Ulm / Thomas Veitinger Der neue Standard 5G kommt nicht so richtig voran. Seit der Versteigerung ist ein Jahr vergangen. Erst jetzt soll es so richtig losgehen. Von Thomas Veitinger

Gefühlt soll es schon seit Jahren so richtig losgehen, aber passiert ist bislang wenig. Nein, hier ist nicht die Rede von Autos mit Stromantrieb. Der neue Mobilfunkstandard 5G kommt ebenfalls nicht so richtig voran. Dabei steht die fünfte Generation des Mobilfunks nicht nur für besseren Handy-Empfang, sondern vor allem für die vernetzte Wirtschaft und Gesellschaft. Ohne schnelles Internet sind weder autonome und vernetzte Autos noch viele medizinische Anwendungen denkbar. Wer zur digitalen weltweiten Elite gehören will, muss zur Technologie einen guten Draht haben.

Doch bei 5G hakte es schon am Anfang. Die Auktion der Frequenzen für das deutsche Netz verschob sich zunächst und wurde dann vor einem Jahr zu einem Bietmarathon in 497 Runden. 6,55 Milliarden Euro standen schließlich auf dem Taschenrechner des Bundesfinanzministers, der sich über die Einnahmen gefreut haben dürfte. Wie bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen (3G) im Jahr 2000 mit unglaublichen 50 Milliarden Euro war das Geld ein Menetekel für die Branche. Damals wie heute bremsten die Eintrittskarten in die jeweils schnellere Mobilfunk-Welt ihren Ausbau aus. Mit dem Geld „könnten mehr als 50 000 neue Mobilfunk-Stationen gebaut werden“, beschwerte sich Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter im Sommer 2019. „Mit diesen Mitteln könnten wir die Funkloch-Debatte in Deutschland ein für alle Mal beenden.“ 80 000 Masten gibt es schon – zu wenige für 5G.

Wie viele weiße Flecken es hierzulande noch gibt, ist vielen Bewohnern kleiner Orte, Autofahrern und Zugreisenden bekannt. Um vor allem in ländlichen Gebieten für guten Handyempfang zu sorgen, fördert der Bund mit 1,1 Milliarden Euro künftig den Bau von Funkmasten. Für technische Umbauten in Zügen fließen 150 Millionen Euro. Allerdings sollen bis zu 5000 Mobilfunkstandorte über eine neue staatliche Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft nur mit „mindestens“ 4G-Empfang (LTE) versorgt werden. Städte und Landkreise wollen im ländlichen Raum aber nicht nur LTE-Lücken geschlossen haben, sondern auch schnell beim 5G-Netz vorankommen.

Immerhin: Die Deutsche Telekom will bereits in Kürze 5G für 40 Millionen Menschen in Deutschland verfügbar machen. Das hört sich nach viel an, auf einer Karte gibt es aber sehr viele und große weiße Flecken. Vodafone möchte bis zum Jahresende mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland den Zugang ermöglichen, Produkte für Unternehmen wurden bereits präsentiert.

Ein Problem ist die Geschwindigkeit. Für den Technikblogger Martin Sauter ist 5G derzeit „nur Marketing“ weil Anbieter gleiche Frequenzbereiche für LTE und 5G nutzten. Würde stattdessen „reines“ LTE eingesetzt, wäre die maximale Geschwindigkeit sogar höher als bei 5G. Die Voraussetzung für 5G sind Glasfaserleitungen, die zu den Stationen führen.

Die Förderung klemmt: Gespräche zwischen EU und Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zur Gigabit-Förderung (Graue-Flecken-Programm) sind laut Tagesspiegel vorerst gescheitert. Es ist nach monatelangem Tauziehen nicht gelungen, die geplante neue Glasfaser-Förderung in Gebieten durchzusetzen, die zwar mit 100 Mbit/s, aber bei weitem nicht mit den versprochenen Gigabit versorgt sind. Jetzt müssen neue Verhandlungen geführt werden.

Dazu kommt die Unsicherheit mit Huawei. Aus Spionage-Angst wird die Technik der Chinesen aussortiert. Allerdings ist sie weit verbreitet und lässt sich beim Aufrüsten von LTE nicht ohne weiteres ersetzen.

Ein weiteres Problem ist der vierte 5G-Lizenz-Ersteigerer 1&1 Drillisch, der kein eigenes Netz hat und auf die Antennen der anderen drei angewiesen ist. Doch bei der Nutzung, dem sogenannten nationalen Roaming, gibt es keine Einigung. „Drillisch möchte möglichst flächendeckend und günstig an die Ressourcen herankommen. Die anderen haben das Interesse, den neuen Wettbewerber möglichst klein zu halten“, erklärt Telekommunikations-Experte Torsten Gerpott von Universität Duisburg-Essen.

Aus Verbrauchersicht ist die Verzögerung ärgerlich. Je später alle Wettbewerber den Ausbau starten, desto später wird flächendeckendes, bezahlbares 5G-Netz für alle zur Verfügung stehen.

5G ist die Zukunft