinter die Feuerkraft zurücktreten. Das Ziel muss aber bald darauf wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit getroffen werden. Das ist eine Voraussetzung, um Unbeteiligte und Zivilisten nicht unbeabsichtigt zu treffen.

Haenel liefert der Bundeswehr bereits ein Scharfschützengewehr. Das Unternehmen gehört zur Merkel Gruppe, die Teil der Tawazun Holding (Vereinigte Arabische Emirate) ist. Dass das heutige Unternehmen von arabischem Geld abhängig sein könnte, hat offenkundig nicht gestört.

Im Jahr 2008 hatte C.G. Haenel den Betrieb als Neugründung wieder aufgenommen. Der einstige Gründer und Namensgeber Carl Gottlieb Haenel hatte von 1840 an die industrielle Waffenfertigung in Suhl etabliert. dpa