Berlin / Rolf Obertreis Das mit Preisen ausgezeichnete Berliner Start-up Ecoligo sammelt Geld von Anlegern ein. Firmen in Schwellenländern mieten damit Solaranlagen. Von Rolf Obertreis 

Dass Martin Baart viel im Flieger sitzt, gefällt ihm selbst nicht gerade. Mehrfach im Jahr fliegt der 34jährige Frankfurter nach Afrika und Mittelamerika. Er schaut sich Projekte an, spricht mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen über neue Vorhaben. Baart ist Chef des Berliner Unternehmens Ecoligo.

Mit dem Geld von Privatanlegern baut und betreibt es Solaranlagen bei Firmen in Kenia, Ghana, Costa Rica und den Philippinen. „Sie leiden unter hohen Stromkosten, haben kaum Zugang zu Krediten und ihnen fehlt das technische Know-How für Solaranlagen.“ In Ghana etwa zahlten Gewerbekunden umgerechnet bis zu 38 Euro-Cent für die Kilowatt-Stunde Strom. In Europa sind es 7 bis 10 Cent. Mit einer Solaranlage können Firmen auf Dauer also viel Geld sparen.

Drei Jahre nach dem Start hat Ecoligo alle Hände voll zu tun. „Aktuell laufen 22 Projekte mit einer Leistung von zwei Megawatt. Nahezu 30 000 Tonnen CO2 werden pro Jahr eingespart“, sagt Baart. Die Firmen können ihre Stromkosten um 25 Prozent, teilweise um bis zu 40 Prozent senken. 750 Privatanleger haben bislang 2,2 Mio. € bereitgestellt. Die Rendite: 5 bis 6 Prozent jährlich bei einer Laufzeit von vier bis zwölf Jahren. Schon mit 100 € können sich Anleger einbringen.

Grundlage der Arbeit ist das sogenannte Crowdinvesting. Ecoligo ermittelt für jede Firma und Anlage das Investitionsvolumen, die zu erwartenden Erträge sowie Laufzeit und die Rendite für die Investoren. Anleger überweisen das Geld zunächst auf ein Treuhandkonto. Erst wenn die Summe für eine Anlage komplett ist, wird das Geld freigegeben. Kommt die Summe nicht zusammen, erhalten die Investoren ihr Geld zurück.

Für die 150 kWp-Solaranlage der Blumenfarm Simbi Roses in Kenia waren es 152 000 €. Laufzeit des Darlehens: Fünf Jahre bei einem Zins von 6 Prozent und jährlicher Tilgung. Für eine 276 kWp Solaranlage der Zentral-Universität in Ghanas Hauptstadt Accra hatten 287 Anleger in 105 Tagen 314 000 € aufgebracht.

Unterstützt wird die Plattform von Allianz Climate Solutions, einem Ableger des Versicherungskonzerns mit Fokus auf Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Aktuell schwanken die Investitionskosten pro Vorhaben zwischen 15 000 und 300 000 €. Die Firmen selbst können nach Leasingphasen von meist zehn Jahren die Anlagen übernehmen.

Die hohe Rendite deutet auf ein beträchtliches Risiko hin – Totalverlust nicht ausgeschlossen. „Darauf weisen wir deutlich hin. Anleger sollen nur einen Teil ihres Vermögens bei uns investieren“, bekräftigt Baart. Faktisch vergeben Investoren ein Nachrangdarlehen. Bei einer Pleite werden sie also erst nach anderen Gläubigern bedient. Immerhin ist Ecoligo Besitzer der Anlage. Sie kann zur Not abgebaut und woanders wieder installiert werden. „Wir schauen uns die Unternehmen sehr genau an. Stimmen die Finanzen, kann die Leasingrate gezahlt werden? Wenn nicht, lehnen wir ein Engagement ab“, versichert Baart.

Er räumt ein, dass ein Zins von 6 Prozent stattlich ist. Die Gesamtrechnung sei so angelegt, dass der Strompreis zwar günstiger ist als der aus dem Stromnetz. „Aber er ist so bepreist, dass er ausreicht, um sämtliche Kosten zu decken und eine Marge für Ecoligo zu bedienen“, sagt Baart.

Ist schon ein Vorhaben gescheitert, haben Investoren Geld verloren? „Nein“, sagt Baart. „Die Nachfrage von Anlegern ist derzeit größer als das Angebot“. Baart sucht deshalb mit seinen zehn Mitarbeitern nach weiteren Firmen in Ghana, Kenia, Costa Rica und demnächst in Vietnam. Als Vertrauensbeweis wertet der Firmengründer auch, dass Anleger inzwischen mehr Geld investieren. Viele berichten von positiven Erfahrungen.

Baart und Schwaninger haben bereits mehrere Preise erhalten. Zuletzt im Februar den  Deutschen Unternehmerpreis für Entwicklung, überreicht von Entwicklungsminister Gerd Müller auf dem German-African Business Summit in Ghana.

Emissionen senken

Martin Baart hat mehr als zehn Jahre in der Solarbranche auch in Schwellenländern gearbeitet, unter anderem für den Großkonzern ABB. 2016 gründet er mit Markus Schwaninger die Firma Ecoligo. Schwaninger hat sich bis dahin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) um Projekte für Erneuerbare Energien gekümmert. Die Geschäftsidee der beiden: Geld bei deutschen Anlegern einsammeln, damit Firmen in Kenia oder Ghana eine Solar-Anlage aufs Dach setzen. Die wird auf Leasingbasis betrieben. Das hilft zudem dem Klima: Emissionen – etwa durch Diesel-Generatoren – werden vermieden.