Göppingen / Julia Kling Energiesparen Alte Haushaltsgeräte, elektrische Heizlüfter oder Glühbirnen sind häufig für hohe Stromkosten zuständig. Die lassen sich oft leicht senken. Von Julia Kling

Rund 1,80 Meter lang und 75 Zentimeter hoch ist der Übeltäter. Die alte Gefriertruhe ist einer der Stromfresser im Haushalt von Günther Jäkh. Dessen ist sich der 62-Jährige bewusst, als er mit Dominik Seck von der Energieagentur des Landkreis Göppingen im Keller seines Reiheneckhauses steht. Das Gerät tut seinen Dienst – seit über 30 Jahren. „Die ist von 1987 und hält sicher noch ewig“, ist Jäkh überzeugt. Den Stromfresser gegen ein neues energiesparenderes Gerät austauschen will der 62-Jährige nicht, wegen der Gesamtbilanz wie er sagt. „Generell muss man immer den gesamten Lebenszyklus eines Gerätes betrachten“, sagt auch Seck. Dazu gehöre der Energieaufwand von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Spätestens nach 20 Jahren sei es jedoch energetisch sinnvoll, ein Gerät auszutauschen.

Seck ist für einen Basis-Check der Verbraucherzentrale Stuttgart zu Günther Jäkh gekommen. Dass es Einsparpotenzial in seinem Eigenheim in puncto Energieverbrauch gibt, war Jäkh bewusst, als er sich mit der Verbraucherzentrale in Verbindung setzte. „Wir haben seit Jahren einen hohen Stromverbrauch und ich wollte endlich Fakten haben, um zu wissen, an was es liegt.“

3600 Kilowattstunden verbrauchen er und seine Frau jedes Jahr im Schnitt in ihrem Reihenhaus und liegen damit deutlich über dem üblichen Mittelwert. „Normal rechnen wir mit 2500 Kilowattstunden bei einem Zweipersonenhaushalt“, sagt Energieberater Dominik Seck, der für einen Basischeck zu dem Ehepaar nach Göppingen gekommen ist.

Berater kommt ins Haus

Im Rahmen des kostenfreien Angebots können Haus- und Wohnnugsbesitzer ebenso wie Mieter den Strom- und Wärmeverbrauch ihrer Immobilie von einem Energieberater vor Ort analysieren lassen. Zudem zeigt der Experte auf, wie sich mit verhältnismäßig einfachen Mitteln der Energieverbrauch im Alltag reduzieren lässt. Für knapp 10 000 Checks waren die Energieberater im Auftrag der Verbraucherzentrale Stuttgart in Baden-Württemberg bereits unterwegs. Dazu zählen neben dem kostenfreien Basischeck etwa auch Gebäude-, Solarwärme- oder Detailchecks, die jeweils 30 € kosten. „Beim Detailchek geht es häufig um Schimmelprobleme in den Wohnungen“, berichtet Seck.

Knapp eineinhalb Stunden dauert der Rundgang während des Basischecks durch Jäkhs Haus. Im Keller wird Seck gleich mehrfach fündig. Neben der alten Gefriertruhe ist auch die Kabinensauna stromintensiv. Zudem gibt es elektrische Fußbodenheizungen in beiden Bädern im Haus. Von solchen Geräten rät der Energieberater grunsätzlich ab. „Stromdirektheizgeräte sind nicht sinnvoll.“

Im Schnitt haben Secks Erfahrung zufolge Haushalte ein Energieeinsparpotenzial von 15 bis 20 Prozent. Dazu zählen dann aber neben dem Austausch von Geräten auch eine Sensibilisierung und Verhaltensänderung der Bewohner. Mit drei einfachen Methoden lässt sich laut Seck bereits Energie sparen:

  • Mit Mehrfachsteckern mit Kippschalter lassen sich Standby-Kosten vermeiden oder die Geräte, die gerade nicht benutzt werden, vom Stromnetz trennen.
  • Glühbirnen oder Energiesparlampen durch LED-Leuchten ersetzen.
  • Zum Erhitzen von Wasser anstelle des Herds einen Wasserkocher verwenden.

Um etwa das Einsparpotenzial bei Haushaltsgeräten deutlich zu machen, hat die Verbraucherzentrale eine Drehscheibe herausgegeben, bei der die durchschnittlichen jährlichen Stromkosten für vier Haushaltsgeräte angegeben sind – aufgesplittet in die unterschiedlichen Effizienzklassen von A+++ bis A und die Kosten mit einem zehn Jahre alten Gerät. „Damit lasst sich konkret das Einsparpotenzial ermitteln“, erklärt Seck. Eine neue Kühl-Gefrierkombi etwa mit Effizienzklasse A+++ verursacht jährliche Stromkosten von 37 €, ein Gerät der Klasse A dagegen 94 €, für ein zehn Jahre altes Gerät weist die Drehscheibe einen Durchschnittswert von 70 € aus.

Vorbildlich sei bei Günther Jäkh neben der zahlreichen LED-Strahler die Pelletheizung mit einer Leistungsaufnahme von 46 Watt. Bei Heizungsanlagen lohne sich häufig eine Leistungspumpe gegen eine Hocheffizienzpumpe auszutauschen. „Mit Einbau kostet so eine Pumpe rund 400 €“, erklärt Seck. Die jährliche Einsparung belaufe sich auf 100 €. „Der Austausch amortisiert sich also relativ schnell.“

Kein moralischer Zeigefinger

Seck ist jedoch wichtig, dass er den Kunden berät und „nicht den moralischen Zeigefinger“ hebt. Vielmehr sollten während der Beratung die Bedürfnisse des Kunden im Fokus stehen. „Geht es ihm zuallererst um Ökologie oder Wirtschaftlichkeit?“ Zudem könne er letztlich nur Tipps geben. „Es ist ja nichts verbindlich was ich dem Kunden vorschlage“, sagt Seck. So sieht das auch Günther Jäkh. „Jetzt habe ich einen Überblick und weiß ich, was unsere Stromrechnung so in die Höhe treibt.“ Um künftig unabhängiger von den Stromanbietern zu sein, hat der Göppinger eine Photovoltaikanlage am Haus installiert. „Damit ist der Strom, den wir verbrauchen zumindest regenerativ.“

Orientierungshilfe beim Kauf

Seit Ende 2011 gilt in der EU eine überarbeitete Energiekennzeichnungspflicht für Haushalts- und TV-Geräte. Das Label – auch EU-Etikett genannt – soll den Kunden beim Kauf von Haushaltsgeräten unterstützen. Derzeit reichen die Effizienzklassen von A+++ bis D. Wobei die Kategorie A+++ ein besonders stromsparendes Gerät auszeichnet. Die Angaben beziehen sich dabei auf den jährlichen Stromverbrauch und nicht etwa auf die gesamte Lebensdauer eines Geräts. Ab März 2021 sollen neue Energielabel für einige Produkte eingeführt werden: Die +-Klassen werden abgeschafft und die Geräte wieder auf einer Skala von A bis G eingestuft. Ziel sei es, dass im März 2021 noch keine Geräte der Klasse A auf dem Markt zu finden sind. Dadurch sollen Hersteller einen stärkeren Anreiz haben, effizientere Produkte zu entwickeln.

Künftig soll laut Umweltbundesamt auf die Labels auch ein QR-Code kommen, über den weitere Produkt-Informationen abrufbar sind.

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