„Es ist gut, dass es für die Friseurbetriebe endlich eine klare Perspektive gibt und diese ab Anfang März unter Auflagen wieder öffnen dürfen“, sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm zu der von Bund und Ländern beschlossenen Verlängerung des Lockdowns zunächst bis zum 7. März in einer Stellungnahme.

„Das gibt den seit Mitte Dezember 2020 geschlossenen Friseuren Planungssicherheit und nimmt den Betrieben und ihren Beschäftigten ein Stück Existenzangst. Zudem hilft es, einen hohen Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen abzuwenden. Dieser Beschluss würdigt nicht zuletzt auch die von unseren Friseurbetrieben – im gesamten Kammergebiet gibt es davon rund 1700 – erarbeiteten und umgesetzten Hygienekonzepte. Gleichzeitig, so Mehlich weiter, sei es sehr bedauerlich, dass das Kosmetikerhandwerk bei den Beschlüssen keine Berücksichtigung gefunden habe – auch für diese Handwerksbetriebe würden gute Hygienekonzepte vorliegen, die eine Öffnung erlaubt hätten.

Belastung steigt

Die Verlängerung des Lockdowns belaste sehr viele Handwerksbetriebe anderer Gewerke in zunehmendem Maße und bringe viele von ihnen an ihre Belastungsgrenze. Dabei könnten bei Einhaltung aller Hygienestandards neben Friseurbetrieben auch Kosmetikstudios und Ladengeschäfte von Handwerkern wieder öffnen, so Mehlich.

Im Gebiet der Handwerkskammer Ulm zwischen Ostalb und Bodensee seien mehr als 3000 der insgesamt rund 19 500 Handwerksbetriebe direkt vom Lockdown betroffen. Und auch die knapp 1400 Kosmetikbetriebe bräuchten dringend eine klare Öffnungsperspektive, um planen zu können.

Man wolle im regionalen Handwerk möglichst rasch wieder zu einem weniger eingeschränkten Alltag und Geschäftsbetrieb zurückkehren. Das könne verantwortungsvoll gelingen. Aber nur dann, so Mehlich, „wenn wir die weiterhin von den Beschränkungen besonders betroffenen Betriebe und Unternehmen nicht allein lassen.“ Das endgültige Aus dieser Betriebe werde man nur verhindern können, wenn die zugesagten Finanzhilfen des Bundes auch in voller Höhe auf den Konten der Betroffenen eingehen.

Größeren Schaden abwenden

Für die Betriebe werde die Situation mit jedem weiteren Tag, den sie geschlossen bleiben, zunehmend existenzgefährdend. Ein guter und längst überfälliger Schritt sei, dass die Überbrückungshilfe III nun beantragt werden könne. Aber die Gelder müssten nach Ansicht der Kammer jetzt zügig fließen, wenn man nicht wolle, dass Handwerksbetriebe in die Insolvenz getrieben würden. Nur so könne ein größerer und dauerhafter Schaden abgewendet werden.

Zudem mache sich die Kammer  bereits seit Beginn der Pandemie für eine Erweiterung des geltenden steuerlichen Verlustrücktrags für Betriebe stark. „Gut, dass er jetzt ansatzweise beschlossen ist. Da geht aber noch mehr“, glaubt Mehlich. Die Verlustverrechnung müsse zusätzlich auf mehrere Jahre ausgeweitet werden, denn sie wirke gut und entlaste betroffene Unternehmen und Betriebe enorm. Gleichzeitig würden dadurch grundsätzlich gesunde Betriebe, die allein durch die Pandemie und die angeordneten Schließungen geschädigt wurden und ihre Steuern immer bezahlt haben, entlastet und gestützt.

Mehlich: „Davon wird unser Staat wieder profitieren, wenn diese Betriebe nicht verschwinden und dann wieder diese so wichtigen Steuern erwirtschaften.“