Berlin / Der Staatskonzern muss milliardenschwere Verluste hinnehmen. Die Schulden liegen bei 27,5 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bahn AG (DB) befindet sich nach den Worten von Konzernchef Richard Lutz in der „schlimmsten finanzielle Krise seit ihrem Bestehen“. Im ersten Halbjahr verbuchte sie einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro, teilte Lutz am Donnerstag mit. Schuld an dem Verlust und dem Schuldenloch von 27,5 Milliarden Euro seien die fehlenden Fahrgäste aufgrund der Corona-Pandemie.

Doch das sei nicht der einzige Grund. So musste die Bahn zwar auf 37 Prozent der Reisenden im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 verzichten. Aber sie nahm auch eine Sonderabschreibung auf ihre Auslandstochter Arriva in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vor. „Das ist sehr schmerzlich“, sagte Finanzchef Levin Holle.

Wegen des Brexit und Corona hat Arriva massiv an Wert verloren. Ursprünglich sollte sie für vier Milliarden Euro verkauft werden, nun wird es ein Bruchteil davon werden. Wie viel, wollte Holle nicht sagen. Er betonte, dass die Bahn Arriva nun „personell neu aufstellen“ wolle.

Zur schlimmsten Lock­down-Zeit im April und Mai waren die Züge lediglich zu 15 Prozent ausgelastet. Die DB hatte ihr Angebot jedoch weitestgehend aufrechterhalten. Bahnchef Lutz verteidigte die Strategie: „Wir haben richtig gehandelt und würden es genau so wieder machen.“

Über eine zweite Corona-Welle und zusätzliche Hygienemaßnahmen in den Zügen wollte Lutz nicht spekulieren. Derzeit werden die Züge regelmäßig desinfiziert, und es herrscht Maskenpflicht. „Bahnfahren ist sicher“, betonte er. „Das zeigen unsere sehr geringen Krankenstände und Infektionszahlen.“

Trotz der schwierigen Lage will die Bahn an ihren Investitionen festhalten. Im ersten Halbjahr steckte sie 2,8 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Das sei der höchste Halbjahreswert in der Geschichte der Bahn. Ohne Unterstützung vom Bund geht das nicht. Dieser hatte als Ausgleich für die Corona-Verluste eine milliardenschwere Finanzspritze sowie eine Kapitalerhöhung zugesagt.

Kritik daran kommt vom bahnpolitischen Sprecher der Grünen, Matthias Gastel: „Leider verdecken die Milliardenhilfen des Bundes die strukturellen Probleme der Deutschen Bahn, statt sie zu lösen.“ Gastel schlägt eine zweite Bahnreform vor, bei der sich die DB auf das Kerngeschäft in Deutschland fokussiert. dot