Berlin / Dieter Keller Ist die Gründer­familie noch aktiv, entwickeln sich die Firmen sehr gut. Davon profitieren auch andere Aktionäre.

Wer Aktien kaufen will, sollte sich für börsennotierte Familienunternehmen entscheiden. Denn bei ihnen wachsen Umsatz und Beschäftigung schneller als bei anderen Aktiengesellschaften, und sie arbeiten auch deutlich profitabler. Zu diesem Ergebnis kommt eine noch unveröffentlichte Studie des Zentrums für Unternehmens- und Finanzstudien der Uni München im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen, die unserer Zeitung vorliegt.

Die Forscher unter der Leitung von Christoph Kaserer nahmen die 426 deutschen Firmen unter die Lupe, die 2018 im Inland börsennotiert waren. Von ihnen waren 40 Prozent Familienunternehmen, das heißt die Gründerfamilie besaß mindestens ein Viertel der Stammaktien. Dazu gehörten Schwergewichte wie der Softwarekonzern SAP oder Thyssenkrupp, aber auch viele kleinere Gesellschaften. Berücksichtigt wurde zudem, wenn die Familien einen Aufsichtsrats- oder Vorstandsposten besetzten. Die Untersuchung wurde vor zehn Jahren schon einmal durchgeführt. Seither hat sich viel getan: 2008 gab es noch fast ein Drittel mehr börsennotierte Unternehmen, und davon waren 44 Prozent in Familienhand.

Aktiengesellschaften mit maßgeblicher Familienbeteiligung sind im Schnitt erheblich kleiner als andere. Allerdings hat sich ihr Umsatz in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, während er bei „normalen“ AGs nur um 50 Prozent zunahm. Die Zahl der Beschäftigten stieg pro Jahr um 6 Prozent und damit doppelt so stark. Auch nahm ihr Börsenwert überdurchschnittlich stark zu, und sie weisen eine besonders hohe Eigenkapitalquote auf.

Die Mehrzahl der Gründerfamilien ist auch im laufenden Geschäft noch aktiv: In 60 Prozent der Familienunternehmen stellen sie mindestens ein Vorstandsmitglied, in 45 Prozent einen Aufsichtsrat. Allerdings ist die Tendenz rückläufig: Immer häufiger werden die Betriebe von Fremdgeschäftsführern geleitet.

„Familienunternehmen wirtschaften auf lange Sicht und mit Substanz“, lautet das Fazit von Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Sie setzten damit „einen Kontrapunkt im Börsenkonzert, in dem es häufig vor allem darum geht, die Erwartungen von Investoren zu steuern“. Dieter Keller