Berlin / Nina Jeglinski Der Klimawandel macht den Umbau der Forstwirtschaft in Deutschland notwendig. Die Zeit drängt, doch das Vorhaben wird Jahre dauern. Von Nina Jeglinski

Den Wald retten wollen alle, doch um das Wie wird erneut gestritten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat anhaltende Anstrengungen der Politik zur Rettung der deutschen Wälder und deren nachhaltigen Umbau versprochen. „Der Wald ist kein Nice-to-have, er ist ein Must-have“, sagte sie beim „Wald-Dialog“ auf der Internationalen Grünen Woche.

Nicht erst durch die Dürrejahre 2018 und 2019 sind die deutschen Wälder wieder in die Krise geraten, auch der Anbau von Monokulturen wie Fichtenwälder, haben zur aktuellen Lage beigetragen.

Nicht nur die Waldbesitzer sind verunsichert, mit welchen Holzarten sie in Zukunft überhaupt noch Geld verdienen können. Wissenschaftler wie Professor Jürgen Bauhus von der Universität Freiburg, sprechen vom „Waldumbau als Daueraufgabe“.

Umwälzende Veränderungen

Der Klimawandel sei im vollen Gange und die beiden letzten Jahre seien „keine singulären Ereignisse, sondern Vorboten einer umwälzenden Veränderung“, so der Freiburger Experte. Die Betreiber von Forstbetrieben, aber auch Kleinstunternehmen, die weniger als einen Hektar bewirtschaften, müssten sich darauf einstellen, mehr Vielfalt anzubauen. Welche Arten das sein werden, könne bisher nicht genau  vorausgesagt werden. Doch der Trend gehe in Richtung Mischlaubwald.

Zudem brauche es eine Neuausrichtung bei Forschungsprojekten. „Mit Projekten von drei Jahren Laufzeit ist niemandem geholfen, wir brauchen Arbeiten, die über 20 oder 30 Jahre gehen“, sagt Bauhus. Bei der Ministerin rennt der Wissenschaftler offene Türen ein. „Wir brauchen für den Waldumbau eine vorausschauende Strategie, nicht ideologisch getrieben, sondern wissenschaftlich fundiert“, sagt Ministerin Klöckner.

Den Waldbesitzern geht es nicht schnell genug. Hans-Georg von der Marwitz, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Brandenburg und Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, warnt vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Bereits heute würden zigtausend Hektar Wald nicht mehr bewirtschaftet, weil der Holzpreis im Keller sei. Es brauche neue Absatzmärkte und grundsätzliche Überlegungen über neue Geschäftsmodelle. Wie sie aussehen könnten macht Eva Ursula Müller, Abteilungsleiterin Wald im Bundeslandwirtschaftsministerium deutlich. Es gehe auch darum, die so genannte Ökosystemdienstleistung viel stärker anzuerkennen.

Der Begriff Ökosystemdienstleistung bezeichnet die Vorteile, die Menschen von Ökosystemen beziehen. Beispiele für Ökosystemdienstleistungen sind  das Bestäuben von Obstblüten durch Insekten, die Bereitstellung von Trinkwasser, die Reproduktion von Fischpopulationen als Nahrungsmittel oder die Bereitstellung von frischer Luft und einer ansprechenden Umwelt für Freizeit und Erholung. In Ländern wie Costa Rica sei das bereits in den 1990er-Jahren eingeführt worden.

Georg Schirmbeck, Präsident beim deutschen Forstwirtschaftsrat, stören die langen Debatten. Es brauche jetzt klare Ansagen. Die Hilfsgelder sollten endlich ausgezahlt werden. Die Überprüfung der Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung durch die EU-Kommission dauere zu lange. „Sollen wir auch auf die Straße gehen?“, fragt Schirmbeck.

Soweit muss es nicht kommen. „Wichtig ist, dass der Umbau jetzt beginnt, wir müssen vieles ausprobieren und nicht alles wird funktionieren, dafür brauchen die Forstwirte aber vor allem die Politik“, findet Professor Bauhus aus Freiburg.

Umbau kostet Zeit und Milliarden Euro

In Deutschland ist knapp ein Drittel der Fläche bewaldet. Rund 180 000 Hektar Wald müssen wieder bewaldet werden. 11 Mio. Hektar Waldfläche müssen dem Klimawandel angepasst werden.  Ohne den Wald und das Holz, das er bereitstellt, wären die CO2-Emissionen um 14 Prozent höher. 105 Mio. Kubikmeter Schadholz liegen in den Wäldern. Zusammen mit dem Bundesbauministerium startet die „Innovationsoffensive klimafreundliches Bauen mit Holz“. Experten fordern rund 2 Mrd. € aus der CO2-Bepreisung in den Umbau des Ökosystems Wald zu stecken.