Helmut Schneider Der  Haushaltswarenhersteller hat bewegte Jahre hinter sich. 2016 übernahm die französische SEB-Gruppe das Ruder. Die Hoffnung auf ruhiges Fahrwasser täuschte. Von Helmut Schneider

Zweieinhalb Jahre nach der Übernahme des Traditionsunternehmens WMF hat die französische Groupe SEB die Einstellung der Produktion von Edelstahlkochtöpfen in Baden-Württemberg angekündigt. Die Fertigung am WMF-Standort Geislingen an der Steige sei „defizitär“, heißt es in einer am Donnerstagabend verbreiteten SEB-Mitteilung (wir berichteten).

Die Verlagerung der Kochtopffertigung bis Ende kommenden Jahres wird vom französischen Eigentümer als strategische Neuausrichtung bezeichnet. Es ist nicht die erste ihrer Art in der langen Firmengeschichte des baden-württembergischen Unternehmens. Teile der Fertigung waren bereits in der Vergangenheit aus dem Stammwerk verlagert worden. Die jüngste Umstrukturierung betraf die Logistik. Sie wird an einem neuen Zentrum im nur wenige Kilometer entfernten Dornstadt konzentriert.

Altersteilzeit angeboten

Von der Verlagerung der Kochtopffertigung sind rund 150 Arbeitsplätze in Geislingen betroffen. Von der Umstrukturierung im gesamten Konzern sind es 400 der 6200 Stellen. Volker Lixfeld, Chef der WMF Group, spricht davon, dass diese Arbeitsplätze „von Veränderungen betroffen“ seien. Wie viele Stellen unter dem Strich wegfallen, ist unklar. Zumal neue Arbeitsplätze in Geislingen durch den Ausbau der Sparte Professionelle Kaffeemaschinen ((PCM) entstehen sollen. Außerdem werden ein Programm für Altersteilzeit und Aufhebungsverträge angeboten.

  Die Produktionsverlagerung ist Teil des Programms mit dem Titel „Agenda 21“. Es soll „zur langfristigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“ von WMF beitragen. Hintergrund ist, dass die Sparte Consumer, also das angestammte Geschäft mit den Besteck-, Koch- und Küchengeräten, sich nicht so gut entwickelt hat wie vom neuen Eigentümer erwartet.

SEB hatte den Küchengeräte-Hersteller im Mai 2016 von den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) für mehr als 1,5 Mrd. € gekauft. Der französische Konzern ist bekannt für Marken wie Moulinex oder Krups. Die Gruppe wurde eigenen Angaben zufolge mit der Übernahme von WMF zum Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeevollautomaten und zu einem der größten Anbieter für Küchenausstattung. WMF war zuvor in Turbulenzen geraten und hatte sich ein striktes Sparprogramm auferlegt.

Innerhalb des Konzerns gab es vor der Übernahme durch die SEB eine Auseinandersetzung um die Anteile  und einen mehrmaligen Wechsel der Eigentümerstruktur. Auch auf der Chefetage: Im August 2013 löste Peter Feld Thorsten Klapproth als Vorstandsvorsitzenden ab, der diese Position zehn Jahre innehatte. Feld räumte dann Ende 2016 bei WMF freiwillig das Feld.

Die Trendwende im Consumer-Geschäft soll durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen erreicht werden: Neben der Ver­lagerung der Kochgeschirrproduktion ins EU-Ausland gehören dazu die genannte Neuorgani­sation der Logistik im WMF-Lager Dornstadt sowie eine erhebliche Senkung der Verwaltungskosten.

Ein WMF-Sprecher hatte SEB noch bei der Übernahme 2016 als einen strategischen Inhaber in Familienbesitz mit längerfristigen Zielen bezeichnet. „Der möchte die Marke auf lange Sicht entwickeln. Das sind Menschen, die denken in Generationen“, hieß es damals. Die EU-Kommission hatte schließlich grünes Licht für die Übernahme gegeben und dafür keine Auflagen erteilt. (mit dpa)

Mehr als 11 000 Einzelstücke   

Das im Jahr 1853 als Metallwarenfabrik Straub & Schweizer in Geislingen gegründete Unternehmen, das dann als  Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) firmierte,  gehört zu den international bekanntesten Konsumgüterherstellern Deutschlands. WMF verweist gern auf seine Tradition der Entwicklung und Produktion am Gründungsort. Erst Anfang des Jahres war das dortige historische Warenarchiv mit mehr als 11 000 Einzelstücken – darunter auch Kochtöpfen – als besonders schützenswert in das Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg aufgenommen worden. dpa