Stuttgart / Julia Kling Der Stuttgarter Konzern, Gartenspezialist Gardena und weitere Firmen bilden eine Allianz. Ihr Ziel: ein Akku für möglichst viele Geräte – herstellerunabhängig. Von Julia Kling

Egal, ob mit der Heckenschere von Gardena oder dem Akkubohrer von Bosch – künftig macht es keinen Unterschied, von welchem Hersteller das Produkt kommt, der Akku soll für alle Geräte derselbe sein. Zumindest, wenn es nach der Vorstellung der neu gegründeten Akku-Allianz unter Führung des Stuttgarter Konzerns geht. Für diese Vision haben sich Bosch Power Tools und der Gartengerätehersteller Gardena zusammengetan. Bosch Power Tools-Chef Henk Becker sieht großes Potenzial im Markt für kabellose Heimwerkergeräte. „In fünf Jahren wird der Akku-Anteil im Heimwerker-Segment bereits von etwa 40 auf 60 Prozent gestiegen sein“, prognostizierte er am Dienstag bei der Vorstellung der Kooperation.

Bosch öffnet dafür seine 18 Volt-Akku-Plattform des Bereichs „Heim und Garten“ für andere Marken. Deren Geräte haben künftig – sofern sie inklusive Akku gekauft werden – eine Bosch-Batterie an Bord. „Unsere Partner stellen ihr Batteriesystem um oder haben dies bereits getan“, sagte Becker. Neben dem Gartengerätehersteller mit Sitz in Ulm sind zum Start auch die Kinderwagenmarke Emmaljunga, der Haushalts- und Gartengeräte-Anbieter Gloria, Farbsprühsysteme von Wagner sowie der Werkzeug-Anbieter Rapid dabei. Ziel sei es „das größte hersteller­übergreifende Akku-System“ für Heimwerker aufzubauen.

Sorge, dass durch die Zusammenarbeit Kunden an die Partner abwandern, hat Becker nicht. „Wir geben da nichts aus der Hand“, sagte er. „Im Gegenteil: Wir erweitern das System.“ Auch Gardena-Geschäftsführer Pär Aström ist überzeugt, dass die Allianz für alle ein Gewinn ist. Die Kunden wollten flexibel einsetzbare Akkus mit guter Qualität. „Deswegen haben wir uns für Bosch entschieden.“ Gardena selbst habe ursprünglich im Batterie-Bereich kaum Kompetenzen gehabt. „Wir haben unseren Kunden aber genau zugehört, was sie wollen.“ Die Akku-Technologie schaffe Vielfalt und Flexibilität.

Zudem passe der Ansatz der Kooperation zum grundlegenden Denken des Gartengeräteherstellers, der zuletzt mit rund 1800 Mitarbeitern weltweit einen Jahresumsatz von 790 Millionen Euro erwirtschaftete. „Unser Erfolg basiert auf Systemdenken“, erklärte Aström. Das komme auch hier zum Tragen.

Während Bosch eine Kompatibilität des Akku-Systems für bis zu 13 Jahre alte Geräte garantiert, stellt Gardena zur kommenden Saison das komplette 18 Volt-Sortiment auf das Akku-System von Bosch um. Für Kunden, die bereits akkubetriebene Geräte von Gardena nutzten, gebe es weiterhin Ersatzteile. Die anderen Partner sind entweder bereits mit Bosch-Akkus im Markt oder bauen ihr Sortiment sukzessive aus.

Neben dem Ausbau der Akku­-Plattform plant Bosch in diesem Jahr zudem erneut, mehr als 100 Innovationen auf den Markt zu bringen. Gerade im derzeit schwierigen und volatilen Umfeld, helfe diese Innovationskraft und die globale Ausrichtung der Sparte, die in 180 Ländern vertreten ist, die Zeit der Pandemie zu überwinden.

„Derzeit beobachten wir einen Aufwärtstrend“, sagte Becker, in vielen Ländern kehre im öffentlichen Leben langsam die Normalität zurück. Dennoch sei es nicht möglich eine stichhaltige Prognose für das laufende Jahr abzugeben. „Wir sind jedoch davon überzeugt, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.“

Nach Kurzarbeit wieder auf Normalleistung

Einen Jahresumsatz von rund 4,8 Milliarden Euro hat Bosch Power Tools zuletzt erwirtschaftet. Das entspricht Unternehmensangaben zufolge einem Plus von drei Prozent. 85 Prozent davon entfielen auf Umsätze im Ausland Der Anbieter von Elektrowerkzeugen und Zubehör sowie Messtechnik beschäftigte im Jahr 2019 rund 20 000 Mitarbeiter.

In den Monaten Mai und Juni habe es an den deutschen Standorten Kurzarbeit gegeben, erklärte Stephan Hölzl, Mitglied der Geschäftsführung. Rund 3000 Mitarbeiter seien in Deutschland davon betroffen gewesen, inzwischen laufe der Betrieb jedoch wieder wie vor der Krise.

Neben den Heimwerkern hat Bosch  auch Handwerker mit professionellen Geräten im Blick. Partner der gemeinsamen Akku-Plattform sind hier die Unternehmen Brennenstuhl, Sulzer, Klauke, Ledlenser, Lena Lighting, Sonlux und Wagner.