Stuttgart / mone, mat, dpa Die Billigairline schließt Standorte in Deutschland. Die Flugverbindungen bleiben aber bestehen.

. Europas größte Billig­airline Ryanair will drei seiner Standorte in Deutschland schließen. Die Basis am Flughafen Frankfurt-Hahn soll bereits zum 1. November geschlossen werden, noch vor dem Winter droht den Standorten Berlin-Tegel und Weeze das Aus, teilt die Ryanair-Tochter Malta Air mit. Personalkürzungen dürfte es demnach zudem an den Ryanair-Basen Frankfurt am Main, Köln-Bonn und Berlin-Schönefeld geben, in geringerem Maße auch in Baden-Baden und Memmingen.

Für Verbraucher dürfte sich zunächst nichts ändern. Das Schließen der Basen habe nach jetzigem Stand keine Auswirkungen auf Flugverbindungen, teilt eine Ryanair-Sprecherin auf Nachfrage mit.

Zuvor hatte es einen heftigen Streit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über Gehaltskürzungen in der Corona-Krise gegeben. Die bei der Ryanair-Tochter Malta Air beschäftigten Piloten aus Deutschland hatten die Vorschläge der Airline abgelehnt.

Viele Basen zu betreiben ist laut dem Luftfahrtexperten Cord Schellenberg einer der Grundsätze von Ryanair: „So spart sich die Airline die Unterbringung der Crew in Hotels. Es kann ja jeder zu Hause schlafen.“ Mit der Schließung der Standorte droht den Crews und Piloten die Versetzung quer durch Europa.

Aber: „Nichts zu tun, bringt auch nichts“, sagt Schellenberg. In der Corona-Krise ist die ganze Branche in Schieflage geraten. Jetzt versuchen die Airlines, ihre Flugzeuge dort einzusetzen, wo sie Geld bringen. „Aber die Aussichten sind nicht gut.“

Am Ende der Krise könnten die Billig­airlines noch am besten aufgestellt sein, sagt der Experte. „Die Low-Cost-Airlines sind niedrige Preise gewohnt und erhöhen zum Beispiel über zugebuchte Koffer ihre Marge.“

Mit Gelassenheit blickt man am Allgäu-Airport Memmingen auf die Aufregung bei Ryanair. „Wir befürchten nichts. Und haben auch keine Signale“, sagt Geschäftsführer Ralf Schmid. Seit 1. Juli fliegt Ryanair in Memmingen wieder Linie. „Wir waren zuletzt von den Konsolidierungen der Airline nicht betroffen“, sagt Schmid. „Ryanair hat das Geschäft mit uns eher ausgebaut.“

Auch in Stuttgart rechnet man mit keinerlei Veränderungen im Flugplan. Hier hat sich zwar die Ryanair-Tochter Laudamotion zurückgezogen, das Programm wurde aber von Ryanair übernommen. „Nur die Flugnummer ändert sich“, erklärt eine Sprecherin des Flughafens Stuttgart.

Ryanair verhandelt derzeit mit seinen Beschäftigten und denen der Tochtergesellschaften über Gehaltskürzungen. Es geht um Einkommensverluste von 20 bis 30 Prozent. mone, mat, dpa