München / Sebastian Schick und Alexander Bögelein   Eine Zinswende in Europa ist  nicht in Sicht. Davon profitieren Hauskäufer. Kredite  gibt es für weniger als 1 Prozent Zins. Von Sebastian Schick und Alexander Bögelein

Die Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik der Notenbanken lässt die Bauzinsen immer tiefer sinken. Im Vergleich zum Vormonat haben sich die Zinsen im Schnitt um mehr als zehn Basispunkte verbilligt. Seit Jahresanfang beträgt das Minus – je nach Laufzeit – sogar 40 bis 50 Basispunkte.

Hauptgrund für den Rückgang sind die deutlich rückläufigen Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen, die den Takt für die Bauzinsen vorgeben. Denn die Kreditinstitute refinanzieren ihre Immobilienkredite überwiegend durch Pfandbriefe. Für diese Papiere dient die zehnjährige Bundesanleihe wiederum als Vergleichswert. Die Renditen haben vor einer Woche ein neues Allzeittief markiert bei minus 0,41 Prozent, mittlerweile notieren sie aber wieder rund zehn Basispunkte höher.

Nach dem vom Online-Portal Biallo unter 92 Anbietern ermittelten Baugeld-Index verlangen diese aktuell für ein Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung im Schnitt einen Effektivzins von 0,92 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Am Jahresanfang waren es noch 1,37 Prozent. Für ein 15-jähriges Darlehen liegen die Zinsen bei 1,29 Prozent (Jahresanfang: 1,78 Prozent), bei 20 Jahren Laufzeit werden im Schnitt 1,49 Prozent fällig. hier waren es am Jahresanfang 2,01 Prozent.

Der vermeintlich kleine Unterschied hat große Folgen für Kreditnehmer: Wer heute einen Baukredit von 300 000 € mit zehnjähriger Zinsbindung aufnimmt, spart bei einer Anfangstilgung von 3,5 Prozent über die Laufzeit rund 10 000 € an Zinskosten, als wenn er den Kredit zum Jahresanfang abgeschlossen hätte. Doch es geht noch günstiger: Nach dem Baufinanzierungsvergleich  des Portals gibt es Baudarlehen in Höhe von 300 000 € mit zehnjähriger Zinsbindung. Bei einem Beleihungswert von 60 Prozent und einer Anfangstilgung von 3,5 Prozent beträgt der effektive Zins sogar nur 0,50 Prozent.

Preisanstieg auch auf dem Land

Unter dem Beleihungswert versteht man die Summe, die die Bank im Falle einer Versteigerung oder eines Verkaufs mit hoher Wahrscheinlichkeit auch über Jahre hinweg für die Immobilie erhält. Bis zu einem Beleihungswert von 60 Prozent erhalten Bankkunden daher die besten Zinskonditionen, weil die Bank für diesen Teil des des Kredits keinen Ausfall befürchten muss.

„Potenzielle Häuslebauer sollten die Gunst der Stunde nutzen und Nägel mit Köpfen machen“, sagt Horst Biallo, Gründer und Herausgeber von biallo.de. „Denn viel günstiger wird es wohl kaum, zumal die Mieten und Immobilienpreise mittelfristig weiter nach oben klettern dürften. Eine nachhaltige Entspannung ist hier nicht in Sicht“, meint Biallo.

Laut Statistischem Bundesamt gibt es kräftige Preisaufschläge nicht mehr nur in Ballungsräumen, sondern zunehmend auch in ländlichen Gegenden. Seit Ende 2015 haben sich Wohnungen und Häuser im Bundesschnitt um 22 Prozent verteuert. In den Top-Sie­ben-Städten in Deutschland waren es 41 Prozent für Wohnungen und 36 Prozent für Häuser.

Erst-Kreditnehmern empfiehlt Horst Biallo – entsprechende Bonität vorausgesetzt – ein so genanntes Volltilgerdarlehen. Damit können Häuslebauer die historisch niedrigen Zinsen über die gesamte Laufzeit festzurren und das Zinsänderungsrisiko ausschalten. Volltilgerdarlehen gewähren laut Biallo hohe Planungssicherheit, da Zins- und Tilgungsraten feststehen, bis der Kredit abbezahlt ist.

So günstig waren die Konditionen noch nie