Frankfurt/Main / - Der Aufsichtsrat tagt nicht, weil Verdi von Absprachen zwischen Großaktionären erfahren hat.

Die für diesen Mittwoch angesetzte außerordentliche Sitzung des Commerzbank-Aufsichtsrates zur neuen Firmenstrategie ist abgesagt worden. Die Arbeitnehmervertreter hatten das beantragt. Begründungen: Der Aufsichtsrat habe wichtige Unterlagen nicht rechtzeitig erhalten, und die Großaktionäre Bund und Cerberus seien in die Überarbeitung der Strategie eingebunden worden – ohne die Arbeitnehmervertreter.

„Ich finde es sehr merkwürdig, dass sich der Bund mit Cerberus an einen Tisch setzt und über die Strategie spricht und wir als Aufsichtsrat nicht im Boot sind“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann. Verdi fürchtet einen weiteren Personal- und Filialabbau in dem M-Dax-Konzern.

Der Bund ist seit der Finanzkrise 2008/2009 mit 15,6 Prozent größter Einzelaktionär des Frankfurter Instituts. Der US-amerikanische Finazinvestor Cerberus, der gut 5 Prozent der Aktien hält, hatte dem Commerzbank-Management jüngst in zwei Briefen Versagen und eine verfehlte Strategie vorgeworfen.

Konzernchef Martin Zielke und Finanzvorständin Bettina Orlopp hatten nach dem Gewinn­einbruch 2019 angekündigt, der Sparkurs werde noch einmal forciert. Dazu braucht der Vorstand keine Zustimmung des Aufsichtsrats, sondern muss ihn nur über die Pläne informieren. otr/dpa