Simone Dürmuth Der neue Vorstandsvorsitzende des Optikkonzerns blickt auf einen schwierigen Start zurück. Vor allem die Halbleitersparte sorgt aber für Wachstum im letzten halben Jahr. Von Simone Dürmuth

Mitten in der Pandemie hat beim Optikkonzern Zeiss (Oberkochen) die Unternehmensführung gewechselt. Wie schon lange geplant, übernahm Karl Lamprecht zum 1. April die Geschäfte von Michael Kaschke, der nach 19 Jahren im Vorstand in den Ruhestand ging.

Kein leichter Start für Lamprecht, auch wenn er nach 15 Jahren im Unternehmen und einem halben Jahr Einarbeitung für den Vorstandsposten gut vorbereitet war. „Da wird man ins kalte Wasser geworfen, aber ich habe vorher schwimmen gelernt. Die Wellen sind sehr hoch und ich schlucke viel Wasser – aber wir bekommen das hin“, beschreibt der 55-Jährige seine ersten Wochen an der Spitze des Konzerns.

Die Zahlen, die der gebürtige Österreicher in einer Telefonschalte mit Journalisten zum Ende des ersten Geschäftshalbjahres, das am 30. September beginnt, präsentierte, bildeten denn auch die ersten Einschläge durch die Covid-19-Pandemie ab. Im für den Konzern wichtigen China-Geschäft sei der Auftragseingang zu Beginn des Jahres gut gewesen, habe sich dann im Februar im Vergleich zum Vorjahr aber fast halbiert. Von diesem Tiefstand erhole man sich seit März wieder. Insgesamt sei der Umsatz in China im Vorjahresvergleich um 7 Prozent auf 426 Mio. € gesunken. Zeiss erwirtschaftet 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Trotz des Einbruchs blickt Zeiss auf ein gutes Halbjahr zurück. Unterm Strich verdiente der Konzern in den sechs Monaten bis Ende März 297 Mio. €, 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg ebenfalls um 6 Prozent auf 3,2 Mrd. €.

Besonders erfolgreich entwickelte sich die Halbleiter-Sparte. Das Geschäft mit Anlagen für die Produktion von Mikrochips legte um 18 Prozent zu. Hier profitierte Zeiss vor allem von der noch relativ neuen EUV-Technologie, die inzwischen stark nachgefragt ist. Vor allem, dass Südkorea und Taiwan, wichtige Standorte für die Chipproduktion, bislang relativ glimpflich durch die Krise gekommen sind, war für Zeiss von Vorteil.

Dagegen sei der Anstieg in den Sparten Medizin- und Messtechnik deutlich moderater gewesen als in den vergangenen Jahren. Hier seien die Auswirkungen der Pandemie deutlich spürbar. Im Geschäft für Verbraucher – Brillen, Ferngläser, Objektive – ging das Wachstum wegen coronabedingter Schließungen von Geschäften etwas zurück.

Für das verbleibende Jahr wagte Lamprecht keinen konkreten Ausblick. Zu viel sei noch ungewiss. „Von Konjunkturseite ist es aber kein schönes Bild, das sich hier abzeichnet.“ Man müsse von einem rückläufigen Umsatz ausgehen. Um der Entwicklung zu begegnen, sind in Deutschland etwa 4000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Entlassungen seien aber nicht geplant. „Ich bin optimistisch, dass wir gestärkt aus dieser Phase herauskommen“, so Lamprecht.

Veränderter Arbeitsalltag

Covid-19 verändert auch den Arbeitsalltag der 8700 Zeiss-Mitarbeiter am Standort in Oberkochen. „Wir halten uns an alle Auflagen des
Gesundheitsamtes, gehen bei manchem auch darüber“, erklärt der
Vorstandsvorsitzende Karl Lamprecht. So
arbeiten viele Mitarbeiter derzeit im Homeoffice, in manchen Bereichen sogar jeder zweite. Das werde je nach Möglichkeit und Entwicklung der Pandemie allerdings langsam wieder zurückgefahren. Außerdem gebe es Vorschriften zum Tragen von Masken auf dem Firmengelände und in der firmeneigenen Kantine dürften nicht alle Plätze belegt werden.